An und auf der Alster

Auf dem Bett ist Liegen in jeder Himmelsrichtung möglich, rein von der Fläche her. Sechs Kopfkissen für diverse Schlaftypen und daneben zwei Schoko-Betthupferl, die ich sofort vertilge.

Ich bin im achten Stock des Barcelo Hotels in Hamburg und damit auf Höhe der umliegenden Dächer. Nur wenige Bauherren brechen das ungeschriebene Gesetz der Hansestadt, nicht höher als die Kirchen zu bauen. So sehe ich also den fleißigen Büroarbeitern vis-à-vis kurz zu, denn die Ferdinandstraße ist schmal.

Zur Linken kann ich bis zur Binnenalster schauen, wo Nichtbürositzer ihre Füße Richtung Wasser baumeln lassen. Der Großstadtlärm brandet aus der Ferne hoch, bis zum Ballindamm ist es ein Katzensprung.

Ich werfe mich auf meine Bettwiese und lasse den Blick umherschweifen: helle und dunkle Töne um mich herum, als einziger Farbtupfer ein roter Sessel. Im Foyer unten ist das genauso. Ein moderner, sachlich-eleganter Stil, reduziert und unaufdringlich.

Mega-Bett im Barcelo Hotel Hamburg

Witzig die Lösung für die Dusche, die mitten in den Raum integriert ist. Die sogenannte „Raindance-Shower“ muss ich also später bei einer Art Regentänzchen ausprobieren. Oder warum heißt sie so?

Der Flachbildschirm mir direkt gegenüber wird von zwei Reliefbildern flankiert. Je nachdem, in welchem Winkel man davorsteht, ist Hamburgs Alsterpanorama zu erkennen. Das Beste aber zu meiner Rechten: Ich stecke das Handy in die Dockingstation, denn mein Akku ist gerade leer. Übermäßiges Bahnfahren laugt ihn aus.

Was hören wir in der Ladezeit? „I just wanna be … right here.“ Flox. Reggae, passend zum Sommerwetter. Mitarbeiter Luis wäre hochzufrieden, wähnt sich aber aktuell im Kurzurlaub. Ich plädiere für eine standardmäßige Ausstattung von Hotels mit Ladestationen. Auf diese Weise vergisst niemand mehr sein Kabel im Zimmer, der Koffer wird leichter, und die Welt besser.

Jetzt könnte ich einen Tee trinken, alles läge bereit, doch es zieht mich nach draußen, da das Thermometer endlich mal über 20 Grad klettert. Apropos Temperatur: Ich schaffe es zwar, das Gebläse der Klimaanlage im Zimmer abzustellen, nicht jedoch das komplette Gerät.

Apfelkuchen-Zeit an der Alster

Nun erst einmal die nähere Umgebung erkunden, und zwar zu Fuß und ausschließlich an der frischen Luft. Es zieht es mich zur Alster, wo die Fontäne enorme Wassermassen in die Höhe sprüht. Ganz Hamburg scheint heute rund um den zentralen See der Stadt unterwegs zu sein.

Spontan entscheide ich mich für einen Kaffeestopp auf der „Galatea“ und schaukele auf der vorgelagerten Terrasse des Schiffs gemütlich vor mich hin. Zeit für Apfelkuchen. Der Wind trägt die feinen Wassertropfen der Fontäne bis auf meine Haut, und ich habe plötzlich Lust auf eine Bootstour.

„Welches Boot fährt als nächstes?“, frage ich am Anleger, überfordert vom Angebot: Fleet-, Kanalfahrt, Vierlande, Dämmertörn.

„Alsterrundfahrt in vier Minuten, zu bezahlen direkt auf dem Schiff.“ Die freundliche Dame zeigt auf das Cabrio-Boot, und mein Herz frohlockt. Wenn schon, dann unter freiem Himmel.

„Ich würde gern!“, mache ich dem Kapitän klar.

„Haste Geld? Viel Geld?“, will er wissen.

Fleet-, Kanalfahrt oder Dämmertörn?

Ich nicke. Lüge. Was tut man nicht alles für eine Open-Air-Alsterfahrt.

„14 Euro 50.“ Es ist also wahr. Die nehmen’s hier von den Lebendigen und kaufen sich Lackschuhe. Schwarze Lackschuhe.

Wenigstens tutet er schön, als wir ablegen, verfolgt von einem Indianer-Kanu.

„So, das ist jetzt die letzte Fahrt, danach ist Feierabend“, frohlockt der Mann hinterm Steuer. Spätestens hier wird jedem klar, dass wir uns auf jede Menge Fertig-Witze gefasst machen müssen. Und er beginnt mit der Aufklärung rund um das Thema Alster. Tutend verjagen wir ein Tretboot.

Eine der unzähligen Jollen, die an Tagen wie diesen die Außenalster bevölkern, versucht uns zu rammen, kriegt aber noch rechtzeitig die Kurve. Wir schippern munter weiter, ich werde nass, so direkt hinterm Bug, und das Wasser schmeckt nicht salzig.

Was will der blinde Passagier von mir?

Ein blinder Passagier beschnuppert eingehend meine Schuhe, tippelt durch die Gegend, unschlüssig, wo er seinen Zwischenbericht abliefern soll. Wir treffen auf einen starr im Wasser stehenden Mann, dem die Krawatte um die Ohren geflogen ist. Laut Kapitän wird er von Kormoranen und Möwen gerne als Aussichtspunkt für Beutezüge benutzt.

Ein Verwandter von ihm steht auf der Elbe bei Övelgönne, und ich habe ihn schon abgelichtet. Es sind zwei von insgesamt vier Holzfiguren des Künstlers Stephan Balkenhol: „Vier Männer auf Bojen“ aus den 90er Jahren.

Der Kerl vor uns scheint jedem klarmachen zu wollen: Mich kann so leicht nichts umhauen. Stimmt wohl. Keine Jolle und keine Berge von Möwenschiss. Aber er ist ja auch aus Eichenholz geschnitzt.

Steht immer auf der Alster und ist Kunst: der Mann auf der Boje.

Zwischen den ganzen Segel-, Paddel-, Tretbooten und Kanus fällt mir auf, dass es zur Zeit schwer angesagt ist, auf einer Art Surfbrett stehend über die Alster zu paddeln. Nach und nach wird mir auch klar, wie viele Stadtteile vom Alsterzugang profitieren. Private Häuser dagegen eher wenige, und die haben meist illustre Besitzer.

Der Kapitän deklariert das Café Cliff zur beliebten Singlebörse und meint, es gelte unter Hamburgern auch als „Café Wichtig“. Ich nehme mir vor, die Grünflächen an der Alster zu entdecken, den Eichen- und Alsterpark. Oder die Blaue Moschee, einen Bau aus den 60er Jahren, mal aus der Nähe anzusehen.

Meine Erkenntnis am Ende der Fahrt: So ein See mitten in der City ist Gold wert. Aus einem kleinen Fluss wie der Alster lässt sich also ein See über 180 Hektar aufstauen. Karrierebeginn: im 12. Jahrhundert als Mühlenteich.

Gelingt es mir, weiterhin am Wasser zu bleiben? Die Plätze sind heiß begehrt. Dennoch ist es machbar, einen freien Stuhl am Alsterpavillon zu ergattern. Doch ist es auch erstrebenswert? Aus kulinarischer Sicht nicht unbedingt.

Das Optimum: ein Eis bei Sonnenuntergang an der Alster.

Was ich mir den ganzen Winter über schon gewünscht habe: Einfach mit einem Eis am Anleger in der Abendsonne sitzen. Hamburg perfekt. Eigentlich braucht man nicht viel, so als Tourist. Da wird selbst der Alsterschwan neidisch.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an das Barcelo Hotel Hamburg, dass zur Übernachtung eingeladen hat.

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  1. Hach, wie schade, dass ich gerade da meinen stressigen Umzugstag hatte. Wäre soooo gerne mitgekommen. Aber wir holen das nach. In HH und/oder an der Nordsee 🙂 Hmm, und ich glaube, ich muss dann mal das Café Cliff aufsuchen 😉 LG Martina

    • Ja, total schade, Martina! Aber Hauptsache, du hast jetzt eine schicke, neue Bude, und den Rest holen wir nach! Auf eine Runde durch die Beachbars bis zum Cliff. Und sag‘ Bescheid, wenn du mal vorbeikommen willst. Wir freuen uns! LG, Elke

  2. Hach, ich liebe Hamburg! Und ganz besonders gern bin ich an der Binnenalster… 🙂

    Vielen Dank, dass du uns virtuell mitgenommen hast!
    Sonnige Grüße
    Jessi

  3. Da wird man ja richtig verliebt in die HH von Sonne, bis Meer, leckeres Eis und flotten Sprüchen.
    Toll liebe Elke.
    Grüsse sendet Dir Dani

  4. Pingback: Der Blogger-Wochenrückblick | Luxushotel-Tester

  5. Jürgen Mahler

    Hallo Elke,

    erst einmal vielen Dank für Deinen tollen Reisebericht! Ich war vor kurzem selbst in Hamburg an der Alster und hätte es nicht besser beschreiben können. Wir waren sogar auch in diesem Hotel und die Aussicht war einfach traumhaft!

    Gruß
    Jürgen

  6. Boh,da krieg ich beim Lesen ja voll Heimweh!

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