Glücklich in Glücksburg

Glücksburg ist das Schloss, und das Schloss ist Glücksburg. Es ist Referenz- und Mittelpunkt, Veranstaltungsort, Wahrzeichen. Das Herz der Stadt, umgeben von Wasser. Eine historische Attraktion und ein Stück Renaissance. Das sehen auch die Besucher aus dem nahen Dänemark so. Und sie haben ein besonderes Verhältnis zur Geschichte des Schlosses.

Nicht Flensburg sondern Glücksburg ist die nördlichste Stadt Deutschlands. Mit Blick auf das gegenüberliegende Ufer der Förde und die Ochseninseln – alles schon dänisch. Hügelig und grün, das sind meine ersten Eindrücke von Glücksburg. Kein Wunder, die Waldflächen fallen schon auf dem Stadtplan ins Auge, und die Bebauung wirkt zerteilt.

„Das ist historisch bedingt“, weiß Gyde Diederich vom artefact-Powerpark, ein Mitglied der Stadtvertretung. Am Anfang war das Schloss, auf der einen Seite des Wassergrabens wohnten die Amtsleute, im jetztigen Zentrum die Handwerker.

Das Schloss
Renaissance am Wasser

Und in Sandwig, heute ein Ortsteil Glücksburgs, kurten einst die Flensburger gerne, erzählt die Sandwigerin weiter. Mit dem Fahrrad ist dies alles leicht zu entdecken, nimmt man ein paar Anstiege in Kauf. Oder per Nordic Walking.

Rund ums Schloss freuen sich Jogger und Walker an den grünen Wegen, die immer wieder den Ausblick auf das Prachtexemplar der Baukunst aus dem 16. Jahrhundert preisgeben. Ich entscheide mich fürs Rad und beginne erst mal mit einer rekreativen Pause im angeschlossenen Café.

Bei sonnigem Wetter sitzen alle draußen, direkt am Wasser. Drinnen wählt man zwischen Himbeer-Yogurt-, Marzipan-, Schokoladen- und Buttermandelkuchen – alles genauso selbstgemacht wie die verschiedenen Sorten Marmelade, ein beliebtes Souvenir.

Dann geht es am Schlosspark vorbei und über die Paulinenallee nach Sandwig. An der Copacabana Glücksburgs wurde stellenweise zusätzlicher Sand vorgespült, und heraus kam ein nett ausgestatteter Strandbereich, der vor allem bei Familien beliebt ist.

Strandleben
At the Copa, Copacabana…

Strandkörbe, ein Spielbereich für die Kleinen und das Strandrestaurant Sandwig, so viel Urlaubsflair an der Innenförde hatte ich gar nicht erwartet. In dem schicken Lokal duftet es nach Currywurst, üppig belegte Bagels locken in der Auslage, aber auch Matjes, Kultgetränke mit Holunder oder Kaffee und Kuchen stehen zur Auswahl.

Draußen lungert man auf diversen Sitzmöglichkeiten herum, lässt sich von den warmen Sonnenstrahlen verwöhnen, immer das zum Greifen nahe Dänemark vor Augen. Die M/S Viking, die zwischen Flensburg und den Ochseninseln ihre Runden dreht, legt an der Seebrücke an: Das große Ein- und Aussteigen beginnt. Unzählige Segler, Jollen und Kanuten sind ebenfalls in der Innenförde unterwegs. Selbst das frische Fördewasser hält die Badenden am Strand nicht davon ab, sich in die Wellen zu werfen.

Anleger
Mal kurz nach Dänemark?

Und wer dann noch die Außenförde austesten möchte, hat es ja nicht weit bis zur Halbinsel Holnis. Am Sandwiger Strandbad-Outfit wird eifrig umgestaltet, hier soll eine großzügige Promenade à la Sankt Peter-Ording entstehen, der leider ein Teil des alten Baumbestands zum Opfer fällt.

Ich fahre weiter, lasse den Yachthafen rechts liegen, biege in den Strandweg ein und lerne sogar noch die Fördeland Thermen kennen, wenn auch noch von außen. Noch einmal atme ich in der grünen Mitte Glücksburgs tief durch.

Und beim nächsten Mal? Probiere ich Nordic Walking aus. In dieser würzigen Luft zwischen Strand und Stadt.

Text und Fotos: Elke Weiler

Standardbild
Elke
Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.
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