Brasilien

Meine Bucketlist für Brasilien

Brasilien, die Zweite. Zuletzt habe ich von Bahia geschwärmt, das seit meiner Zeit in einer Batucada-Gruppe auf meiner Liste steht – nicht nur wegen des genialen Rhythmus.

Doch Brasilien ist riesengroß. Ich fliege zunächst nach Rio und später weiter. Rio de Janeiro also: der Zuckerhut, Ipanema, die Copacabana, der Corcovado. Wo würdet ihr übernachten? In einem Hotel mit Ausblick? Nachdem ich immer mehr Artikel über den Favela Tourismus gelesen habe, unter anderem den Bericht der Kollegin Doris, die in „Babilonia“ nächtigte, ist die Idee da.

Nicht, weil ich etwa Abenteuer und Gefahr suchte, im Gegenteil. Inzwischen gibt es Favelas in Rio, die sicherer sind als andere Stadtviertel. Und ich würde gerne das Alltagsleben und ein paar Menschen in den Orten kennenlernen, die zu Rio gehören wie der Zuckerhut. Ich möchte ihrer Musik zuhören, wie einem Samba von Moyses Marques – das Video wurde in der Favela Pereira da Silva gedreht.

Natürlich muss ich dem Brieffreund meiner Kolumnistin Julchen, Bearded Collie Rufus, einen Besuch abstatten, also steht das hippe São Paulo auf dem Programm. Seine Leute werden mir gewiss ein paar Tipps für die Stadt der Kreativen geben. Ich möchte dort gerne Fahrradfahren – nicht gerade ein Klassiker! Doch wenn hier sonntags ganze Straßenzüge für den Verkehr gesperrt werden, ist das die Zeit der Skater und Radler.

Schon seit meinem Kunstgeschichtsstudium möchte ich die Architekturen Oscar Niemeyers in Brasília sehen. Die Hauptstadt wurde in den 50er Jahren auf dem Reißbrett entworfen. Beabsichtigt war die Form eines Kreuzes in der Mitte des Landes, doch wegen der landschaftlichen Gegebenheiten ähnelt der Plan nun eher einem Flugzeug. Und es geht nicht nur um Interesse an der Ästhetik. Die Frage ist: Wie lebt man heute in der gebauten Utopie der Moderne?

Raus aus den Städten. Brasilien, das heißt für mich Natur, Regenwald, Amazonas. Laut WWF sind in Brasilien bereits 20 Prozent durch Brandrodung vernichtet – trotz der wichtigen Rolle Amazoniens für das Weltklima.

Auch Massentourismus schadet der Region. Also lieber langsam reisen und nach einer netten, kleinen Unterkunft Ausschau halten, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat. In der Hängematte am Amazonas schaukeln, im Kanu die Natur erkunden. Einheimische treffen, und vielleicht sogar von den Traditionen eines indigenen Stammes im Urwald lernen.

Sehr spannend stelle ich mir auch das Pantanal vor, ein Feuchtgebiet halb so groß wie Deutschland. Brasilien hat den Löwenanteil auf seiner Seite, und das riesige Sumpfgebiet ist Weltnaturerbe. Hier gilt es, den Einheimischen zu folgen. Mit ihnen hinaus in die wilde Natur zu reiten, die Jaguare, Ozelots, Tapire, Wasserschweine und Kaimane beherbergt, Millionen Kaimane.

Nicht zu vergessen: Ich muss die Regenbogen sehen, die die Wasserfälle von Iguazú in die Luft zaubern, dem Dröhnen ihrer Wassermassen lauschen, mich von ihrem Spühnebel einhüllen lassen. Wieder nennt Brasilien einen Teil des Weltnaturerbes sein eigen, wieder ein Superlativ mehr. Denn bei einer Breite von zirka 2.700 Metern sind es die größten Wasserfälle der Erde.

Auch auf die Gefahr hin, geografisch hin und her zu hüpfen: Die Inselgruppe Fernando de Noronha muss auf jeden Brasilien-Plan – vor allem für einen Meerblog. Die kräftigen Farben und bizarren Formen dieser Eilande vulkanischen Ursprungs wirken wie ein Produkt der Fantasie, eine surreale Schönheit. Hier möchte ich einfach nur gar nichts tun: schwimmen und den Delfinen beim Springen zuschauen.

Text und Fotos: Elke Weiler

Autor

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

6 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Avatar Steve sagt:

    In Rio empfehle ich, auf den Zuckerhut zu klettern – nicht per Seilbahn, sondern zu Fuß und mit einem guten Guide wie z.B. Dinho Pedrinha (s. Facebook) – der Mann ist über 3,700 Mal auf den Zuckerhut geklettert (steht sogar im Guiness Buch der Rekorde). Kletter-Vorkenntnisse sind nicht erforderlich (mit Sicherung wird nur einer kurzen Stelle geklettert), auch die Ausrüstung wird gestellt. Wer kann schon sich behaupten, den Zuckerhut aus eigener Kraft bezwungen zu haben?

  2. Avatar Robin sagt:

    Liebe Elke, ich war gerade zur WM in Brasilien und habe dort einen Monat für die Deutsche Welle berichtet. Ein Geheimtipp für mich ist Ouro Preto, die alte Hauptstadt das Bundesstaates Minas Gerais. Eine wunderbar koloniale Stadt, auf Hügeln gelegen und von Bergen umgeben, antike Gebäude und eine Kultur, die an die Zeit der Sklaverei zurückerinnert, besonders die goldgeschmückten Kirchen. Ich bin übrigens seitdem auch Reiseblogger, wer will schaut mal auf meinem Blog vorbei, es läuft gerade ein Venezuela-Special.
    http://gipsytrips.wordpress.com/

  3. Avatar Annemarie sagt:

    Hey Elke, deine Bucketlist ist mega gut! Ich hab mir seit ein paar Monaten auch eine Liste geschrieben mit allen Städten, die ich in Brasilien bereisen will. Im Januar fange ich dort mein Auslandsjahr in Blumenau von der Schule aus an und will vorher schon so viel wie möglich vom Land sehen :) Ich hab mich zwar schon so die wichtigsten Infos zusammengesucht, aber wenn du schon dort warst, weißt du sicher alles so ein bisschen besser ;) Hast du so ein paar Webseiten, die du mir empfehlen kannst? Das wäre mega !

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