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Der Keks, der kein Käse war

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Man kannte mich als Mann der Tat. Halbe Sache lagen mir nicht, und als der Postlutscher endlich das Weite gesucht hatte, übernahm ich das Paket aus den Händen von Madame.

Grundsätzlich waren alle Päckchen zunächst auf mögliche Gefahrenstoffe zu prüfen. Als Julchen mich schräg von der Seite anging, weil es sich angeblich um ihr Geschenk handelte, konnte ich es ruhigen Gewissens weitergeben.

Aber schweren Herzens. Und sabbernd: Es handelte sich offensichtlich um eine dringende Kekslieferung aus dem Nachbarland Niedersachsen. Pfotengefertigt von Julchens Bruder Mogli.

Wieso hatte ich nicht so coole, küchenaktive Geschwister? Meine holde Julischka kannte kein Pardon, wenn es um ihre Geschenke ging. Sie warf mir zwei Waschbären vor die Pfoten, wollte aber noch nicht mal ein Krümelchen von der kulinarischen Geschichte herausrücken.

Alles für Jule?

Alles für Jule?

Ein derartiges Sozialverhalten war natürlich Gift für jeden Foodblogger. Dann warf sie mir auch noch an die Rübe, ich hätte meine Spezialisierung aus eigennützigen Zwecken gewählt! Ja, was zählte denn sonst bei der Berufswahl? Natürlich die eigenen Kompetenzen und Vorlieben.

Daher war alles klar wie Kloßbrühe, um mal Julchens Wortschatz zu benutzen, der bestens in mein Metier passte. Madame sorgte für Gerechtigkeit, und jeder bekam den gleichen Anteil an Gebäck. „Käse!“, meinte Juli. „Käse!“, bestätigte ich. „Mehr!“, wollten wir beide.

Madame et Monsieur bunkerten alle wirklich guten Dinge in der Spieskommer, und so verschwand das kulinarische Highlight der Woche zunächst aus unserem Blickfeld.

Have a break, have a Keks!

Have a break, have a Keks!

Genaue Recherchen ergaben allerdings, dass es sich um Leberwurschtkekse handelte, die zwar mit Frischkäse gebunden und Pfotenkäse aufbereitet waren, in der Hauptsache jedoch Wurst enthielten. Ich musste einfach mehr testen, um beim nächsten Mal richtig zu liegen.

Madame et Monsieur hatten uns eine Schlemmerei ohnegleichen vom Griechenlutscher mitgebracht: Kokinisto. Rindergulasch mit Gemüse. Und die Soße dazu – Oberhammer! Inzwischen sprach ich perfekt Griechisch.

Julchen und ich überlegten auszuwandern. Ob es in Grönland wohl griechische Restaurants gab? Und wenn nicht, konnte Monsieur doch eines dort eröffnen. Sicher ein Riesenerfolg.

Reif für Grönland

Reif für Grönland

Ich würde mich als Souschef und Vortester in der Küche bewerben. Monsieur gab zu bedenken, dass in diesem Fall vermutlich die Portionen für die Gäste relativ klein ausfielen, aber das war ja auch gesünder für die Lutscher.

Um unsere Kekskalorien wieder abzutrainieren, fuhren wir ins wunderbare St. Buddel. Das Meer war zu Eis gefroren. Sogar auf dem Sand knirschte es unter den Pfoten. Manchmal zog uns das gefrorene Wasser die Pfoten weg, wenn wir uns im Eislauf versuchten.

Julchen mutierte zur Eisprinzessin. Logo. Wie immer im sportlichen Bereich war sie die Eleganz in Hundeperson. Aber was war das? Ein niedlicher Goldie? Und Juli fand ihn gut?

Die Zirkusnummer

Die Zirkusnummer

Ich musste die Lage checken, und meine Holde vor Schlimmerem bewahren. Schließlich konnte man sich schlecht mit jedem dahergelaufenen Hund gut verstehen. Wir beschnupperten uns.

Ok, ich nahm ihn stärker unter die Lupe als er mich. Er hielt still. Das war eindeutig mehr Coolness, als ein Mann ertragen konnte! Also versuchte ich ihn zu provozieren.

Er reagierte nicht. Der Typ machte mich wahnsinnig! Julchen schimpfte derweil wie eine Verrückte auf mich ein, ich sollte doch harmlose Sonntagsspazierhunde gefälligst in Ruhe lassen! Und wie asozial ich doch wäre! Nirgendwo könnte man sich mit mir blicken lassen!

Na, komm' schon!

Na, komm‘ schon!

Auch Madame et Monsieur fanden mein Verhalten suboptimal, wie mir auffiel. Ich bekam ein Band zu Monsieur, um gemeinsame Sache mit ihm zu machen. Wir Männer des Rudels mussten eben zusammenhalten.

Julchen durfte weiter tun und lassen, was sie wollte. Sie war ja so selbstständig. Und vernünftig. Pah! Im Grunde wollte sie auch nur mit mir spielen und sich im Sand wälzen. Sie liebte den Schnee und die Kälte abgöttisch.

Natürlich fraß auch ich das weiße Zeugs gerne, es war so kühl und rein. Es knirschte so schön zwischen den Beißerchen. Wir wälzten uns synchron, als Monsieur mich wieder entließ, und fegten über den Sand. Das Leben war ein Strand, ich liebte mein Rudel und brauchte keine umher streunenden Hunde!

Das Sozialtier

Das Sozialtier

Doch dann trafen wir einen anderen Beardie, und Julchen wirkte gleich so verliebt. Er sah aus wie unser Freund Louis, den wir mit seinem Rudel vor einiger Zeit genau hier kennengelernt hatten. Ich sagte Juli, dass es nicht Louis wäre, ob sie das nicht geschnallt hätte?

Doch sie meinte eine Spur zu lässig: „Na und?!“ Sie wäre schließlich eine Beardine von Welt und stünde auf gute Kontaktpflege. Ich war sauer. Dem Typen zeigte ich zur Sicherheit mal das Eßbesteck. Man konnte nie wissen.

Meine Frau war meine Frau, das sollte er sich schon mal hinter die Lauscher schreiben. Julchen natürlich super stinkig. Die Stimmung auf dem Nullpunkt, fast auf Außentemperatur.

Auszeit

Auszeit

Ich hatte keinen Diskussionsbedarf, ging erneut mit Monsieur verbunden meines Weges. Den Typen hatte ich jedenfalls in seine Schranken verwiesen. Die Welt war wieder in Ordnung, und Juli würde sich schon beruhigen.

Sie setzte sich erst mal in die Dünen ab. Ein guter Ort, um zu sich zu finden, wie sie meinte. Irgendwann würde sie sicher zu mir finden. Irgendwann wäre sie verrückt nach meiner patentierten Knabbermassage. Ich wartete jedenfalls auf sie. Auf immer und ewig.

Text: Janni (nach Diktat eine Chance genutzt und sich durch die offene Tür der Spieskommer zu den Nicht-Käse-Keksen vorgearbeitet…)

Fotos: Elke Weiler

6 Gedanken zu „Der Keks, der kein Käse war“

  1. Hallo Janni,
    irgendwas musst Du aber falsch machen. Ich zeige Suris Verehrern auch, dass die Maus nicht zu haben ist. Aber ich muss dafür (fast) ans Band! Na ja, gönn Dir mal ne Wurst. Wenn wir uns mal kennen lernen, zeig ich Dir, wie man es macht.
    Tschüssikowsky
    Dayo

  2. Hallo Dayo, altes Haus!

    Wir Männer müssen zusammenhalten! :-)

    Danke dir für deine weisen Worte und dein Angebot – ich bin echt für jeden Tipp dankbar!

    Freue mich auf unser Treffen!!

    Gimme five, brother,

    Janni

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