Schlafen am Baakenhafen

Vom Zimmer schaue ich auf Norderelbe und Baakenhafen. Ganz das moderne "Seefahrerheim" also, das das 25hours Hotel in der Hamburger Hafencity sein will.

Der Schreibtisch, ein nachgebauter Überseekoffer aus Holz. Der Teppich, so blau und flauschig wie die See an windstillen Tagen. Und wenn ich die Fenstertür aufreiße: Möwengeschrei, Hafenatmosphäre, Hamburg. Hinter brachliegenden Betonfundamenten dockt eine jener schwimmenden Städte beim Kreuzfahrtterminal an. Wie winzige Puppen sehen die Menschen aus, die übers Sonnendeck spazieren.

Von der Fensterfront des Zimmers 606 schaue ich auf Norderelbe und Baakenhafen, zur Zeit ist die Sicht auf der Überseeallee noch unversperrt. Draußen und drinnen gehen Hand in Hand – ganz das moderne „Seefahrerheim“ also, das das 25hours Hotel in der Hamburger Hafencity sein will, wenn auch für normale Hotelgäste.

Bis ins Detail erinnert in meinem Zimmer Typ „M-Koje“ alles an Häfen, Schiffe, Reisen und Seemannsgarn. Vor der Minibar prangt die alte Seebärenweisheit: Durst ist schlimmer als Heimweh. Das kriegt man hier so schnell nicht, eher Fernweh, oder besser noch: Meerweh.

Der blaue Raum

Ist das TV-Programm mal schlecht, lohnt sich ein Studium der Tapete mit Porträts von 25 Seebären aus aller Welt. Wer mehr über die Männer erfahren will, braucht einfach nur das Logbuch auf dem Kofferschreibtisch aufzuschlagen, dort sind ihre Geschichten festgehalten. Gespräche aus dem Hamburger Seemannsheim, der Eintritt eine andere Welt.

Auch im Bad wird die an Schiffskajüten angelehnte Linie im Vintage-Stil weiterverfolgt: die abgerundeten Wandeinschnitte wie quadratische Bullaugen, die nostalgischen Armaturen. Witzig: der einfache Abfalleimer mit Tau.

Waschen mit Stil

Überall lauern Überraschungen: Der Aufzug, genauso luftig wie scheinbar schwerelos. Eine Kombination aus Holzbrettern und Gittermaterial, den Raum definierend und zugleich auflösend. Perfekt für alle, die möglicherweise unter Platzangst in Fahrstühlen leiden.

Ganz oben die Sauna mit Auskühlraum unter freiem Himmel. Schwitzen mit Hafenblick. Und im ersten Stock der begrünte Innenhof, vom Wohnzimmer aus zugänglich. Jener „Club Room“ mit seinen Schaffellen wirkt genauso gemütlich wie weltoffen. Es muss an der Raumhöhe, Glaswand und künstlerischen Ausgestaltung liegen.

Ein bisschen Vinyl?

Ein abschließbarer „Vinyl Room“ mit Sofas und Plattenspielern bietet Rauchern musikalischen Rückzug. Und im benachbarten „Radio Room“ wurde Business mal anders interpretiert: Zwar stehen Macs, Drucker und Skype-Kabine zur Verfügung, das Ganze jedoch im Retrostyle verpackt.

Auch in der Parterre sind es die Details, die gelesen werden wollen. Etwa die zur Sitzfläche gestapelten Teppiche in der Mitte der „Heimat Küche & Bar“ – eine Anspielung der Hamburger Designerin Conny Kotte auf die Teppichlager der nahen Speicherstadt. Zwar sind die Teppichsofas am nächsten Morgen schon besetzt, als ich opulent zu frühstücken beginne, doch ich finde noch ein anderes nettes Plätzchen.

Auf Teppichen lümmeln.

Hier unten mischt sich das Seemannsheimgefühl mit Lagerhausatmosphäre: ein Eyecatcher die ausrangierte und nun hydraulich betriebene Schiffscontainerwand, die einen Meetingraum abtrennen kann.

Auch die Offenheit des gesamten Erdgeschosses verstärkt diesen Eindruck, Das Raue, Rohe, das nie unterkühlt wirkt. Denn fürs Wohlbefinden sorgen die Möbel Marke holländisches Industriedesign und der Hanf-Teppich einer kleinen Manufaktur aus der Türkei. Nicht zu vergessen: die freundliche Atmosphäre.

Upcycling, edel.

Die neue Hafencity wächst und gedeiht immer noch. Kleine Läden sind eingezogen, Lokale eröffnet, Menschen bevölkern die Straßen, zartes Grün sprießt. Dass es außerdem nur ein Kilometer zum Hauptbahnhof und noch weniger zu Elbphilharmonie oder Jungfernstieg sind, spricht sich auch langsam unter Hamburgern herum, die es zum Afterwork in die Heimat Küche & Bar zieht.

Aufgrund der Nähe werde ich beim nächsten Mal eines der klassischen Hollandräder ausleihen – mit eingebauter Obstkiste und die Stadt erkunden. Ohne Extrakosten übrigens. Wie das W-Lan im ganzen Haus.

Text und Fotos: Elke Weiler

Auf Einladung des 25hours Hotel HafenCity, in dem ich seitdem mehrfach auf eigene Kosten übernachtet habe.

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Elke Weiler
Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

5 Kommentare

  1. Sehr schöne Bilder und ein spannender Bericht! Bin in einem Hotel in Chicago auch mal mit einem sehr „luftigen“ Aufzug gefahren… hab es leider verpasst, selbst Fotos zu machen aber hier gibt es ein paar Bilder. Viele Grüße, Alex

  2. Sehr guter Bericht über ein tolles Hotel, in dem wir inzwischen schon ein paar Mal übernachtet haben.

  3. […] und Duschgel kenne ich schon aus dem 25hours Hotel in der Hamburger Hafencity: “Stop the water while using me” – Naturkosmetik in nachfüllbaren Flaschen. Riechen […]

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