Jour de Madame

Was für ein Fest! Am Vorabend zum „Jour de Madame“ gab es Spaghetti Bolo. Mit Parmesan! Auch für mich. Und was für ein Glück, dass ich nicht mit dem Katertier teilen musste.

Mats, der halbstarke Herumtreiber, traf sich vermutlich mit seinen neuen Kumpels. Er hatte nichts gesagt, wie üblich. Doch es lag auf der Pfote, dass sie bei einer Runde Dosenbier angesagten Klopp-Fussball in der Zauberkiste glotzen würden, diese Löffelgesichter.

Mighty Mats war nämlich ein tierischer Rundlederfan. Hüpfte der Ball, spielte der Kerl automatisch mit und lief vor der Kiste hin und her. Es war zum Schreien!

Ich hingegen hatte alle Vorbereitungen für einen wunderbaren „Jour de Madame“ getroffen. Letzte Woche hatte ich der besten aller Madames eine Bluse ausgesucht, in der sie wirklich umwerfend aussah.

Bezahlen musste sie dann selber, weil man in dem von mir bevorzugten Shop meine Kreditkarte nicht akzeptierte. Dafür gab‘s sehr gute Leckerlis, während Madame hinterm Vorhang herumwurschtelte. Die nette Shoplutscherin erwägte sogar mich einzustellen.

Nicht nur wegen meines exzellenten Geschmacks, sondern auch, weil ich farbharmonisch und stilistisch ins Ambiente passte. Doch ich hatte bekanntlich andere Ambitionen, was meine berufliche Zukunft anging.

Mats beteiligte sich nicht am Geschenk zum „Jour de Madame“, da er den kommerziellen Aspekt der Veranstaltung boykottierte. Aus Prinzip. Ja, machte er jetzt auf Che Guevara oder was? Lächerlich!

Stattdessen warf er den Schnurrmechanismus an, drängte sich Madame bei der Arbeit auf und ließ den Superschmusekater heraushängen. Ich kriegte das Kotzen und verließ den Raum.

Let's fly again!

Zu Madames Ehrentag hätte ich ihr gerne einen angenehmen Sommertag hingezaubert, hatte aber die Rechnung ohne den kapriziösen Wetterfrosch gemacht.

Wir hörten den Typen lautstark in einem Wassergraben quaken. Mühte er sich ab? Doch was hier tagtäglich abging, erinnerte eher an die vier Jahreszeiten in einer Nussschale!

Noch in der letzten Woche war nach einem Dauerregentag gegen Abend der Himmel aufgerissen. Der Frühling hatte sich in voller Schönheit gezeigt und die erste Badelutscherin mit ihren Titi-Nackedeis am Everschop hervorgebracht.

Emil und ich hatten ganz baff zugeschaut, wie man so felllos bei dem Wind durch die Gegend laufen konnte. Die Frau musste eine innere Heizung haben, die sie vermutlich in ihrem kugelrunden Bauch versteckt hatte. Doch Madame meinte, dass ein neues Titi drin steckte. Wow!

Mein Verlobter kapierte nur Schafsköddel und wollte der Sache auf den Grund gehen, wurde jedoch von Schwiegermadame zurückgepfiffen.

Dann setzten sie sich nach Rügen ab. Ostsee. Plätscherwasser! Ich hatte es noch zu gut von Flensburg in Erinnerung. Welches süße Ziel würde Madame an ihrem Ehrentag auswählen?

Gruppenbild mit Madame

Bis in den späten Mittag hinein hatte ich noch alle Pfoten voll zu tun, da ich die Blechhöhle unseres bevorzugten Werkellutschers bewachen musste. Als unser Waschsalon wieder zur offiziellen Benutzung freigegeben war, konnte sich auch Monsieur endlich aufhübschen.

Wir düsten Richtung Westerhever, wo die Ringelpiepmätze eine Reunion hatten. Feierten auch sie den „Jour de Madame“? Mit fiel auf, dass die Occupy-Bewegung an diesem Ort stark vertreten war. Furchtlos kamen die Mutterschafe mitsamt Nachwuchs auf uns zu.

Das hatte auch sein Gutes: kulinarische Delikatessen im Überfluss – Köddel in sämtlichen Farben, Formen und Maßen. Was wollte ein Gourmethund mehr?

Zur Feier des Tages bestellte ich ein Foto mit Madame, und Monsieur tat sein Möglichstes, um diesem Wunsch nachzukommen. Doch aufgrund häufiger Wälzaktionen dekorierten diverse Gänsehinterlassenschaften meinen feinen Plüsch. Scheinbar galt das in Lutscherkreisen als nicht gesellschaftsfähig.

Ich freute mich, mein neues apfelsinenfarbenes Frisbee auszutesten, doch wir mussten zunächst die ausgewiesene Kindergarten- und Auftankzone der Zugpiepmätze durchqueren. Endlich erreichten wir das Watt, und die Show konnte losgehen.

Spuren in Westerhever

„Allez hop, Monsieur, rück‘ die Scheibe ‘raus!“, schrie ich in einem fort. Leider landete das Frisbee nicht immer dort, wo er es hingeworfen hatte. Der Wind mischte auch ein bisschen mit.

Einmal hätte er, beziehungsweise Monsieur, fast Madame getroffen! Als Reporterin lebte man gefährlich, das wurde mir wieder mal klar. Noch nicht mal an Ehrentagen wurde man verschont.

Ich war schon ganz gespannt, wie Emil seine Madame hatte hochleben lassen. Da unser nächstes Date aber wegen des Plätscherwasserurlaubs verschoben war, musste ich ausharren. Ein Jammer!

Denn Emil und ich, sonst ganz auf‘s Gebissverhaken konzentriert, probierten etwas Neues, Ausgefallenes, Aufregendes: den Zungenschleck. Dazu ließ ich meinen Waschlappen kilometerweit aus dem Maul hängen. Und Emil schlabberte hingebungsvoll daran.

Ich wartete darauf, dass jemand „Halbzeit, Seitenwechsel“ rief, doch Mats ging zum Glück nie zum Everschop. Mein Verlobter hingegen hatte genug Zeit zur Entwicklung solcher Feinheiten in unserer Beziehung.

Während ich mich zu sehr um den Job und mein Mündel kümmerte, denn der Kater machte gerade eine schwierige Phase durch. Trotzdem nahm ich mir hier und dort die Zeit für ein kleines Gassi mit Madame.

Gassi in Tönning

Eines Tages bummelten wir durch den beliebten Ferienlutscherort Tönning, als sich uns die von mir hochverehrte Spezies in Form eines Seniorenduos mit Dackel näherte.

„Hundeschönheit“ nannte seine sympathische Madame mich, doch der Kollege selbst machte Mätzchen. Erst, als wir uns ein zweites Mal auf den noch ausgeklappten Lutschersteigen begegneten, verliebte er sich in mich.

Seine Madame vertickerte uns, dass der Kleine auf große Mädels stand. Seine Freundin entstammte nämlich der Berner-Sennen-Liga, und sie machte sich immer so platt wie möglich, damit eine Begegnung auf Augenhöhe das junge Glück krönte. Wo die Liebe hinfällt…

Text: Julchen (nach Diktat alle Vorbereitungen für den nahenden „Jour de Monsieur“ in Angriff genommen)

Fotos: Elke Weiler

Standardbild
Julchen
Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

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