Die schönsten Ecken von Helsinki

Helsinki mag auf den einen oder anderen etwas spröde wirken, vielleicht. Aber nur auf den ersten Blick. Es ist eine Hafenstadt, nicht zu groß, nicht zu klein. Mit der ganzen Bandbreite einer Hauptstadt, und das nicht nur in kultureller Hinsicht. Helsinki selbst ist grün, und der Nuuksio Nationalpark liegt quasi vor der Haustür.

Ein paar Mal war ich nun schon in Helsinki – im Sommer, Herbst und Winter. Jedes Mal habe ich neue Gesichter von Helsinki kennengelernt. Mit jedem Mal hab ich es stärker ins Herz geschlossen, bin jedoch weit davon entfernt, Helsinki zu kennen.

Was sagen die Spezialisten? Ich habe fünf Finnlandblogger und zwei Nordeuropa-Kenner zum Thema befragt und sie gebeten, mir ihre Lieblingsstellen zu verraten. Meine „two cents“ gebe ich am Ende natürlich auch dazu. Inselförmig.

Die botanischen Gärten | Tine von Finnweh

Wenn ich in Helsinki mal eine Auszeit brauche, dann begebe ich mich am liebsten in den Botanischen Garten der Universität beim Töölö-See oder zum städtischen Wintergarten beim Olympia-Stadion. Echte Oasen! Und bei einem Besuch in den Gewächshäusern oder Parks mit seinen Beeten zwischen Büschen, Bäumchen und Blumen muss auch immer guter Proviant mit. Denn nicht nur im Sommer kann man auf den Grünflächen in der Sonne verweilen, auch bei Regen und im Winter laden die Gewächshäuser mit angenehmen Temperaturen, exotischen Bewohnern und muckeligen Sitzecken zum Krafttanken ein. Das Picknicken ist ausdrücklich erwünscht, solange jeder seinen Müll wieder mitnimmt. In den Gärten bin ich nicht nur wegen der Pflanzen gerne, die so unglaublich beruhigend wirken, auch die Bauten aus der Jahrhundertwende schicken einen für eine Weile auf die Reise in eine andere Zeit. Mehr dazu auf Finnweh.

Oase bei Wind und Wetter: der Wintergarten in der Hammarskjöldintie © Christine Birkel | Finnweh

Malminkartanonhuippu | Tarja von Tarjas Blog

Einer meiner liebsten Plätze in Helsinki ist Malminkartanonhuippu, der Malminkartano-Hügel nördlich vom Zentrum. Nicht nur der Name ist eine Herausforderung. 426 Stufen warten darauf, bezwungen zu werden. Aber das lohnt sich. Denn dann öffnet sich ein 360 Grad Panorama Blick über die ganze Stadt. Und einen noch grandioseren Himmel. Da oben auf dem Hügel ist man dem Wind und dem Himmel irgendwie näher. Und so zieht es mich jedes Mal dorthin, wenn ich in Helsinki bin. Dieses Foto entstand Ende Juni. Um 4 Uhr morgens. Yötön Yö – nachtlose Nacht, nennen das die Finnen. Und ich kriege grad schon wieder Sehnsucht. Die ganze Geschichte könnt ihr hier nachlesen. Einer von 111 Gründen, Finnland zu lieben – so der Titel meines Buches, eine Liebeserklärung an Finnland, in dem ich noch viele andere Geheimplätze verrate. (Amazon-Partnerlink)

Nachtlose Nacht über Helsinki © Tarja Prüss | Tanjas Blog

Café Regatta | Inken von finntastic

Immer, wenn ich nach Helsinki reise, egal ob im Sommer oder im Winter, schaue ich auf einen finnischen Kahvi (Kaffee) im Café Regatta vorbei. Das kleine, niedliche Café liegt direkt an der schönen Ostsee, in der Nähe des Sibelus-Monuments sowie der Freilichtmuseumsinsel Seurasaari. Besonders in den Frühlings- und Sommermonaten ist das rote Holzhäuschen mit den weißen Fensterrahmen, das an ein finnisches Sommerhäuschen (Mökki) erinnert, der ideale Platz, um wunderschöne Sonnenuntergänge mit Blick auf die schöne Ostsee zu genießen. Doch nicht nur der Blick auf die finnische Ostsee lockt ins Regatta. Das Café ist in ganz Helsinki berühmt für die besten hausgemachten Korvapuustis (Zimtschnecken). Und die schmecken selbstverständlich auch im Winter zu einer Tasse duftendem Kaffee. Übrigens, im Sommer kann man sogar sein eigenes Grillzeug mitbringen und auf dem Café-eigenen Grill seine Würstchen und Steaks brutzeln. Mehr Tipps gibt es auf finntastic.

Auf einen Kaffee am Wasser © Inken Paletta | finntastic

Uunisaari | Sina von nordlandfieber

Uunisaari – definitiv ein Herzensort. Vor der Küste Helsinkis, unweit des Stadtzentrums, direkt vor dem Kaivopuisto, ist man auf dem Inselchen mittendrin und doch weit ab vom Trubel. Die wundervolle Stadt im Rücken und das Meer im Blick – herrlich. Ein Ort zum Durchatmen und Genießen. Ein kleiner Sandstrand und die Felsen laden zum Verweilen ein, im Restaurant gibt es am Wochenende Brunch, und im Sommer bietet sich der kurze Spaziergang zum Nachbarinselchen Liuskasaari an, um im Restaurant „Skiffer“ eine Liuska zu essen. (It’s not a Pizza!) Wer das Thema vertiefen will, sollte auf nordlandfieber weiterlesen.

Winterschönheit © Sina Kaiser | nordlandfieber

Kiasma Museum | Geertje von Nordicfamily

Als Designerin und Nord-Nerd komme ich mit meiner Familie am Museum für moderne Kunst Kiasma in Helsinki nicht vorbei. Der moderne Bau des amerikanischen Architekten Steven Holl hat mich schon kurz nach seiner Eröffnung 1998, als ich in Helsinki studierte, in seinen Bann gezogen. Im Museum kann man als Familie einen ganzen Tag verbringen, denn sowohl die Architektur, als auch moderne Kunstausstellungen werden aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Die meisten Installationen sind extra für Kinder aufbereitet, in dem es Kästen auf Kinderhöhe gibt, die eine Fragestellung oder Anregung zum Kunstwerk enthalten. Als wir im Winter 2017 hier waren, war das Thema: Wie kann Kunst berühren? Für die Kinder war es ganz eindrücklich mit Emoticons umgesetzt, weil es ja tatsächlich oft keine Sprache dafür gibt, wenn man von Kunst berührt wird oder eben auch nicht. In einer App kann man sich durch das Gebäude führen lassen. Die Architektur wird detailliert erläutert. Schade, dass wir nicht den ganzen Tag Zeit hatten, um uns auf alles einzulassen.
Das Kiasma Museum ist auf jeden Fall aber eine Empfehlung für den Besuch mit der ganzen Familie. Mehr dazu im Blogpost auf Nordicfamily.

Wie kann Kunst berühren? © Geertje Jacob | Nordicfamily

Suomenlinna | Mila & Olli von Helden unterwegs

Fünfzehn Minuten fährt die Fähre vom Marktplatz Kauppatori zu unserer liebsten Insel. Seit wir sie das erste Mal betreten haben, läßt sie uns nicht mehr los. Kein Wunder, denn wer in der Großstadt ein bisschen Ruhe sucht, ist auf Suomenlinna bestens aufgehoben. Sie lädt ein spazieren zu gehen, Sport zu machen oder die Seele baumeln zu lassen. Die ehemalige Festungsinsel ist zudem ein Paradies für Fotografen und Pärchen. Kein Wunder bei den traumhaften Sonnenuntergängen, die man dort erleben kann. Ein absolutes Muss für uns, um den Aufenthalt noch etwas zu versüßen, das gemütliche Viapori Deli & Cafe – ein Glück, dass die Finnen wissen, wie man es sich gut gehen läßt. Mehr Norden findet ihr auf Helden unterwegs.

Romantik auf der ehemaligen Festungsinsel © 
Sharmila Stanossek & Oliver Widera | Helden unterwegs

Design District | Michaela von Mahtava

Mein Lieblingsort in Helsinki ist der Design District. Genauer gesagt ist es gar kein Ort, auch kein Viertel. Der Design District ist vielmehr ein aus einer privaten Initiative heraus entstandener Zusammenschluss von etwa 200 Shops, Gallerien und Museen. Lokalisieren lässt er sich natürlich trotzdem. Das Herz des Design Districts schlägt im ehemaligen Arbeiterviertel Punavuori und steht nicht nur für finnisches Design, sondern auch für ein Lebensgefühl – kreativ, unangepasst, locker und tolerant. Und genau das ist der Grund, weswegen ich so gerne hierher komme. Ich liebe es einfach, durch die Straßen mit ihren nicht totsanierten Jugendstil- und Art-Decó-Häusern zu bummeln, fernab der großen Einkaufsketten. In Vintageläden zu stöbern, die neuesten Foodtrends zu kosten und mich letztendlich durch die Designshops und Galerien inspirieren zu lassen. Mehr Details und Tipps auf Mahtava.

Kreativ und unangepasst im Viertel © Michaela Fuchs | Mahtava

Lonna | meine Wahl

Ja, es musste eine Insel werden. Ich habe Lonna im letzten Herbst entdeckt, ein hübsches kleines Eiland, das auf dem Wasserweg in Richtung Suomenlinna zu erreichen ist. Es war nicht viel los an diesem Tag, doch ein Café hatte geöffnet, und das gab mir die Möglichkeit in punkto finnische Waffelspezialitäten gründlich zu recherchieren. Das Ergebnis hat mich restlos überzeugt, daher fand das Lokal auch Eingang in meine Café-Tipps für Helsinki. Leider befand sich die Sauna noch im Aufbau, doch in diesem Jahr wird man auf Lonna auch den „Löyly“, wie die Finnen sagen, den Dampf genießen können. Direkt am Meer. Als ich im September auf Lonna war, habe ich eine Runde über die Schäreninsel gedreht, mich auf die glatten Granitflächen in die Sonne gelegt, dem Meer und den Schiffen zugeschaut. Vor allem aber habe ich die Einsamkeit genossen, bevor ich das nächste Boot zurück nach Helsinki genommen habe. Lonna, oder die Insel als Chillout-Zone.

Ankunft auf Lonna © Elke Weiler | Meerblog

Kiitos! Ganz lieben Dank allen Kollegen, die bei meinem ersten Round-up Post mitgemacht haben!

Und nun zu euch, liebe Leserinnen und Leser: Mögt ihr Helsinki? Habt ihr dort einen Lieblingsort?

  1. Klasse! Mich wundert nur, dass Seurasaari nicht dabei ist. Vor einiger Zeit war ich dort, habe das Freilichtmuseum auf der Insel und die ganzen Eichhörnchen bewundert.

    • Danke, Ilka! Und du hast recht, Seurasaari ist schön. Aber als ich dort war, gab es kein einziges Eichhörnchen. In meiner Not habe ich mich mit einem Plüschhörnchen angefreundet. 😀

  2. Pingback: Blogger schreiben über den Norden | NordNerds im März 2017

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