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Hoppelnd in den Sommer

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Mit Madame verständigten wir uns neuerdings telepathisch. Wir waren ihre Schatten, und als solche mussten wir Meister der Telepathie sein. Natürlich gab es Dinge, die wir verstanden, doch nicht umsetzen konnten. Jedenfalls nicht sofort.

Dazu gehörte zum Beispiel, die Kühe auf der Fenne nicht anzubellen. Wenn eine Kuh zu nah an unsere Fenne kam, konnte ich das nicht dulden. Ein absolutes No-Go! Irgendwann würden Madame et Monsieur einsehen, dass man solche Dinge nicht durchgehen lassen konnte. Spätestens, wenn sich das erste Rindvieh auf unserer Seite des Grabens breit machte.

Mit Julchen galten andere Regeln. Ich durfte mein Fressen erst vertilgen, wenn meine süße Chefin ihren Hunger gestillt hatte. Madame wunderte sich nicht selten, wenn ich die leckeren Sachen einfach so rumstehen ließ. Aber es gab kein Pardon für einfache Rüden wie mich. Die Julchens hatten das Sagen.

Als Rüde hast du es nicht leicht.

Dann telegrafierte meine Nichte Candy ihr Kommen, und wir freuten uns wie die Hasen auf dem Feld, die in der Abendsonne hoppelten. Doch als Candys Madame ohne Candy vor unserem Haus stand, hatte ich natürlich keinen blassen Schimmer. Zwar fuhr sie nicht in einer gelben Blechhöhle vor, aber die Postlutscher ließen sich ja auch immer etwas anderes einfallen, um mich zu verwirren.

Also machte ich zur Sicherheit mal auf Verteidigung von Haus und Hof. Einer musste es tun. Julchen hingegen war schlauer. Und sie machte mich nach Strich und Faden fertig, weil ich es gegenüber der heiligen Verwandtschaft mal wieder an Gastfreundschaft vermissen ließ.

Julchen selbst ging in der Rolle der versierten Gastgeberin völlig auf. Aber dafür strich ich mehr Komplimente ein! Man verzieh mir mein rüdes Verhalten, weil ich so ein toller Hecht war – eine neue, interessante Erfahrung.

Onkel trifft Nichte.

Dann stand sie vor mir, die Candy-Maus und schaute mich mit ihren hellen Puppenaugen an. Zum Fressen süß. Freundschaftlich tapste sie mir mit der Pfote gegen die Schulter. Ich wusste sofort, dass sie auf mich stand. Und sie stand auf Extrem-Knuddeln.

Vor lauter Überschwang gab Candy meiner Madame eins auf die Zwölf. Da ihre Nase nicht sonderlich entstellt wirkte, machte ich mir weiter keine Sorgen. So etwas konnte im Eifer des Gefechts mal passieren und fiel unter die Rubrik „Knutschunfall“. Ich selbst hatte diverse Aufschreie in Erinnerung, wenn ich mal zu stürmisch gewesen war.

Natürlich hoffte ich, dass ich Candy ein bisschen zeigen konnte, wo der Hase langlief. Das hatte schließlich auch mit ihrem Bruder Charles zu Ostern ganz gut funktioniert. Ein Hoffnungsschimmer am Horizont.

Schon mal was von Aufhoppeln gehört?

Also dachte ich nur an eins: Ich wollte aufhoppeln. Jetzt oder nie. Nach so vielen niederschmetternden Erfahrungen: Julchen und ihre sämtlichen Verlobten, Freunde, Bekannten und Brüder – sie alle hatten es mit mir getan!

Doch Candy quietschte, als ich meine Chance wahrnahm. Und ihr Rudel wirkte not amused. Also nahm Monsieur mich an die Leine und unterband jegliche Entfaltungsmöglichkeiten als Sous-Chef.

Und Julchen war noch am nächsten Tag sauer auf mich, weil ich Candy angeblich mies behandelt hatte. Erst nach und nach taute sie wieder auf. Als wir am Everschop waren, ihrem ehemaligen Liebesdomizil mit diesem leicht aufbrausenden Emil, schien mein Stern neu aufzugehen.

Bearded & wet.

Wir nahmen ein gemeinsames Bad, es war herrlich. Julchen zog mich zwar damit auf, dass ich genau so eine Badenixe wie ihr leicht aufbrausender Bruder wäre, aber sie hatte mich wieder lieb. Das war die Hauptsache.

Mit einem Mal ertönte Julchen spleeniges Quietschen, das sie sonst nur auf Männerfang einsetzte. Mit großem Erfolg übrigens. Ich kapierte nur Ackergülle, aber die Typen verfielen ihr reihenweise, wenn sie in hellsten Tönen quiekte.

Dieses Mal war es etwas anderes. Meine Hübsche war mit einem Hasen zusammen gestoßen. Während der Hase über den Lutscherweg davon hoppelte, fiel Julchen nichts Besseres ein, als zu Madame zu rennen. Dann zurück. Immer wieder suchte sie zwischen den Butterblumen nach weiteren Hasen.

Gemeinsam schlürfen ist schöner.

Vermutlich hatte sie sich verliebt. Was kein Wunder wäre, denn Julchen glich mit ihren nassen, dünnen Beinen zwar einem typischen Schaf auf den Fennen Nordfrieslands, hoppelte aber eher wie ein typischer Feldhase durch die Gegend. Vor allem, wenn das Gras so hoch war wie jetzt.

Am nächsten Tag dann der Knüller. Buddeln stand auf unserer Agenda, die Psychoanalytikerin Mademoiselle Julie hatte uns dazu geraten. Ich war eigentlich mit Tante Ca und ihren Jungs an der Ostsee verabredet, doch rudelintern fiel ein anderer Beschluss. Tante Ca war zu weit weg. Beim nächsten Mal musste ich sie näher heranlocken.

Rudel-Baden!

Also ab in unser geliebtes St. Buddel! Wir gingen baden. Dieses Mal sprang das komplette Rudel ins Wasser, denn Madame et Monsieur hatten ihre Schuhe im Sand verloren. Julchen überlegte noch, ob sie darauf aufpassen sollte. Ja, sie war immer viel zu pflichtbewusst, meine Süße.

Dann entschied sie sich, mit uns zu plantschen. Das Wasser war herrlich, es gab genug Platz für alle Kitelutscher und uns. Trotzdem nahm ich Monsieur lieber zeitweise an die Leine. Nicht, dass er mir in den reißenden Fluten noch verloren ging!

Schön zu Hause.

Text: Janni (nach Diktat aber nix wie auf die Couch!)

Fotos: Elke Weiler

5 Gedanken zu „Hoppelnd in den Sommer“

  1. Janni,

    Neopren schmeckt schlecht. Ich wollte Dir und den Kitesurfern die schlechte Erfahrung sparen daher die Leine.

    Dein Monsieur

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