Meerblog » Gruß aus der Südsee

Gruß aus der Südsee

  • von

Alles begann, als wir mitten in der Nacht in Fritzitown strandeten.

Desorientiert hüpfte ich aus der Blechhöhle und begleitete Madame zum wohlbekannten Abschieds- und Wiedersehensort. Sprich: Bahnhof. Ohne zu wissen, was passieren würde.

Eine einsame Figur stand mitten im Schnee, und zur Sicherheit begrüßte ich sie mit dem üblichen Ritual. Pure Höflichkeit. Lutscher waren ja im allgemeinen zuckersüß, Postlutscher ausgenommen. Da musste man als angehender Wachhund auf der Hut sein.

Viel später erst schnallte ich: Es handelte sich hier um Grandmadame, und sie würde eine Weile bei uns bleiben. Zunächst checkten wir die Lage rings um den Bahnhof, alles korrekt. Dann öffnete Madame mir die Blechhöhlentür. Oberschafsköddelgenial!

Vorne hatte ich nämlich noch nie Sitz gemacht. Ganz anderes Feeling. Ohne diesen ganzen Deckenkram und volle Sicht voraus. Ich fühlte mich wie der Copilot. Aber nicht lange. Denn Madame machte mir klar, dass ich fehl am Platze war.

Der arme, kleine, putzige Mammutwelpe – allein in St. Buddel?!

Wieso? Konnte Grandmadame nicht auf die Rückbank… ? Ok, dann bewegte ich meinen Hintern also wieder hinaus. Der Gast war schließlich König, schärfte mir später Monsieur noch einmal ein.

Das Feiertagsprogramm lief an. Gassi. Fressi. Gassi. Fressi. Zunehmen. Groß und stark werden. Mammut ich! Kein Platz auf dem Sofa für Grandmadame. Zu viert war es schon recht eng, ging aber. Ich kuschelte nun mal gerne.

Wenn es nach mir ginge, konnte das Fest der Liebe regelmäßig steigen. Zudem liebte ich große Rudel und zeigte Grandmadame bei jeder sich bietenden Gelegenheit meine volle Zuneigung. Mir gefielen ihre zurückhaltende Art und jene dumpfen Schreie, wenn ich sie begrüßte.

Ein Ritual, das mindestens so lange dauerte wie eine Schmuseeinheit. Also ziemlich lang. Überhaupt sollte man seine Gewohnheiten pflegen. Ich hielt das für essentiell. Habt ihr auch so ein ausgefeiltes Morgenprogramm wie ich?

Teamwork: für Julchen und Janni ist kein Stock zu groß.

Direkt nach dem Erwachen widmete ich mich den Möbelstücken, die es nötig hatten. Dazu gehörten fast alle. Ich arbeitete mal hier und mal da, immer das große Ganze vor Augen. Der Look musste durchgehend sein. In der gesamten Bude.

Und der frühe Morgen war die einzige Zeit, in der ich frei und ungestört werkeln konnte. Wenn ich fertig war, trottete ich zu meiner süßen Langschläferin Julchen und weckte sie mit einem zärtlichen Wuff.

Leider kam sie morgens erst allmählich in die Gänge und vertrieb mich daher mit einem übellaunigen Wuff. Dann langweilte ich mich ein bisschen, setzte mich unter die Treppe zum Hochsicherheitstrakt und machte auf verlassenes Seehundbaby.

Doch leider lief die Sache nicht rund. Seitdem ich stubenrein war, reagierten Madame et Monsieur nicht mehr spontan. Was höchst ärgerlich war. Also mischte ich das Winseln mit einigen Wuffs, die ich allmählich lauter werden ließ.

Gefahr aus dem Hinterhalt: Julchen greift an...

Wie konnte dieses hartherzige Pack einen armen, einsamen, putzigen Welpen so lange sitzen lassen? Auf Grandmadame war ebenfalls kein Verlass, dabei gab ich wirklich alles. Ein Haus voller Schlafmützen!

Und dann regnete es auch noch. Ihr ahnt ja nicht, welches Unwetter bei Regen am Horizont aufzog. Es hatte einen Namen: Julchen. Denn sie hasste Regen. Als Outdoorfreak blieb sie selbst mit klatschnassem Fell draußen, was in Lutscherkreisen nicht gern gesehen war.

So hing der Rudelsegen schon schief, als die Sache mit der Weihnachtsmusik erschwerend hinzukam. Madame wollte an Heiliggabend gerade ein bisschen Stimmung machen, als meine süße Wuseline die ganze Zeit mitjodelte. Tonal lag sie leider voll daneben, was ich selbst ohne große musikalische Kenntnisse feststellen konnte. Trotzdem blieb Julchen am Ball.

Das Geniale an Festtagen waren die Extraportionen. Die Lutscher kochten, was das Zeug hielt, und es blieben Köstlichkeiten für uns übrig, die uns noch Tage später das Wasser im Maul zusammen laufen ließen.

Die neue Attraktion in St. Buddel:

Und schließlich, der absolute Höhepunkt unserer Festivitäten: ein Ausflug nach St. Buddel. Julchen, frisch frisiert, wunderhübsch. Zum Verlieben. Ich, männlich, lässig, wie immer. Zusammen: ein Traumpaar.

Die Lutscher schauten sich in Scharen nach uns um, rutschten über die Eisflächen, strahlten uns an. Die neue Attraktion am Strand: The Dancing Dogs!

Ihr werdet es kaum glauben, doch dieses Mal galt St. Buddel als Durchbruch in meiner Beziehung zu Julchen. Klar, sie versuchte wie üblich, mich zu Fall zu bringen. Dieses kleine Schlitzohr! Mit Schallgeschwindigkeit und gekonnten Beinzwickern.

Doch inzwischen hatte ich einen Vorteil: mein Gewicht. Zugleich auch ein Nachteil. Na ja, ansonsten machten wir eigentlich alles gemeinsam: Tango, Tauziehen, Baden, Buddeln, Wälzen, Schatzsuche. St. Buddel, ein Paradies. Und liebe Leselutscher, ich glaube, Julchen liebt mich. Diesen anderen Typen, diesen imposanten Samojeden, ließ sie komplett abblitzen. Dabei war der Junge hin und weg von ihr!

Da lag er, der Schatz von St. Buddel: eine Ananas.

Julchen und ich, das neue Dreamteam. Gemeinsam fanden wir ihn, den Schatz von St. Buddel. Eine Ananas! Vermutlich aus der Südsee – angespült wegen Schiffsbruch vor der Küste oder so. Julchen bedauerte, dass keine Grußkarte angebracht war. Diese Südseelutscher hätten wirklich daran denken können. Eine kleine Widmung. Für meine Juli.

Ich vermute, die Süße hat ihre Grönlandpläne mit Emil begraben. Oder auf Eis gelegt? Pfff, das muss sie euch selber erzählen…

Text: Janni (nach Diktat auf die Couch gehopst, um Monsieurs Ohr anzuknabbern)

Fotos: Elke Weiler

6 Gedanken zu „Gruß aus der Südsee“

  1. Juhuuu Janni,

    *knubbelknuuuutsch* Ich find’s immer super, was du und Julchen immer so erlebt!! :D Und ich bin mir ganz sicher, dass du es irgendwann schaffst als Copilot in der Blechhöhle zu sitzen!! *tschakkaaa**wuffi* Und vielleicht hat ja ein Fisch die Grußkarte geklaut!? Man weiß es ja nie!

    Freu mich schon auf deinen nächsten Eintrag!!
    *bussi*
    Deine Nichte Candy

    1. Hallo Süße!

      Danke dir! Du hast ja ein Urvertrauen… ;-)
      Aber meinst du echt? Ein Fisch hat sich das Ding unter die Kiemen gerissen? Himmelschafundmeer würde Julchen sagen! Ich werde das sofort mit ihr besprechen. Aber erst Dinner! Hast du auch so Hunger? Wir waren gerade noch am Deich.

      Knutschis für dich!
      Dein Onkelchen Janni :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.