Die Farben der Färöer

Überall dieses Blau. Deep Ocean Blue, wortwörtlich. Und wir mittendrin. Auf einem Klecks Grün. Ganz weit draußen, im Nordatlantik. Am Rand Europas, auf den Färöern.

Zugegeben, das ist hier nicht jedermanns Sache: Regenschauer jagen Wolken jagen Regenbögen jagen Sonne. Schönes Wetter findet im färöischen Sommer bei durchschnittlich elf Grad statt.

Und so erleben wir die Inselgruppe während unseres dreitägigen Zwischenstopps auf dem Seeweg von Dänemark nach Island eigentlich immer irgendwie nass. Und die Luft ganz rein.

Diese Reinheit lässt die Farben erstrahlen: Die Häuser des Landes sind bunte Farbtupfer vor den grünen Grasflanken, die steil ins blaue Meer abfallen. Rote Blechplatten auf weiß geputztem Haus, braunes Wellblech auf gelber Holzwand. Grau auf blau. Und immer wieder grün auf schwarz. So wie in Elduvík.

Teer gegen die Witterung © Nadine Ormo
Teer gegen die Witterung © Nadine Ormo

Elduvík ist ein kleines Dorf am Funningsfjørður, einem Fjord im Norden der Insel Eysturoy. Knapp einhundert Menschen leben im Ort. Die Häuschen stehen dicht an dicht. Aus manchen Perspektiven scheinen die grünen Grasdächer nahtlos in die umliegenden Berge überzugehen.

Genau das ist einer dieser, meiner Lieblingsplätze am Meer. Kühl. Rau. An und für sich unscheinbar. Nicht gemacht für Weltereignisse. Ein Platz, den ich nur einmal für ein, zwei Stunden gesehen habe.

Den ich aber immer wieder besuchen würde. So male ich mir das jedenfalls aus. Denn die Bilder der Häuser von Elduvík haben sich in meiner Erinnerung festgebrannt. Die schwarzen Teerwände, die besser vor der Witterung schützen sollen. Der blaue Postkasten darauf.

Während unseres Stopovers sind wir unterwegs in tausend erdenklichen Winkeln der zwei größten Färöer-Inseln, Steymoy und Eysturoy. Für mich ist es erstaunlich, wie verschieden die Inseln an ihren Küsten aussehen: Finden sich mancherorts weite, sanfte Hügel, so faszinieren mich an anderen Stellen schroffe Felswände, die später von spektakulären Steilküsten übertroffen werden.

Das Blau und Grün der Färöer © Nadine Ormo
Das Blau und Grün der Färöer © Nadine Ormo

Die Küsten sind zerfetzt, an vielen Stellen haben sich lange Fjorde in die Inseln gefressen. Häufig ist mir nicht klar: Ist das da drüben, auf der anderen Seite des Wassers eigentlich schon die nächste Insel? Oder doch nur die andere Fjordseite?

So verliere ich auf den Färöern den Überblick über unser Wohin und Woher. Und das Zeitgefühl. Das Gefühl für irgendwelchen Stress sowieso.

Wer zivilisationsmüde und regenfest ist, dem verrate ich jetzt mal: „Diese Inseln sind genau das Richtige für dich!“ Denn sehr viel weiter weg vom ganzen quirligen, getriebenen Durcheinander europäischer Innenstädte geht’s auf unserem Kontinent eigentlich nicht.

Auf den Färöern lässt sich wunderbar diese Ich-lass-mal-eine-Weile-alles-hinter-mir-Nummer schieben. Nur, um sich später dann, nach ein paar Tagen oder auch Wochen, in eines der hübschen Cafés in der Hauptstadt Tórshavn zu setzen, dem Insel-Talk zu lauschen.

Und auf das nächste Schiff zu warten.

Text und Fotos: Nadine Ormo

Kategorien Färöer Lieblingsplatz am Meer

Die Autorin lebt in München, ist Schnee- und Skandinavien-begeistert und steigt gerne auf Gipfel. Kein Wunder, dass sie bei der Frage nach dem „Lieblingsplatz am Meer“ unweigerlich erst einmal an das Steinerne Meer denkt – ein weites Karsthochplateau in den Berchtesgadener Alpen. Ihre Brötchen verdient sie als selbständige Kommunikationsberaterin; in der Freizeit bloggt sie auf „KulturNatur“ über ihre Erlebnisse in den Bergen.

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  2. Ganz schön kalt im Sommer da! Was mich echt mal interessiert: Was ist das für eine Schafsrasse? Sieht nett aus. 🙂

    • Gute Frage. Ich glaube, die Schafe dort gelten als eigener Typus, die Färöer Schafe. Ihre Wolle hat einen hohen Lanolingehalt, um gegen das Wetter zu schützen. 😉

    • Ich hab’s ja nur das Schwarznasige Kragenschaf genannt. 😉 Aber ja, das sind auf den Inseln wohl sogenannte Färöerschafe (die auch namensgebend für die Inseln sind – Schafinseln). Wir haben sie in ganz unterschiedliche Farben gesehen; die meisten hell, aber eben auch mit schwarzer Zeichnung, oder gräulich oder braun. Die braunen fand ich besonders hübsch.

      • Schwarzgnasiges Kragenschaf gefällt mir außerordentlich! Also das Färöer Schaf wäre dann das Schafsinseln Schaf! 😀

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  4. Patrick

    Sehr toll . Mich würde mal interessieren was denn die Überfahrt inklusive Zwischenstopp so kostet. Ich muss ja wissen wie viel ich sparen muss :)… Und Ich liebe Schifffahren (mag Flugzeuge nicht so ) und die Färöer stehen ja auch auf der Liste .

    • Hej Patrick, guck‘ am besten mal bei Smyril Line, die ab Hirtshals/Dänemark dorthin fahren. Das hängt ja von vielen Dingen ab: wie viele Personen, mit oder ohne Fahrzeug, welche Jahreszeit, Kabine usw. Liebe Grüße, Elke

  5. Mit der Smyril Line sind wir damals auch gefahren. Allein die Reise dorthin war ja schon ein Abendteuer! Auf dem Weg nach Island sind wir auf den Färöer Inseln „ausgestiegen“, haben sie ein paar Tage erkundet und sind dann wieder an Bord gegangen und nach Island gefahren.
    Lohnt sich total!

    LG
    Martina

    • Das klingt spannend, liebe Martina! Dieses Mal werde ich fliegen, aber mit der Fähre würde ich auch gerne mal die Route nehmen… Liebe Grüße!

  6. Im ersten Augenblick dachte ich, du seist auf Weiterfahrt nach Island Elke : ) Schon schön, dort oben im Atlantik!

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