Natur Nordfriesland

Vogelkiek und Eiergrog

Das Katinger Watt, ein Vogelparadies. In der Nähe des Naturzentrums am Katingsiel und unweit des Eidersperrwerks stehen gleich zwei Beobachtungshütten. Entweder nimmt man hier an einer geführten Tour des Nabu teil oder begibt sich allein auf Vogelkiek – so wie ich.

Gestaute Gräben, vernässte Wiesen und eine extensive Nutzung der Wiesenflächen machen die Gegend attraktiv für Wiesen- und Küstenvögel. Wir laufen über den Deich, und schwupp, fliegen auch schon zwei Graugänse über unsere Köpfe hinweg. Unzählige Nonnengänse haben sich an einem Teich niedergelassen – Frühjahr und Herbst sind die Hochzeiten der Zugvögel.

Wer näher rangeht und die Hütten aufsucht, kann nach Belieben stundenlang ein buntes Bild mit Kiebitzen, Löffelenten, Säbelschnäbler usw. beobachten, die gerne im Katinger Watt brüten. Dieses Mal bleiben wir nicht so lange, denn wir haben noch etwas Anderes im Kopf. Einen Genusspunkt, das Katingsiel Nummer 4.

It‘s Kuchen-Zeit! Und die Schankwirtschaft Andresen, geschützt hinterm Deich liegend, hat die Gartenmöbel bereits in die Frühlingssonne gestellt. Wir freuen uns, auch wenn die Außentemperatur im März frisch ist. Die imposante Linde zur Rechten trägt noch keine Blätter und lässt die Sonnenstrahlen zu uns durch.

Zeit für Kuchen
Zeit für Kuchen

Der Kaffee wärmt auch. Wir wählen Apfelstreusel mit Sahne sowie Trümmertorte mit Mandarinen. Noch wunderbar warm kommt der Kuchen daher und mundet wie bei Muttern. Die Torte hingegen: frisch und cremig. Einige Gäste haben es sich trotz des schönen Wetters in der hübschen Kachelstube gemütlich gemacht – nostalgisch möbliert wie die übrigen Gasträume bei Andresen.

Die Delfter Stube ist übrigens auch für Trauungen beliebt. Wir sparen uns den Besuch lieber für den nächsten Regensonntag auf, falls einer kommt. Das Frühjahr gilt nämlich offiziell als sonnenreichste Jahreszeit in Nordfriesland. Wenn man mal von dem karibischen Juli in 2010 absieht, deckt sich das mit unseren Erfahrungen.

Am Nachbartisch wird mit Eiergrog in den Nachmittag gestartet. Eigentlich ideal für die kühlere Jahreszeit, doch eine Spezialität des Hauses. Darum müssen wir den Grog jetzt auch mal testen – quasi als Nachtisch. Auf der Karte steht: nach dem Hausrezept der blonden Kathrein hergestellt. Es handelt sich um die Mutter des heutigen Besitzers – schon zu Lebzeiten eine Legende.

Lamm im Frühling
Nice to meet you!

Blond ist der Eiergrog auf jeden Fall, und cremig bis sahnig in der oberen Hälfte. Nicht zu warm und nicht zu alkoholisch in der zweiten. Wir können seinen Ruhm über die Katinger, ja Eiderstedter, Grenzen hinaus also nachvollziehen.

Aber auch ohne schaumigen Eiergrog ist der Besuch des denkmalgeschützten, über dreihundert Jahre alten Reetdachhauses hinterm Deich einen Ausflug wert. Zwar kommen wir nicht mehr dazu, die herzhaften Kleinigkeiten der Schankwirtschaft auszuprobieren, darunter Eiderstedter Lammsalamibrot, Krabben oder Matjes. Aber wir wohnen ja nicht so weit entfernt.

Der Familie Andresen liegt der regionale Bezug ihres kulinarischen Angebots am Herzen. Was im Sommer auf den Kuchen kommt, stammt auch gerne aus dem eigenen Garten. So ist die Kuchen-Zeit optimal mit Eiergrog und Vogelkiek kombinierbar. Hasen, Schafe, Shetland Ponys und Hochlandrinder sind auf den Wiesen des Katinger Watts übrigens auch unterwegs.

Text und Fotos: Elke Weiler

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