St. Peter-Ording

Eis und heiß

Gefriert Sand? Trägt das Meer Eisbrocken?

Diesen drängenden Fragen wollen wir uns heute widmen, an einem sonnigen Sonntag und 24 Stunden vor einem nordfriesischen Großereignis – dem Biikebrennen.

Dazu steuern wir den Megastrand von St. Peter Ording an, das, nebenbei bemerkt, zunehmend versyltet. Zumindest gastronomisch. Nicht nur Gosch hat schon vor längerem an der sogenannten Erlebnispromenade Einzug gehalten. Jetzt plant auch das Sansibar einen Ableger in der Arche Noah.

Gut gewählt, meine Herren. Der genial gelegene Pfahlbau könnte sich damit zum kulinarischen Hotspot mitten in der weiten Strandlandschaft mausern. Barfuß zum Sundowner-Cocktail, ab Ostern wär’s dann soweit.

Aber schon jetzt trauen sich wieder Touristen an die Küste. Eigentlich sind Januar, Februar ja als magere Monate bekannt, doch das Biikebrennen steht an.

Bevor wir also die aktuelle Beschaffenheit des beliebten Strandes testen, nehmen wir einmal den Biikehaufen, der sich rechts vom Promenadenplatz hochtürmt, unter die Lupe.

Viele Weihnachtsbäume

Das Ganze wirkt wie ein überdimensioniertes Tipi, dessen Außenwände mit den Überresten des Weihnachtsfestes verstärkt wurden. Die Nordfriesen haben also eine gelungene Art gefunden, Weihnachtsbäume zu entsorgen, und dabei noch Spaß und Spannung hervorzurufen!

Das Ganze nennen sie Tradition. Denn laut Überlieferung wurden hier schon in vorchristlicher Zeit solche Feuer entzündet, um den Winter zu vertreiben, damals noch ohne Weihnachtsbäume. Jedenfalls eine sehr sinnvolle Sache, wenn man an die enorme Kälte des Winters denkt.

Winterlicht

Morgen ist der große Tag also da, das gemeinschaftliche Einräuchern beginnt an den Küstenorten Nordfrieslands und auf den Inseln meist zwischen 17 und 18 Uhr. Das Hotel Strandgut in St. Peter Bad hat direkten Biike-Blick und mahnt seine Gäste bereits vorab, am Abend die Fenster auch schön geschlossen zu halten.

Aber jetzt weiter, das Meer ruft. Wir laufen über Salzwiesen und Priele über den ersten Teil der 1058 Meter langen Seebrücke. Dann runter aufs Eis, das hier und dort den Sand deckelt, aufgebrochen, vom Wind verzerrt, in den unterschiedlichsten Formen und Glättegraden.

Nice mit Eis

Der Sand erscheint uns dunkler und härter als sonst. Auch die Schwert-, Mies- und Herzmuscheln trotzen Wind und Wetter. Doch sammeln müssen wir heute keine, schon allein wegen der Gefahr, dass uns in der Kälte die Hände abfallen.

Das Meer sieht seltsam ruhig aus, so sang- und klanglos rollt es an den Strand, der heute für Winterverhältnisse hochgradig bevölkert ist. Von Vermummten zwar, aber voller Leben. Sogar ein paar Drachen steigen in die Luft, durch die der Frühling hoffentlich bald sein blaues Band flattern lässt.

Folge den Spuren!

In diesem Sinne: „Macht die Biike an!“ Und morgen dann der Livebericht vom gemeinschaftlichen Zündeln und Grünkohlessen.

Text und Foto: Elke Weiler

Autor

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

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