Nur in Brühe, bitte!

Ich mag sie ja, diese Stadt der zwei schiefen Türme, unendlichen Arkadengänge und rostroten Fassaden. Die Stadt, die 40 Jahre lang Knete und Kommunismus unter einen Hut brachte und heute noch Gratis-Fahrräder anbietet.

Die Stadt, in der man sein eigenes Fahrrad unter Umständen mehrmals kauft. Und – last but not least – die Stadt der kulinarischen Genüsse! Das ist Bologna.

Und es geht schon beim Mittagessen los. Mein Tipp: die Enoteca Divinis in der Via Battibecco. Für alle, die den typischen Geruch von Weinfässern, hohe Regale, vollgepackt mit Flaschen aus sämtlichen Regionen und einfache Gemütlichkeit lieben.

Es gibt zarteste, frische Kartoffel-Gnocchi mit Wildschweinragout und etwas Bitterkakao bestreut. Dazu einen leichten Weißwein aus der Gegend (Colli Bolognesi), der auch nicht müde macht.

Danach ein langer Spaziergang unter den langen Arkaden des historischen Zentrums, durch die Gassen rings um die Piazza Maggiore. Und wo landen wir?

Delikatessladen Bologna
Macht Bologna dick?

Natürlich, in den sogenanten Fressgassen wie die Via delle Pescherie und delle Drapperie, wo sich Spezialitätengeschäfte an Fisch- und Gemüseläden reihen, deren bunte Auslagen überzuquellen scheinen.

19 Uhr. Unweit der Piazza Maggiore füllt sich die angesagte “Nu Lounge”. Pärchen, Freunde, junge und ältere Leute wollen mit einem Gläschen Aperitif den Feierabend einläuten. Hier, im restaurierten Durchgang “Buca San Petronio” sitzt man quasi draußen unter einer Kassettendecke, deren Glasquadrate zur Not auch Dauerregen abhalten.

Im November ist es auch in Bologna nicht mehr warm, die Heizpilze glühen. Ein Gläschen Wein, etwa den beliebten Sangiovese, Prosecco und Cocktails werden herbeigetragen. Und die Tische füllen sich quasi automatisch mit Schalen von grünen, großen Oliven und Salzchips.

Bologna by night hat dieses ganz spezielle Licht, weich und einladend wirkt es, orange bis rosa. Wer noch solo unterwegs ist, geht zur zentralen Piazza Nettuno. Denn unterhalb des nackten Neptun treffen sich die Bolognesi gerne – ein frühes Meisterwerk des Manierismus vom Bildhauer Giambologna.

Piazza Maggiore
Zeit für den Aperitivo

Ich nehme meinen Aperitivo mitten auf der Piazza Maggiore ein, den Passanten zuschauend. Danach muss ich mal wieder etwas für die Figur tun und besuche das Traditionsrestaurant “Diana” in der Via Indipendenza. Unter Lüstern und zwischen Spiegelwänden werden Bologneser Spezialitäten aufgetischt. Holla, die Waldfee!

Die Kost der Region ist deftig. Und Vorsicht bei den Tortellini: nur mit Brühe „brodo“ oder Sahne „panna“ bestellen, ansonsten beleidigst du den Koch! So sagt man in Bologna. Mit Brühe schmecken sie nicht nur gut, man verhilft auch dem Gericht „bollito misto“ zu seiner Daseinsberechtigung. Für alle Vegetarier: Bitte die folgenden Abschnitte überspringen!

Ein gut genährter Koch erscheint mit einem Wägelchen voll gekochter Fleisch- und typischen Wurstsorten wie dem „cotechino“ aus Schweinefleisch. Nur unter dem Einsatz meines ganzen Charmes kann ich den guten Mann davon abhalten, vor mir einen Hügel aufzubauen.

Der Koch schwingt ein scharfes Messer und säbelt, ich also: „No, grazie!“ Um die auf dem Teller entstehende Komposition optisch aufzulockern, nähert sich ein livrierter Kellner mit grüner Soße, Salsa verde – bestehend aus Peperoni, Kapern, Sardellen, Petersilie, Zwiebeln. „Kein Knoblauch?“, will ich wissen. Nein, nicht in Bologna.

Bologna by night
Piazza Nettuno

Spätestens jetzt wundert es niemanden mehr, warum der Dichter Petrarca Bologna “la Grassa”, die Fette, genannt hat. In die Nudeln kommen grundsätzlich Eier, und gemacht werden sie von den Sfogline, den Pastamacherinen von Bologna!

Ja, man lässt es sich gutgehen mit Mortadella und Co. Dafür steigt man nachher aufs Fahrrad – falls es immer noch vor der Tür steht. Und dann macht Bologna auch nicht dick.

Text und Fotos: Elke Weiler

Danke an die APT Servizi Emilia Romagna, die diese Reise ermöglicht haben.

Standardbild
Elke
Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.
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3 Kommentare

  1. Menschen im Vertrieb
    Menschen im Vertrieb

    Deine Bilder sind immer ein Hit!!!

  2. Meerblog for Blogroll; Dein Stil und Deine Fotos gefallen mir sehr. Stünde Bologna nicht schon auf meiner Bucket List 2014, jetzt käme es drauf. Ich denke, die APT Servizi Emilia Romagna hat eine gute Wahl getroffen.

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