Ein Tag auf Rømø

Es ist der Strand. Offiziell der breiteste Nordeuropas. Inoffiziell: einer der schönsten. Wir haben Glück, denn im Frühjahr kann man die Weite des Wattenmeers uneingeschränkt genießen. Um uns herum nicht allzu viele Kitesurfer, Reiter, Strandsegler oder geparkte Autos am Strand. Und alles relaxt, das sowieso, typisch Dänemark.

Über den mautfreien Rømø-Damm sind wir flott und unkompliziert auf die Insel gekommen. Kein Autozug, keine Fähre, keine Extrakosten. Nur das Watt um uns herum. Auf der Insel biegen wir zunächst links ab und steuern Havneby an. Zum Lunch gibt’s ganz klassisch Smørrebrød mit Lachs und Salat mit Krabben.

Im Hafen von Havneby tummeln sich die Kutter, vor den Bistros sitzen die Gäste in der Sonne, genießen Fischspezialitäten, Meeresgetier und – natürlich – Softeis.

Toftum Skole
Toftum Skole

Überraschend grün wirkt die Ostseite der Insel. Ab und an ein Reethaus, mal ein Bäcker oder eine Kunstgalerie. Denn die Künstler fühlen sich wohl in dieser Natur, dieser Stille und mit diesem Licht. Auf einer Fläche von 129 Quadratkilometern leben nur 584 Einwohner.

Im Vergleich: Sylt mit seinen gut 99 Quadratkilometern zählt an die 20.000 Menschen mit Erstwohnsitz! Trotz allem, trotz surrealer Immobilienpreise und der daraus resultierenden Probleme für die beliebte Insel.

Der letzte Bartenzaun

Sieht man mal von Hochsaisonzeiten, von 1,2 Millionen Übernachtungen und 1,6 Millionen Tagesgästen pro Jahr ab, hat Rømø schon rauschendere Zeiten erlebt: Im 17. und 18. Jahrhundert profitierte die damals eher karge Insel von der Blütezeit des Walfangs vor Grönland. Er bescherte den Bewohnern der Wattenmeerinseln Wohlstand und Reichtum.

Noch heute sind einige der alten Kapitänshäuser zu bewundern oder auch zu bewohnen, etwa als Jugendherberge. Und nicht nur das. Holz und Steine waren einst Mangelware auf den Wattenmeerinseln, und so baute man Zäune auch aus Walkieferknochen.

Ein Zaun aus Walknochen
Kein gewöhnlicher Zaun

Ein solcher Bartenzaun aus dem Jahre 1772 ist bis heute dem Örtchen Juvre erhalten geblieben. Als einziger der ganzen Gegend. Beinah hätten wir ihn übersehen, denn das von Regen, Wind und Salz ausgewaschene Material hat einen holzähnlichen Charakter. Etwas unregelmäßiger strukturiert ist der Knochen schon.

Das Kulturdenkmal gilt neben der St. Clemens Kirche in Kirkeby und dem Kommandørsgården mit der kleinsten und ältesten Schule Dänemarks – Toftum Skole – zu den Sehenswürdigkeiten der Insel. Wobei die Kirche noch in Betrieb ist, während der beachtliche Kapitänshof und die Mini-Schule heute als Museum dienen.

Nicht nur der Damm kam im letzten Jahrhundert zur Insel. Die drei Wälder – oder besser Plantagen – mit Berg-, Wald- und Schwarzkiefern wurden angepflanzt, um sich gegen das Sandtreiben zu schützen.

Der unendliche Strand

Auch Eichen und Birken lockern die Bepflanzung inzwischen auf. Originär ist die üppige Heidelandschaft in der Inselmitte, die derzeit noch etwas blass wirkt. Mit etwas mehr Zeit lohnte es sich gewiss, die Wander-, Rad- und Reitwege durch Heide und Waldgebiete zu auszutesten.

Von weitem sehe ich ein Reh über die Felder springen. Keine Seltenheit auf der Insel, wo es neben der typischen Fauna des Watts auch viele Hasen und Füchse gibt. Rømøs höchstes Gut ist nun mal die Natur. Die Dünenlandschaft, das Meer… und vor allem der gigantische Strand.

Strandfunde
Strandfunde

Der heute besonders brilliert – bei Sonne, Wärme, Windstille. Die See spiegelglatt und durchsichtig. Das sieht oft anders aus: Bei Sturm peitscht der Sand durch die Luft, bei Springflut verschlingt das Meer den Strand, der Sandnachschub vom nahen Sylt bekommt.

Doch wer die Insel liebt, findet Rømø sowieso bei jedem Wetter schön. Vor allem hier, außerhalb der Saison. An der Stelle, wo die geschützte Zone beginnt. Ohne Autos, Kitebuggys und Drachen. Aber hier kennen sich vor allem die Brutvögel aus. Und für Interviews stehen sie zur Zeit nicht zur Verfügung.

Text und Fotos: Elke Weiler

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