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Strandtest No. 2: Schaukelglück im Bad

Die Flut habe ich verpasst. Also heißt es, einen gezeitenunabhängigen Strand auszuwählen. Hinaus aus der Husumer Bucht. Meine Wahl fällt auf den größten Sandkasten des nordfriesischen Festlandes: Sankt Peter, wie die Einheimischen sagen. Während die Gäste meist noch ein Ording hintendran hängen, so steht‘s ja überall geschrieben.

Neuerdings bürgert sich auch „SPO“ ein. Eigentlich besteht Sankt Peter aus mehreren Stränden. Obwohl man im Ortsteil Ording mit dem Auto auf dem Strand parken kann, wähle ich die klassische Variante: St. Peter-Bad, das Epizentrum des touristischen Lebens.

Dafür sind weite Wege zurückzulegen. Plus Parkplatzgebühren, Gästekarte, eventuell ein Strandkorb. Aber ein Strand – schöner als in jedem Bilderbuch! Von der sogenannten Erlebnis-Promenade wandert man über die 1059 Meter lange Seebrücke vorbei an Salzwiesen und Prielen bis geradewegs in die Sandwüstenzone hinein.

Hier türmt sich stellenweise der helle Sand wie zu Wanderdünen hoch und verschüttet die Brücke fast. Zur Linken der neue Sansibar-Ableger im Pfahlbau Arche Noah. Genug Raum fürs Chillen nach einem anstrengenden Strandtag.

Der Wind weht kräftig aus südöstlicher Richtung, wirbelt den feinen Sand auf, der schon zwischen den Zähnen knirscht. Doch die Außentemperatur von 27°C fühlt sich im Wind höchst angenehm an.

Laut Anzeige auf der Promenade gibt das Wasser sich mit 16 °C eher verhalten bis unterkühlt, doch wen kann das schon vom Baden abhalten! Also nichts wie hinein in die sachte plätschernden Fluten. Auch das Meer hat hier Zeit und Raum, sich auszubreiten.

Flach abfallend, heißt das im Katalogjargon. Besonders geeignet für Kinder. Und gute 18°C hat das Wasser in diesem knie- bis hüfthohen Bereich allemal.

Leider wirkt es heute etwas trüb und gleich hinterm Meeressaum sind etliche Seestachelbeeren gestrandet – durchsichtige Quallen mit dem Aussehen und der Größe von Hustenbonbons.

Nach dem Bad heißt es wieder ein Stück wandern – zu den Duschen, Toiletten oder zum Eiswagen? Ich platziere mich ganz in der Nähe der Duschen, was den Vorteil sporadischer Abkühlung mit sich bringt. Danke, Herr Wind!

Abgesehen von der unendlichen Weite dieses hochbeliebten Sandkastens erwartet den St.-Peter-Fan noch ein weiteres Highlight: die Schaukeln! In den Himmel schweben, mit Blick zum Meer, das ist Blau zu Blau.

Es riecht nach Sonnencreme, Nordic Walker toben sich aus, Kinder spielen Ball, und für eine Windpause zieht man sich in seine Strandmuschel oder in einen der Körbe zurück. Aber Vorsicht! Nicht jeder leere Strandkorb ist auch wirklich leer.

Als ich kurz meine Sachen in einem Korb wind- und sandgeschützt abstelle, um ein paar Schnappschüsse zu machen, vertreibt mich ein bayrisches Ehepaar sogleich. Schließlich hätte man den Korb für drei Tage gemietet!

Mir bleibt nur die Flucht auf eine der Schaukeln, denn die übrigen leeren Strandkörbe sind vermutlich auch alle unter der Haube. Also überlasse ich meine Strandtasche dem Wind und schwinge mich gen Himmel.

Schaukeln sollten zur Grundausstattung von Stränden gehören. Ebenso wie Eiswagen.

Text und Fotos: Elke Weiler

Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

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