Dänemark Samsø

Schrittgeschwindigkeit auf Samsø

Wo sind Tulle und Karl? Die beiden norwegischen Fjordpferde haben sich auf der Weide unter ihresgleichen gemischt und sind in der Folge schwer identifizierbar. Auch für Profis wie die Hannens.

Eine Woche war die Familie aus Münster mit dem Zweiergespann unterwegs gewesen. Und nun regnet es Komplimente: „Ganz lieb“ seien Tulle und Karl nämlich gewesen. Pflegeleicht, auch für Leute, die mit Pferden sonst herzlich wenig zu tun haben.

Zwar haben die Hannens schon mal einen Planwagenurlaub gemacht, im Elsass, aber mit nur einem Pferd. Und damals sei alles viel schwieriger gewesen.

Auf Samsø hingegen, der dänischen Kattegatinsel mit den angeblich meisten Sonnenstunden im ganzen Land, geht es die meiste Zeit über ruhige Straßen auf flacher Strecke voran.

Die Münsteraner haben die nördliche Route ausgewählt. Tagtäglich sind die Vier mit Tulle und Karl zwischen anderthalb und vier Stunden unterwegs, bevor sie einen der vorgeschriebenen Rastplätze für Mensch und Tier erreicht haben.

Probier’s mal … mit Gemütlichkeit!

„Den Rest des Tages lässt man es sich gut gehen“, erzählt der Herr Papa. Ohnehin ist die Geschwindigkeit mit dem Planwagen keine nervenaufreibende, adrenalinausschüttende.

Denn während einer der Erwachsenen die Kutsche lenkt, können die Anderen problemlos nebenher spazieren. Und zum Beispiel Obst am Wegesrand pflücken, etwa Mirabellen.

Obst und Gemüse gedeihen nämlich prächtig auf der Sonneninsel, fast mediterran sieht es teilweise aus, wenn die Feigen an prall gefüllten Bäumen hängen. Sogar Weinreben halten es so weit nördlich aus.

Bekannt ist Samsø vor allem für seine Beeren und Kartoffeln. Um ihrem sonnigen Ruf alle Ehre zu machen, bot die Insel den Hannens während ihrer Planwagentour ein exzellentes Wetterchen.

Kann losgehen!

Man hat die Strände auf der Nordhälfte ausprobiert und viel gebadet, auch wenn das Ostseewasser recht frisch war. Und zum Duschen findet sich meist ein Campingplatz in der Nähe des täglichen Rastplatzes.

Einen Tag haben sich die Hannens allerdings nicht vom Fleck bewegt, denn Tulle und Karl mussten ihre vorgeschriebene Pause einlegen. Offizieller Feiertag. Sonst rückt nachher noch die Pferdegewerkschaft an!

In Unterhalt und Pflege sind die Nordbagger, wie die Pferde auf Dänisch heißen, recht unkompliziert. Morgens geht es von der Koppel, wird gestriegelt und eingespannt. Das hat die Familie schnell in den Griff bekommen. Ansonsten erinnert ein Schnellhefter mit den nötigen Infos und Zeichnungen noch einmal an die Details.

Fast Feierabend.

Abends grasen die Pferde auf einer Weide, und Familie Hannen hatte außerdem orangefarbene Snacks in der Tasche: leckere Möhren von der Insel.

„Tulle ist ganz gutmütig“, sagt die Mutter, denn sie hat ihre Töchter nach dem Ausspannen gerne noch eine Runde reiten lassen. Kommunizierten Karl und seine Kollegin allerdings während der Fahrt zuviel miteinander, war schon mal ein „Hü“ oder „Brrr“ nötig, um die beiden an ihren Job zu erinnern.

Im Großen und Ganzen scheint so eine Tour mit dem Planwagen glücklich zu machen, denn die Münsteraner wirken recht tiefenentspannt. Und ein bisschen enttäuscht, weil die Zeit auf der Insel so schnell zu Ende gegangen ist.

Text und Fotos: Elke Weiler

Autor

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

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