Dänemark Genuss Samsø

Brot und Wein

Mit dem Anwesen hat Stig Hedeboe einen echten Glücksgriff getan. Die ältesten Teile der vierflügligen Hofanlage in Alstrup stammen aus dem 18. Jahrhundert, ringsherum grünt und blüht es. Typisch Samsø eben.

Man kommt an und fühlt sich wohl. Hyggelig nennen die Dänen das bekannterweise. Alles ist nett anzusehen und strahlt eine Freundlichkeit und Gemütlichkeit aus, die selbst an grauen Regentagen wirkt.

Eigentlich wollten seine Frau Jette und der ehemalige Arzt Stig vor allem Golf spielen auf Samsø. Doch nun recken sich prall gefüllte Weinstöcke vor dem Einfahrtstor dem Himmel entgegen, schon bald ist Zeit für die Lese.

Einfach hyggelig.

Und seitdem Familie Hedeboe Rotwein produziert, haben sie erst im Winter Zeit für andere Dinge wie Sport, Bücher oder Fernsehen. Aber Wein scheint glücklich zu machen, nicht nur beim Genießen.

Dazu haben sie uns nun eingeladen und für diese außergewöhnliche Weinverkostung die Tafel üppig gedeckt. Halbwarme Foccacia, duftendes Kräuterpesto, selbstgebackenes Brot, Käse, Pastetchen – frisch aus dem Ofen… und natürlich der Wein.

Rondo- und Regenttrauben gedeihen auf Samsø.

Zunächst schenkt de Hausherr einen Cuvée Caroline aus dem Jahr 2009 ein. Da die Hedeboes nur 500 Flaschen im Jahr produzieren, ist der frisch abgefüllte Samsø-Wein schnell ausverkauft. Kein Problem für Stig, er opfert für die Verkostung kurzerhand zwei Flaschen aus seinem Privatkeller.

Sowohl der Cuvée aus Rondo- und Regenttrauben als auch der Prestige aus 100 % Rondo sind eine Wohltat. Nach Vanille, Brombeere, Süßkirschen schmecken die beiden, sehr fruchtig. „Bei Blindverkostungen erraten die Teilnehmer nie, dass dieser Wein aus dem hohen Norden kommt“, erzählt Stig.

Die Rebsorten bezog er aus Deutschland, denn sie müssen in diese nördlichen Breitengraden passen. Eigentlich ist das Ganze nur ein Hobby für den 73-Jährigen, doch ein sehr erfüllendes: „Ich arbeite jeden Tag.“

So schaut er aus.

Auch den köstlichen Laib für die Verkostung hat er selbst gebacken: „Ich nenne es das beste Brot der Welt.“ Was keinesfalls übertrieben ist.

Die Weinflaschen, die wir gerne als Souvenir mitnehmen würden, wenn es noch welche gäbe, kosten zwischen 100 und 150 Kronen. Verkauft wird nur auf dem Hof, los geht es dann im nächsten Jahr wieder, ab dem 1. Juli. Ein Grund mehr, dann auf der sogenannten Sonneninsel zu sein.

Text und Fotos: Elke Weiler

Noch mehr Samsø? So fühlt sich eine Planwagenfahrt auf der Insel an. Und so eine Tour mit dem Nostalgiekutter über den Kattegat. „Meerschweine“ inklusive.

Autor

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern (siehe Footer).

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