Brasilien Hunde

Beijos do Brasil

Aus der Interviewreihe: “AUF DER MATTE BEI MADEMOISELLE JULIE”

Heute mit meinem besten und einzigen Brieffreund Rufus aus São Paulo!

Herzlich willkommen bei Meerblog, mein Guter! Du bist mein Star auf Instagram, weißt du? Ich war sofort verliebt, als ich die tollen Fotos von dir gesehen habe! Es wäre so schön, dich eines Tages live kennenzulernen, gemeinsam am Strand zu buddeln…


1. Liebster Rufus, willst du dich kurz vorstellen?

Liebes Julchen, zunächst möchte ich dir sagen, wie glücklich du mich mit diesen Fragen machst! Es ist eine große Ehre – nach allem, was ich durchgemacht habe… Ganz dickes Danke!

Ja, wie du weißt, wurde ich aus schlimmen Verhältnissen gerettet. Vor drei Jahren war das. Jetzt lebe ich mit meinem neuen Rudel, Mama, Papa, dem Samojeden Elvis und Picles zusammen, der wie ich gerettet wurde. Wir sehen uns ähnlich, sind aber nicht verwandt – jedenfalls weiß ich nichts davon! Wir leben in São Paulo, Brasilien. Meine Eltern wissen nicht genau, wie alt ich bin, weil ich schon erwachsen war, als ich zu ihnen kam. Aber sie schätzen mich auf fünf Jahre, damit wäre ich älter als meine Brüder. Elvis und Picles sind beide drei – also bin ich der Boss! Haha!

Rufus mit Elvis und Picles @ Maria Jamile
Rufus mit Elvis und Picles © Maria Jamile José

2. Ja, da hast du recht, Süßer! Brasilien, wie schön. Aber ist es nicht zu heiß für unsereins? Wie kommst du mit der Hitze klar?

Ja, in São Paulo kann es ganz schön heiß werden im Sommer! Wir haben keinen richtigen Pool zu Hause, aber während der letzten Hitzewelle hat Mama ein Hundeplanschbecken für meine Brüder und mich gekauft! Ein super Spaß! Außerdem kaue ich so gerne auf Eiswürfeln, das ist echt erfrischend!

3. Das glaube ich, ich fresse so gerne Schnee im Winter! Aber, Süßer, erzähl‘ mir bitte mehr von Brasilien! Tanzt ihr dort den lieben langen Tag? Übrigens, kennst du den Vorderpfotentaps? Ich will mich ja nicht damit brüsten, aber ich bin Profi.

Ooohh, Julchen! Den Vorderpfotentaps habe ich noch nie getanzt! Kannst du mir ihn beibringen? Möchtest du gerne mit mir tanzen?

Chillen und nichts als chillen... @ Maria Jamile
Chillen und nichts als chillen © Maria Jamile José

4. Rufus, es wäre mir eine Ehre! Jetzt bin ich ganz aufgeregt. Dabei wollte ich dich fragen: Wie verbringst du den idealen Tag in São Paulo?

Ok, Julchen, ich verrate dir ein Geheimnis: Ich bin ein ganz schön fauler Hund. Ich meine richtig faul. Zum Beispiel sollte ich mit meinen Brüdern zur Hundetagesbetreuung. Doch Mama fand heraus, dass ich lieber den ganzen Tag zu Hause blieb und schlief. Und dann hatte ich einen Trainer – doch ich schlief im Unterricht ein!

Nun kannst du dir ungefähr vorstellen, wie ich am liebsten den Tag verbringe! Schlafend natürlich! Am liebsten im Bett von Mama und Papa! Trotz meiner Faulheit liebe ich die Tage, wenn ich mit meinem Rudel spazieren gehe. Ich kann mich echt gut benehmen, und so nehmen sie mich überall mit hin – sogar in Einkaufszentren und Restaurants!

Aber am liebsten gehe ich zum Hundepark, wo ich wie ein Verrückter hin- und herrenne, mit anderen Hunden spiele und nachher so dreckig wie möglich wieder nach Hause gehe! Ich liebe das! Blöderweise steht Mama nicht so drauf, denn sie badet mich immer, wenn wir dann zurück sind…

Spielen, Kauen, Entpacken © Maria Jamile
Spielen, Kauen, Entpacken © Maria Jamile José

Und natürlich spiele ich gerne mit meinen Spielsachen! Ich habe Tonnen von diesen Kaudingern, die meisten halten nicht so lange, weil ich gerne das Füllmaterial auspacke! Doch mein liebstes Spielzeug der Welt ist der überdimensionierte Tennisball! Damit spiele ich mit Papa Fußball. Er schießt, und ich renne und hole den Ball. Einmal hat mein Bruder Picles den Ball durchlöchert. Ich war so fertig, dass Mama sofort zum Geschäft gerannt ist, um mir einen Neuen zu holen!

5. Junge, du wirst nach Strich und Faden verwöhnt, das muss man mal sagen! Richtig so, denn dein Leben vor drei Jahren war ganz furchtbar. Willst du davon erzählen?

Ja, das war es wirklich. Ich wurde aus den Slums von São Paulo gerettet. Ich war sehr dünn, sehr hungrig und vor allem sehr traurig. Tag und Nacht war ich einem Holzverschlag angekettet. Ich habe noch die Narben der Ketten an meinen Beinen. Ich zeige dir ein kleines Bild – gemacht in dem Moment, als man mich fand. Es ist das erste Bild, das Mama und Papa von mir haben. Du siehst, wie traurig meine Augen dort gucken…

Eingesperrt und angekettet
Eingesperrt und angekettet

Nach der Rettung kam ich in ein Tierheim, wo ich ein paar Monate verbrachte, bevor ich zu meiner Familie fand. Während dieser Monate haben die Leute aus dem Heim mich zu mehreren Adoptionsterminen gebracht, doch niemand wollte mich mit nach Hause nehmen. (Ich denke, sie wussten alle nicht, was ihnen entging! Hehe.)

Zum Glück haben sie mein Foto im Internet gepostet, wo Mama mich fand – was für ein Zufall! Papa sagt, nachdem sie das Foto gesehen hatte, konnte sie nicht mehr aufhören von mir zu erzählen! Bis sie zu mir kamen – es war Liebe auf den ersten Blick! Sie haben mich sofort mit nach Hause genommen!

6. Jetzt bin ich total fertig, Rufus. Was für eine Vergangenheit! Wie wunderbar, dass du jetzt wie ein Prinz lebst! Was ist eigentlich dein Lieblingsplatz?

Prinz Rufus in seinen Gemächern © Maria Jamile
Prinz Rufus in seinen Gemächern © Maria Jamile José

Ich liebe das Haus, in dem ich lebe! Und jetzt mal ganz abgesehen von Mamas und Papas Bett habe ich noch eine Lieblingsstelle: unter dem Gästebett. Einmal wurde ich krank und blieb dort die ganze Zeit. Um mich herauszukriegen und zum Tierarzt zu bringen, mussten meine Eltern das Bett über mir wegräumen.

Und dann schlafe ich noch gerne auf den Dingen: auf dem Gartentisch, auf der Küchentheke und sogar auf dem Ofen! Mama hat keine Idee, wie ich das mache!

7. Das musst du mir auch mal zeigen! Hast du eigentlich einen besten Freund? Oder bist du verlobt? (Jaja, Frauen sind immer sooo neugierig!)

Hmmmm… Freundinnen, nein, tut mir leid! Und meine besten Freunde sind meine Brüder Elvis und Picles! Wir haben so viel Spaß zusammen!

Beste Freunde: Rufus und seine Brüder © Maria Jamile
Ziemlich beste Freunde © Maria Jamile José

8. Verstehe… Du weißt ja, ich arbeite für einen Reiseblog. Reist du gerne? Wo möchtest du mal hin? Ich träume ja von Grönland…

Ich liebe Reisen, Julchen! Ich habe schon jede Menge Orte mit Mama und Papa besucht, und es macht immer so viel Spaß!

Zuletzt war ich in Campos do Jordão, das ist in der Nähe von São Paulo, aber sehr kalt, es ist ganz oben in den Bergen. Wegen des Wetters und der Architektur nennen sie es „die brasilianische Schweiz“.

Und vor einem Jahr war ich zum ersten Mal am Strand! Ich muss zugeben, ich war ein bisschen erschrocken wegen der Wellen (haha), aber ich LIEBE den Sand! Ich konnte gar nicht genug davon kriegen! Ich wälzte mich, grub Löcher, rannte von einer Seite zur anderen – bis ich komplett versandet war! Es war der Hammer!

Life is a beach © Maria Jamile
Life is a beach © Maria Jamile José

Du siehst wirklich glücklich aus, da im Sand! So geht es mir auch, jedes Mal, wenn ich am Strand bin! Rufus, wir sind Geschwister im Geiste! Vielleicht lernen wir uns ja eines Tages kennen. Bis dahin können wir uns schreiben, und du darfst mir weiter „Beijos do Brasil“ schicken…

Tausend Dank, liebster Rufus, für deine herzerwärmenden Worte!

Dickes Bussi,

dein Julchen

Fotos: Maria Jamile José

Autor

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Einst mit Emil verlobt, einem Schapendoes aus Nordfriesland, ist Julchen zur Zeit wieder ungebunden. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

4 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Avatar Daniela sagt:

    Tausend Dank, liebster Rufus, für diese herzerwärmenden Worte und geniesse Dein neues schönes Leben in Sào Paulo, wunderschön. Man dies ist Beardie Liebe pur.
    Danke sagt Daniela

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