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Himmelhuhnundmeer!

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Es war zum Pferdeäpfelpürieren: Das Gackervieh wurde immer dreister. Seit einem Jahr liefen sie nun schon kreuz und quer durch mein Areal. Zwar mundeten ihre Hinterlassenschaften nicht schlecht, auch konnte hund sich ab und zu ihr Körnerzeug reinziehen, doch welch gefiederte Impertinenz musste man dafür ertragen!

Dabei galt das „Don’t touch“-Gebot erster Stunde, anderweitig konnten Madame et Monsieur grantig werden. Als stünde das Gackervieh unter Artenschutz! Anfangs waren sie noch zu viert, doch ein Greifvogel hatte sich der guten Björk bemächtigt, Friede ihrer Seele. Fortan beschloss ich, den Luftraum besser abzusichern. Der Dicke sollte mir dabei professionell zur Pfote gehen, also wechselten wir uns beim Außendienst ab.

Dreistes Gackervieh

Wir verbellten alles, was flog. Allerdings nur wenn nötig. Dann kam die Große Lutscherkrise, der Urlaub in meinem Lieblingsland wurde gestrichen. Oh, ihr Hundewälder, farvel! Normalerweise durfte hund nämlich bis Ende März mit wehendem Plüsch auch die breiten Strände der Westküste ablaufen und zum Takt der Wellen tanzen.

Wenigstens nutzten wir die einwöchige Qualitytime im Rudel aus, bevor sich Madame et Monsieur wieder an ihre Schreibtische begaben, diese alten Arbeitstiere. Da Madame schon vor längerer Zeit in die erste Etage gezogen war, hatte sie sich meinem Zugriff entzogen. Ich hatte so meine Tricks drauf, wenn ich den Braten aka die Überstunden roch, und wusste, wie man Lutscher und Schreibtische auseinanderdividierte. Aber Himmelhuhnundmeer, diese Super-Reporterin musste unbedingt oben arbeiten – wie sollte man da noch vernünftig diktieren!

Lieblingsplatz

Die Große Lutscherkrise sorgte im Weiteren dafür, dass Madame den Schreibtisch gegen den Marschboden austauschte und wie eine Verrückte darauf herumhackte. Gartenarbeit nannte sie dieses verzweifelte Herumgeeiere. Oder sollte es Buddeln sein? Diesbezüglich hatte sie keinerlei Rücksprache mit meiner Psychoanalytikerin Mademoiselle Julie gehalten.

Madame faselte lediglich von einer Lounge-Ecke, was für meine Begriffe ganz patent klang. Insider wissen, dass unsereins ein zünftiges Sofa als artgerechte Haltung ansieht. Hinzu kam, dass die neue Ober-Gärtnerin dafür unsere Lieblingsecke ausgesucht hatte. Dort, wo wir uns an lauschigen Sommerabenden gerne niederlassen und nachdenklich aufs Grabenwasser schauen, bis ein Bisam um die Ecke schwimmt. Wenn denn überhaupt Wasser im Graben ist, die letzten Sommer hatten ja mit mediterraner Trockenheit geglänzt.

Was die reiselustigen Hennen natürlich als Einladung ansahen, die nähere Umgebung zu erkunden! Madame et Monsieur? Amüsiert! Und spazierte hingegen unsereins durch den leeren Graben aufs Nachbarsgrundstück? Not amused, die beiden. Da kocht die Ackergülle! Auch bei Madames neuer, frenetischer Gartenliebe konnte sich das Gackervieh scheinbar profilieren: Man „half“ beim Pflügen, scharrte hier, pickte dort, naschte einen Wurm, und Madame sprach zärtlich von ihrem „Team“!

Landleben
Das soll Teamwork sein?

Ja, Himmelhuhnundmeer! Was taten die Hennen schon? Fressen, fressen, fressen! Egal, was ihnen vor den Schnabel kam. Und dann störten sie Madame auch noch, diese konnte oder wollte sich nicht durchsetzen gegenüber soviel Unverfrorenheit. Um einen optimalen Workflow zu garantieren, pflanzte ich mich direkt neben Madame und griff bei Bedarf ein. Das Gackervieh war alarmiert, wenn es mich schon sah. Recht so. Doch die drei Super-Hennen agierten taktisch, pirschten sich durch das trockene Schilf an, die übliche Gackerei unterdrückend.

Und schwuppidiwupp stand die Dreisteste von allen, Hafrún, direkt neben der Hacke. Eine fast selbstmörderische Aktion. Als oberverantwortlicher Hütehund musste ich sofort eingreifen, sonst wurde A) die Lounge-Ecke nie fertig, und B) würde alsbald Blut an Madames Werkzeug kleben. Schlimm genug, dass sie beim Hacken bereits auf die Knochen einer alten Bisam-Leiche gestoßen war.

Doch die beste Schnüfflerin Nordfrieslands, ergo moi, konnte sich um diesen alten Fall nicht auch noch kümmern, solange es Leben zu retten gab. So werden wir nie erfahren, ob das Nutria eines natürlichen Todes gestorben war, oder was hinter dem Leichenfund steckte. Meine Bodyguard-Aktion zog Konsequenzen nach sich: Madame schaffte jetzt soviel auf einmal, dass sie über Schulterschmerzen klagte.

Zeit für Selfies

Wir beschlossen, den Hühnern das Feld zu überlassen und uns Zeit für Selfies zu nehmen. Madame ließ sich auf dem einzigen verfügbaren Stuhl nieder, ich immer dicht bei ihr. Der Dicke lag lang und breit unter dem Apfelbaum. Er meditierte neuerdings gerne. Auch versaute er mir weniger oft die Tour, wenn ich flirten wollte, was allerdings auch an Madames et Monsieurs Maßnahmen lag, ihn effektiv von der Flirtbühne fernzuhalten.

Seit der Großen Lutscherkrise konnte ich mir echte Flirts abschminken. Alle liefen nur noch flott aneinander vorbei, es war zum Pferdeäpfelpürieren. Zu Beginn, als die Sache noch keine Ausmaße angenommen hatte, traf ich einen wirklich schicken portugiesischen Wasserhund im Wald von Sankt Buddel und quiekte ihn in höchsten Tönen an. Er stand total drauf! Doch neuerdings musste ich mich aufs virtuelle Flirten verlegen. Einige schwören ja auf Tinder, doch ich ziehe Twitter vor. Selbst mit Schlapphut getarnt, konnte man dort die wildesten Dinge erleben!

Professionelles Outfit

Mein absoluter Lieblingsflirt heißt Jack, sieht Hölle gut aus, zwei verschiedenfarbige Augen, gut gebaut und charmant. Italiener eben! Zwar betont seine Madame, dass er ein „mammone“ ist, aber wen stört das schon! Diese italienischen Wörter klingen immer entzückend. Wie Musik in den Plüschohren! Selbst die sieben Löffelgesichter, die Jack auf der hübschen Nase herumtanzten, wusste er irgendwie zu managen. Sagen wir, mehr oder weniger. Irgendwann, das schwor ich mir, würde aus dieser Twitterbekanntschaft mehr werden. Ich musste Madame und Emilia nur zu einer „kleinen“ Spritztour bewegen. Ab in das Land, aus dem die lauteste aller Blechhöhle stammte!

Text: Julchen (Nach Diktat den Koffer gepackt, doch von der Großen Lutscherkrise vorzeitig ausgebremst. Himmelhuhnundmeer, jetzt kam noch nicht einmal Grandmadame zum großen Eierfest! Immerhin versprach Madame, den Urlaub im Land der Hundewälder nachzuholen.)

Fotos: Elke Weiler

11 Gedanken zu „Himmelhuhnundmeer!“

  1. Julchen ist der tollste Beardy in Nordfriesland und der beliebteste Hund bei großen und kleinen Leuten,immer freundlich und super drauf.

  2. Avatar
    Karin Strothotte

    Es ist so schön, von Euch zu hören. Wir verschlingen Deine Geschichten, liebe Grüße an den Dicken und die Lutscher. Bleibt gesund, damit wir bald mal wieder toben und schnuddeln können. Das wünscht die Gang aus Kassel.

    1. Das ist toll, wir würden uns tierisch freuen, euch mal wieder zu treffen! Long time no see, wie der Hund von Welt sagt. ;-) Liebe Grüße aus Nordfriesland! Und bleibt fit!

  3. Hey Julchen ;)) das hast du ja wieder perfekt diktiert!! Ich bin begeistert!! Grüße an Madame et Monsieur und einen feuchten Schmatzer an Janni, den Herzensbrecher :)) Freue mich wenn wir in SPO wieder gemeinsam den Strand unsicher machen. Liebe Grüße von Magic Maggie

  4. Beste Maggie, danke für die Blumen! Es war wirklich an der Zeit, mich zurückzumelden! Aber dieses Gackervieh hält einen ja ständig auf Trab. Janni will selber noch auf deinen Kommentar reagieren. ;-) Bussi, Julchen

  5. Liebstes Julchen , dies ist nun der zweite Versuch dir eine Nachricht zu senden. Mir wurde ausgerichtet, dass du die Brieftaube nicht bei dir landen lässt. Eine Flaschenpost wäre wahnsinnig romantisch, aber ich befürchte, dass eine heiße Spanierin sie abfangen würde. Und ich werde besser nicht in Versuchung geführt . Du weißt ja, wie sie sind, die Italiener.
    Oh, Julchen… Es wäre ein Traum dir endlich mein Territorium zu zeigen, die Schafe und natürlich die Ziegen mit Schlappohren. Mit dir gemeinsam den Strand entlang zu rennen, Seite an Seite. Und dann erst meine sieben Aristocats, wie die gucken würden! Deinen Lutscher darfst du gerne mitbringen. Sie scheint ja ganz in Ordnung zu sein.
    Con amore il tuo Jack

  6. Jack, amore mio! Ich bin quasi schon unterwegs. Madame meint, ich müsste es mit Emilia abklären, die eventuell aufmucken würde wegen der langen Strecke. Wollt ihr vielleicht ein wenig näher heranziehen? Du meinst, wegen der Strömungen geht die Flaschenpost nach Spanien? Und wenn du bis Basel einen Boten engagierst, der die Flasche in den Rhein schmeißt, dann geht sie von dort irgendwann in die Nordsee. Ja, kompliziert. Dauert auch. Aber Tauben schwirren hier schon so viele herum! Ich weiß nicht, ob man ihnen trauen kann. Zum Glück hast du es mit der Tastatur geschafft, für unsere Pfoten ist sie nicht gerade ideal. Deswegen diktiere ich lieber. Heute ist es total windig hier, das macht mich immer wuschig. Madame et Monsieur und Janni, diese Schlafmütze, kommen mit so viel Temperament nicht klar. Aber du bestimmt! Lass uns die Strände rocken, amore! Dein Julchen

    1. Mit Emilia musst du unbedingt mal sprechen! Wären die Autobahnen immer so leer wie zur Zeit, hätte die Italienerin null Probleme mit der Strecke. Vielleicht würde ihr Blech ein wenig ächzen, der Motor mal kurz husten, aber die italienischen meccanici lieben Gefährte wie sie, die Charakter und Stil haben. Heute schwierig zu finden, Gefährte su Quattro Ruote wie Emilia!
      Ich wäre sofort dabei, den nordischen Wind mir um meine Ohren pfeifen zu lassen. Wind lieben wir. Den Geruch der salzigen Meeresbrise sowieso. Der Lutscher meint hier nur immer, dass unser liebes französisches Blech es auch nicht mehr so weit schafft. Mir werden als Trostpflaster immer nur die griechischen Berge in Aussicht gestellt… aber ich bezweifle, dort so einen temperamentvollen Collie wie dich treffen zu können. Oh, Julchen… Auf Twitter habe ich dir ein Video Message hinterlassen. Keine Ahnung, warum der Zweibeiner auf die Stopptaste gedrückt hat, bevor ich das Objektiv küssen konnte. Das nächste Mal bin ich schneller. Sollte doch ein Border-Kinderspiel für mich sein :-)
      24mila Baci, Dein Jack
      PS: Bin gerade etwas eingespannt. Hier sind Verehrer für Aristocrat No 7 aufgetaucht, die ich wegschicken muss. Die Zweibeiner faseln schon ständig was von Tierarzt und so ;-)

      1. Affacciati alla finestra, amore mio! :-) Dein Video ist der Oberhammer, ich bin hin und weg! Nein, bei den Griechenlutschern triffst du keine wie mich, mich gibt es nur hier in diesem Reich der Winde! Wenn es warm wird im Sommer, drehe ich erst am Abend so richtig auf. Weißt du, dann ist es gaaaanz lange hell hier. Aber die Höllenmaschinen rauben mir den Verstand! Wie ist es bei euch? Mi manchi, tesoro! Super, dass du dich um die Löffelgesichter kümmerst! Die brauchen Betreuung, sonst stellen sie die abstrusesten Dinge an, es ist zum Pferdeäpfelpürieren! Grüß die Sieben und auch deine Lutscher von mir! Baci, dein Julchen

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