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Folge der Bratwurst!

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Als frisch ernannter Foodblogger wollte ich gründlich sein. Dabei nahm sich die Recherche oftmals schwierig aus, Hindernisse standen lutscherförmig im Weg, und es galt Missverständnisse zu klären.

Da war zunächst mal die Sache mit den Weihnachtsmärkten – eine oberschafsköddelkorrekte Erfindung der Lutscher! Das Fest der Liebe nahte wie jedes Jahr nach der Wintersonnenwende. Und zur optimalen Vorbereitung zog es die Lutscher in Scharen zu den Fressbuden. Für mich eine Offenbarung, eine Explosion der Sinne.

Meinen Erstkontakt mit dem Weihnachtsbratduft hatte ich in Garding, und seitdem liebe ich dieses Städtchen auf unserer schönen Halbinsel wie kein zweites. Meine Chefin, Mitbewohnerin und Angebetete Julchen mochte weder Garding, noch Tönning, noch Oldenswort. Was Städte anging, schien sie mir recht wählerisch zu sein. Aber sie war halt ein Kind des Deiches.

Der Stöckchen-Tanz

Der Stöckchen-Tanz

Anfangs hegte auch ich leichte Bedenken, zumindest nachdem ich das Poster mit der Kuh entdeckt hatte und eine Schimpftirade vom Stapel ließ. Rindviecher auf der Fenne nebenan waren die eine Sache. Doch musste man damit auch noch die Wände tapezieren?

Trotzdem ich war für jede Abwechslung dankbar – vor allem, wenn sie so fantastisch roch. Also Garding, nicht die Kuh! Allein mit Monsieur testete ich den ersten Weihnachtsmarkt meines Lebens. An den folgenden Wochenenden bekniete ich ihn, die Sache zu wiederholen. Leider hatte ich die Wurst nämlich nur gerochen, und testen musste ein guter Rechercheur natürlich auch!

Doch Monsieur vertröstete mich auf das Packhaus in Tönning, wo er dann dummerweise mit Madame allein hinging. Dabei hatte ich ihm ziemlich genau klar gemacht, an welchem Punkt ich die Sache vertiefen musste. Ich war nämlich vor der Grillbude wie angewurzelt stehen geblieben und hielt drei Stunden lang die Nase in die Luft.

Eine Kuh an der Wand? Garding!

Jetzt gucken sie auch schon frech von den Wänden!

Deutlicher konnte man ja wohl nicht werden. Manchmal hatten Monsieur und ich nämlich leichte Verständigungsprobleme, aber im Großen und Ganze war er ein prima Kumpel. Als die beiden dann von der Veranstaltung zurückkamen, scannte ich sie gründlich – direkt nach dem ausgiebigen Begrüßungsritual.

Im Prinzip ging die Bussibussi-Phase nahtlos in die Erstellung detaillierter Nasologie-Diagramme über. Sie hatten keine Bratwürste verkimmelt, dafür aber Waffeln und Windbeutel mit Kirschen und Sahne. Julchen schlug mir intensive Nachforschungen in Husum vor, das ihres Wissens nach über mehr Bratwurst verfügte als Garding.

Sie sollte Recht behalten. Zwar machten sich Madame et Monsieur einen schönen Shoppingnachmittag ohne ihre besten Freunde, doch danach gönnten sie sich Currywurst, Grillsteak und Gløgg. Monsieur roch zum Fressen gut. Und Curry-Madame erst!

Julchen mag Garding nicht.

Gassi in Garding

Ich musste am Ball bleiben, nahm ich mir vor, während ich mich strategisch günstig unter dem Eßtisch positionierte. Julchen machte das fuchsteufelswild, weil ich dann näher dran war als sie. Meine Holde hatte ihre ganz eigene Technik, um Food zu testen.

Julchen stellte sich mittig in die Küche, ihr Körper straff, der Blick fordernd, die Ohren gespitzt. Während sie versuchte, Madame et Monsieur zu hypnotisieren, leckte sie sich ständig über die Lippen.

Da sie bei der ganzen Sache ziemlich im Weg war – egal ob sie das Frühstück zubereiteten, oder Monsieur seine berühmte Spinat-Käse-Pita fabrizierte – versuchten sie uns meistens mit einem kleinen Snack aus der Küche zu lotsen.

Julchen Taktik gefiel mir. Auf diese Weise kamen wir an Bio-Basmati-Reis (ganz ok), nordfriesischen Feta (gut) sowie norwegischen Lachs (hammerhart). Dann erschien Grandmadame auf der Bildfläche, und meine Hoffnung auf ein Stückchen Gouda stieg.

Und nach dem Dinner: die kleine Wattrunde

Und nach dem Dinner: die kleine Wattrunde

Mit der üblichen Vorgehensweise, Nase vor, den Kopf seitlich an der Hüfte vorbeischiebend, langsam, aber unbeirrt in Richtung Ziel, kam ich leider nicht weiter. Schokoblick? Grandmadame war eine harte Nuss, sie aß alles selber. Bis auf die Gurken. Die bekamen nämlich die Rennplüsche, weil sie nicht nach Zucchini schmeckten.

Wusste sie nicht, dass ich neuerdings als Foodblogger arbeitete? Hart für jedes Wurstzipfelchen schuftete? Es gab Aufklärungsbedarf, vielleicht konnte ich mir – analog zum Presseausweis – eine Happihappi-Lizenz ausstellen lassen. Doch wer machte so was?

Die Europäische Zentralbank? Ein Wirtschaftsfond? Die Große Koalition oder der Mann auf dem Mond? Den Postlutscher wollte ich ob unseren speziellen Verhältnisses erst gar nicht fragen.

Mir kam eine Idee, ich musste zur Quelle vordringen. Julchen sprach von St. Buddel, dort gäbe es einen Laden, der die Düsseldorfer Hundekekse anbieten würde. Wieso war sie besser informiert als ich?

Madame et Monsieur hatten uns knackige Leckerlis aus Madames Heimatstadt mitgebracht, und die sollte es nun auch in St. Buddel geben. Außerdem diese leckeren Knusperstangen, etwas für Gourmets schlechthin. Zart und kross. Die zergehen im Maul.

Wo führt der Weg hin?

Wo führt der Weg hin?

Dort also, im Epizentrum des guten Geschmacks, war gewiss auch eine Food-Lizenz käuflich zu erwerben. Ich brauchte nur noch ein Lichtbild und das nötige Kleingeld. Julchen, ganz Dame von Welt, machte mich darauf aufmerksam, am besten gleich einen internationalen Schein zu erwerben.

Was wusste sie? Waaaaaas? Wir würden im neuen Jahr nach Dänemark düsen? Aber die Bratwurst… Himmelschafundmeer, gab es es dort auch Weihnachtsmärkte? Oder nachweihnachtliche Schlemmermärkte für Hunde mit entsprechendem Food-Pass?

Heilige Ackergülle, ich pfiff drauf! Ich freute mich einfach und hüpfte wie ein Frühlingslamm auf der Fenne, weil wir mit dem ganzen Rudel bald wieder in diesen Mega-Dünen herumtollen würden. Und unsere Hütte nur 20 Meter vom Meer entfernt…

Text: Janni (nach Diktat die Spieskommer gecheckt: Was wohl an Heiligabend auf der Speisekarte stand? Ente à l’orange! Grandmadame würde bestimmt nicht alles essen…)

Fotos: Elke Weiler

5 Gedanken zu „Folge der Bratwurst!“

  1. … Bo bringt Dir- Julchen natürlich auch … echte Ost-Westfälische-Bratwurst zur Verkostung mit…
    OWL hat einige gute Würste zur Auswahl :D konnte ich schon testen.
    Ich denke mit ´nem 1x Grill kann die Verköstigung der Rudel am Strand starten.
    Heute an dem ersten der Lutscher-Fresstage beginnt die Schlemmerei mit schlesischer Bratwurst… die wir mir die Oma berichtete allerdings nur an Weihnachten an auf der Speisekarte… das Frauchen zieht aber ne echte OWL-Bratwurst vor .
    Liebe Grüße Bo

  2. Pingback: Ein Foodblogger in Festtagsstimmung

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