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Warten auf die Biike

An einem Tag wie heute erwacht die Frühlingslaune. Sonne, Wind und Temperaturen um die 4 Grad. Plus!

Also Zeit für einen Spaziergang in Schobüll. Skovbøl heißt es im Dänischen – übersetzt Walddorf. Das alte Kirchdorf ist erst seit 2007 ein Stadtteil der Kreishauptstadt Husum, an die es im Nordwesten grenzt.

Und Schobüll hat tatsächlich einen Wald, der mit bis zu 31 Metern über Normalnull für hiesige Verhältnisse recht hoch erscheint und bei einer Hallig- oder Inseltour daher gut zu erkennen ist. Wie eine Fata Morgana. Ein Wald, eine Kostbarkeit in der Gegend!

Das ist aber nicht die einzige Besonderheit des Luftkurortes. Schobüll – der einzige Ort an der nordfriesischen Küste ohne Deich! So erfreuen sich die etwa 1600 Einwohner tagtäglich am unverbauten Meerblick. Wenn das Wasser denn da ist.

Natürlich besteht die Möglichkeit einer Überflutung auch in der sonst eher ruhigen Husumer Bucht. So erzählte mir einmal ein Taxifahrer von der Überschwemmung des ufernahen Campingplatzes.

Kein Deich in Schobüll

Ein Hauch von Schnee

Auch die schönen Reetdachhäuser im Kern haben da wohl nasse Füße gekriegt. Nicht so das Kirchlein am Meer, das auf dem Geestrücken Platz gefunden hat und erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt wurde. In seiner Kompaktheit trotzt es Wind und Wetter und lockt mit Konzerten auch Nichtgottesdienstbesucher an.

An allen Tagen ohne Sturmflutgefahr im Jahr gilt Schobüll als Kleinod, in dem der Kioskbesitzer munter „Schobüll statt Sylt“-Aufkleber an Einheimische und Touristen vertickt.

Der Kurort wurde sogar schon als das Florida Nordfrieslands bezeichnet, weil die ruhige, deichfreie Lage in der Nähe der Kreisstadt die Pensionierten in Scharen anzog.

Der Haufen steht.

Spazierende Husumer zieht es meist auf die Seebrücke, wo man bei Flut aufs Wasser hinausläuft, ohne Boot auf dem Meer, immer die Nordstrander Küste vor Augen. In der härtesten Zeit des Winters waren wir hier vom Eis umzingelt und haben vergeblich nach plätschernden Wellen Ausschau gehalten.

Ebbe und Flut waren kaum mehr zu erkennen, das Watt verschwunden, der Steg ein Hindernisparcours. Doch heute ist die Schobüller Welt wieder in Ordnung, und der Holzhaufen für das Biikebrennen in Ufernähe wächst und wächst.

Am 21. Februar wird das große Feuer entfacht, das einst die Vertreibung des Winters symbolisieren sollte. Da machen wir gerne mit, denn wir sind jetzt schon recht wintermüde.

Text und Fotos: Elke Weiler

Ein Gedanke zu „Warten auf die Biike“

  1. Echt eine Seltenheit in Nordfriesland. Direkter Blick am Meer ohne Deich. Und wenn ich mich richtig erinnern kann, gibt es sogar einen Reitweg direkt am Strand. Das Biikebrennen kannte ich nicht. Schade, vielleicht nächstes Jahr.

    Viele Grüße aus dem Süden

    Simone

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