D

Dünenhasen und Deichkönige

Umzingelt. Die Wollknäuel von der Occupy-Bewegung hatten die Fennen besetzt. Egal, ob ich die Lage vor oder hinter dem Haus observierte, überall standen sie herum und grasten. Einmütig.

Es hatte keinen Zweck, mit ihnen zu kommunizieren, denn sie machten auf unüberwindliche Sprachbarriere. Einmal im Leben wollte ich Schaf sein! Nichts als fressen, schlafen, düngen, fressen, schlafen, düngen. Ein bisschen Mäh. Ein bisschen Bäh.

Kein Wunder, dass mein Bloggerkollege Luis, das nichtsnutzige Rastaschaf, über jenes stoische Gemüt verfügte. Da konnte ich ihn zehn Mal bitten, endlich seinen Artikel zu liefern. Hundert Mal. Madame konnte ihm mit Rausschmiss drohen. Nada. Niente. Nix.

Mein neues Jahr hatte kaum begonnen, und schon lief alles aus dem Ruder. Janni modellierte eines von Monsieurs Weihnachtsgeschenken um, funkelnagelneue Schluppen. Obwohl er sich sonst überhaupt nichts aus Schuhen machte.

Dann nietete das Plüschmonster den bereits Geschädigten um – mitten auf dem Deich! Monsieur schrie, und ich war sofort zur Stelle. Police Academy ein Witz dagegen. Während Madame ihren Liebstem wieder aufrichtete, übernahm ich die Drecksarbeit und faltete ich den tolpatschigen Trottel zusammen.

Der kleine Pupser: unbeholfen und tapsig wie ein Bär!

Der lief dann auch sofort zu Madame et Monsieur, um sich zu entschuldigen. Bussi hier, Bussi da. Ha! Klar, der Saubraten war wild und ungestüm, aber meine Intuition flüsterte mir zu, dass ein guter Kern in ihm steckte. Irgendwo ganz tief. Und irgendwann würde sich das Blatt wenden.

Falls nicht, konnte ich immer noch auswandern oder mit Emil nach Lappland oder Grönland einschiffen. Ich hatte letztens in der Flimmerkiste gesehen, wie ein paar Kollegen massenweise Rentiere eingesammelt hatten. Cooler Job.

Aber zurück zur Matsche. Als Grandmadame sich ebenfalls für ein Bad in unserem wunderbaren Marschland entschied, schwor Janni Stein und Bein, dass er dieses Mal völlig unbeteiligt war. Ich glaubte ihm, denn er war nicht dabei gewesen. Um sie zu trösten, schleckte der Pupser Grandmadames verdreckte Klamotten wieder sauber. Fast wie neu.

Manchmal war er also doch zu gebrauchen. Für meinen Geschmack hätte Grandmadame den Reinigungsprozess mit etwas mehr Enthusiasmus bedenken können. Gute Ansätze waren zu loben – ein Grundsatz meines Erziehungskonzepts. Auch wenn sie aus Pupsers Ecke kamen.

Der schöne Moritz versucht, bei Julchen zu landen.

Unsere Pechsträhne hielt weiter an. Hatten sich die Maya um ein paar Tage vertan? Oder was fabrizierten diese Gästelutscher dort am Deich? Eine Katastrophe! Direkt neben dem deklarierten Schutzgebiet für Piepmätze verpulverten sie die Munition, die wegen des Silvestersturms auf der Strecke geblieben war.

Himmelschafundmeer war ein Witz von einem Kraftausdruck für dieses Getöse. Mit jedem Schuss zuckte ich zusammen, als hätten sie auf mich gezielt. Janni blieb locker, doch ich wollte nur weg. Erst in der Blechhöhle fühlte ich mich sicher.

Madame et Monsieur klärten den Böllerlutscher umfassend über den Ernst der Lage auf. Mit Erfolg. Noch bevor sie auf das empfindliche Gemüt von Suntje, dem Seehund, und seiner Freundin hinweisen konnten, hatten die Krachlutscher ihre Siebensachen wieder eingepackt. Meine beiden Süßen kürte ich zu den Helden des Tages. Doch ich hatte erst mal die Schnauze voll. Aber gestrichen.

Janni hielt sich raus, kriegte aber die Motten, weil ich angeblich zu viele Verehrer hatte. Ja, was konnte ich denn dafür, wenn die Typen mir reihenweise hinterher liefen? Was glaubte er denn, wie toll das für mich war? Ständig Kopfnüsse zu verteilen?

Keine Chance für Moritz, Julchen bleibt cool.

Klar kam Karlson als attraktiver Berner Senne daher, doch ich hatte gerade keinen Kopf für so was. Der Anderhalbjährge war ja noch grün hinter den Löffeln. Selbst als wir tags darauf in meinem geliebten St. Buddel den schönen Moritz kennenlernten, stand mir der Sinn nicht nach Flirten.

Der Stadtbeardie kam überdies viel zu schnell zur Sache – mit den meisten Männern war es zum Pferdeäpfelpürieren! Wer mein Herz erobern wollte, musste schon Tango tanzen. Nach allen Regeln des Vorspiels. Ach, Popeye und Emil, nicht jeder versteht die hohe Kunst der Liebe so wie ihr!

Was Janni inzwischen perfekt beherrschte, war das Buddelhandwerk. Im Garten hatte er den dort tätigen Mäusen das Gebiet rund um diverse Eintritte in unsere Hütte freigelegt. Damit die putzigen Nager nicht so viel Arbeit hatten. Der Rudelsegen war endgültig am Wackelpo, und das Katertier fehlte an allen Ecken und Enden.

In St. Buddel legte Schaufel-Janni neue Gänge für die Dünenhasen an – in Nullkommanix. Ich sah der Sache stolzerfüllt zu, musste kaum eingreifen: Die harte Jule-Schule trug erste Früchte.

Zufriedenes Julchen: Janni buddelt professionell.

Trotzdem wurde ich nach dem ganzen Stress krank. Aus Solidarität legte Janni sich gleich mit ins Lazarett, sowie zwei meiner Produzenten, Rennplüsch Nuno und die hübsche Coco.

Doch nach einem Tag beantragte der Pupser bereits seine Entlassung, er hatte eben kein Durchhaltevermögen. Auch die Rennplüsche waren sofort wieder topfit, der Arztlutscher hatte zum Glück nur Kinkerlitzchen beim Neujahrscheck festgestellt.

Immerhin kam mein Pummelschwein nicht um eine nette Neujahrsdiät herum. Vielleicht tat es Janni sogar gut. Am Deich wirkte der Dicke plötzlich behänder. Auch scheute er die Wettkämpfe weniger. Doch Madame et Monsieur hielten den Ball flach. Erst sollten wir genesen, dann die große Sause.

Ich konnte es wie immer kaum erwarten, denn ich war scharf auf den Titel: Miss Deichkönigin.

Text: Julchen (nach Diktat mit den Pfoten an der Haustür gekratzt: „Holt mich hier raus! Ich bin ein Julchen!“)

Fotos: Elke Weiler

Hat dir dieser Artikel gefallen? Teile ihn gerne oder unterstütze mich via PayPal – danke!
CategoriesHunde
Julchen

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

  1. Carmen Bauer says:

    Hallo und viele Grüße aus Nordirland. Einen schönen Blog habt ihr hier. Wenn ihr wollt, kommt uns doch mal besuchen – wir sind nämlich umrundet vom Meer und wenn es das Wetter zulässt, sind wir immer am Strand…

  2. Christiane Weyer says:

    …. habe mich sehr gefreut, dass Du zwei so schöne Bilder von mir in Deinem Blog veröffentlicht hast. Bin immer noch sehr traurig, dass ich leider keine Chance bei der wunderschönen Jule hatte und überlege jetzt ernsthaft, was ich falsch gemacht haben könnte.

    Jedenfalls vermisse ich meinen geliebten Strand sehr und denke oft an Jule und Janni ….. aber man hat mir versprochen, dass wir auch im nächsten Jahr nach SPO fahren …….. und wer weiß, vielleicht habe ich ja dann die Chance auf ein richtiges Date mit Jule.

    Meine beiden Menscheneltern lassen sehr herzlich grüßen und lassen ausrichten, dass sie Deinen Blog ganz toll finden.

    Der Stadtbeardie Moritz

    1. Julchen says:

      Hallo Moritz!

      Das ist ja schön von dir zu hören. Ich freue mich sehr! Findest du nicht auch dieses eine Foto von uns, auf dem du dicht hinter mir stehst, sehr romantisch?

      Moritz, wann immer ihr wieder in unserer Nähe seid: Bitte melde dich!!! Wir treffen uns!! Auch Janni freut sich bestimmt, auch wenn er zur Zeit auf Rüdenraufkurs ist… ;-)

      Dein Julchen

      P.S.: Grüß‘ auch bitte dein liebes Rudel von uns!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.