Föhr mit Pfefferkuchen

Der Wind steht im Weg, recht aufgeblasen wirkt er heute. Fährt unerbittlich übers Wasser, den Hafen, die Menschen, die Fahrräder.

Das Schiff. Es wartet schon. Ich nage noch an meinem Brötchen. Wenn du morgens schon Lachs mit Zwiebeln isst, bist du in Nordfriesland. Außen, innen, überall Meer mit einer guten Portion Salz. Auch im Wind, der den Kaffee fast von der Bank pustet.

Dann geht es los, zum ersten Mal nehme ich mein Rad mit auf die Reise, das ein trauriges Dasein im Schuppen fristet. Eine Radschönheit, nur die Reifen mussten aufgepumpt werden, die Spinnweben entfernt. Alte Liebe rostet nicht.

Meeting der Räder
Meeting-Point

Gemeinsam nach Föhr. Um mich herum andere Radfahrer, die vom Wind kein bisschen eingeschüchtert wirken. Die Einweiser versuchen, die Räder in einer Ecke zu verstauen, doch das ist ja schwieriger als mit den Autofahrern. Einer hat Angst: Wie man denn hier mit den teuren Rädern umginge!

Rate ich ihm, sich ein Gebrauchsrad zuzulegen? Locker bleiben. Ich überlasse den Einweisern mit nördlich-ruhigem Gemüt mein Rad samt Koffer und verdrücke mich. Passieren kann auf dieser nagelneuen Fähre mit Umweltengel und auf der 50minütigen Fahrt nach Wyk ohnehin nicht viel. Trotz Wind wirkt das Meer zwischen Festland und Insel nicht sonderlich aufgewühlt.

Und als wir da sind, als ich mich aufs Rad schwinge, verstehe ich endlich, warum es friesische Karibik heißt: Im Vergleich zu Dagebüll wirkt es milder, das Klima. Komisch eigentlich. Das Wasser ist flach und leuchtet grün auf, wenn die Sonne scheint. Die 15 Kilometer Strand beginnen gleich am Anleger.

Doch, es gibt sie auch hier, die Dünen!
Es gibt sie auch auf Föhr, die Dünen!

Föhr liegt geschützt zwischen Amrum, Sylt und den Halligen. Amrum, das wilde Amrum mit seinen wunderbaren Dünen, schlanker Nachbar und Wellenbrecher. Föhr hingegen die Lieblichkeit in Inselperson. Fruchtbar und grün. Heiter bis mediterran. Und heute wolkig.

Ich soll noch einiges erfahren an diesem Wochenende. Ich soll Föhr ein bisschen besser kennenlernen, ich soll es ein bisschen mehr mögen. Und ich soll merken, dass das Rad ideal ist für Föhr.

Auf den ersten sieben, acht Kilometern bis zu meinem Hotel belästigt mich der Wind selten. Es gibt Bäume auf der Insel, viele Bäume. Nur auf freier Strecke, später, gen Westen, muss ich strampeln.

Herzlich willkommen, wünschen die Loogmans.
Herzlich willkommen, wünschen die Loogmans.

Mein Hotel ist eigentlich keines. Jedenfalls kein normales. Es nennt sich Hoftel, weil das holländische Ehepaar hier einen Hof aus den 60er Jahren in ein Hotel umgewandelt hat. Schwerpunkt: Frieden & Familien. Der ehemalige Bauer und Besitzer des Hofs hat sich nebenan niedergelassen, in einem Holzhaus. So konnte er zeitweise auch freiwillig als Bauleiter fungieren.

Das Ergebnis der Fantasie zweier Schiffsingenieure: unbehandeltes Holz meets Backstein. Viel Raum, vor allem viel Gemeinschaftsraum. Keine Fernseher auf den Zimmern und WLAN „nur“ in der Tenne. Außerdem Bücher, Spielsachen und Schaukeltierchen für die Kiddies.

Die ersten Tiere sind schon da.
Die ersten Tiere sind schon da.

„Alle Altersklassen sich willkommen“, sagt Sjirk Loogman. Auch das Würmchen im Bauch der Mama. Dafür gibt’s dann gerne eine Massage, schwangerengerecht, ayurvedisch. Ausgeführt von der Chefin selbst, die darin ausgebildet ist.

Wer will, kann kochen. Und die Kleinen in der eigenen Kochecke der Küche tun so, als ob. Zwei Kühlschränke und Absprachen für den Herd, wenn es voll ist. Morgens Cappuccino im Gemeinschaftsraum, rund um den früher Heu gestapelt, Trecker geparkt und Kühe gemuht haben.

Die Gästeküche
Die Gästeküche

Tiere sollen noch dazu kommen. Eine Ziege, Kaninchen, Laufenten. Und ringsherum diese Ruhe von Föhr, die ist einfach da. Nachts hörst du nur das Rauschen der Blätter in dem Zimmer ohne TV und WLAN. In der Farbe des Meeres, im Bad sind es Erdtöne.

Sichtbare Balken im Obergeschoss, unten überall Terrassen, vor den Zimmern. Und natürlich vor der Tenne eine Gemeinschafsterrasse. AnneClaire und Sjirk sind nicht einfach nur Gastgeber, die den Urlaubern ihre Schlüssel überreichen und einen schönen Aufenthalt wünschen.

Türkis geht immer.
Türkis geht immer.

Während und nach des Frühstücks interessiert man sich, fragt, unterhält sich, merkt, wie das alles auf die Gäste wirkt, die an dem langen Tisch zusammen sitzen. Für viele ist das ungewohnt. Man schaut sich an, lächelt, fragt etwas Banales wie: „Ist der Kaffee in der Kanne?“

Ist er nicht. Sondern Wasser für den Tee. Und das Buffet enthält neben Bio- und regionalen Dingen wie Föhrer Käse auch den niederländischen Frühstückskuchen „Ontbijtkoek“. Schmeckt ein bisschen nach Weihnachten, ähnlich wie Pfefferkuchen, wegen der Gewürze. Gemütlich ist es ja. Gesellig.

Am langen Tisch
Am langen Tisch

Viel zu lange habe ich mich unterhalten, schwinge mich aufs Rad, möchte nach Nieblum, das schönste Dorf der Insel, und – natürlich – an den Strand! (Fortsetzung folgt.)

Text und Fotos: Elke Weiler

Danke für die Einladung nach Föhr, AnneClaire und Sjirk Loogman vom Hoftel!

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  1. Wie schön! Ein Hotel mit ähnlichem Konzept – gemeinsam frühstücken, essen, sich unterhalten, Ideen austauschen – gibt es in Stein bei Nürnberg. Das KunstQuartier.
    Sonnige Grüße
    Jutta

    • Schön!! Und sogar Energiesparhaus! Von solchen Initiativen darf es ruhig mehr geben. Grüße zurück an den Niederrhein!! 🙂

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