Die Katze, eine Putzmaschine. Wie ferngesteuert schlabberte Mats den lieben langen Tag mit der Schmirgelzunge über sein Fell. Und zockelte als blankpolierter Schönling durch die Gegend. Jedes einzelne Haar saß.

Ich hingegen blieb locker und berief mich auf die eingebaute Selbstreinigungsfunktion meines üppigen Haarkleids. In der Fachsprache: Longhairselfclean. Der Dreck fiel irgendwann einfach ab.

Doch Madame sah das anders. Nach winterlichen Ausgängen inklusive Matsch oder Schlick bestand sie auf Nassreinigung, und zwar Fahrwerk- bis Unterbodenspülung. Reine Zeitverschwendung, wenn ihr mich fragt. Als ob man nicht auch so schon alle Pfoten voll zu tun hätte!

Zum Beispiel mit den Rennplüschen. Meine Produzenten fühlten sich neuerdings „inspiriert“ und ließen verlauten, ein Filmchen mit Katerchen zu machen. Hat die Welt je so etwas gehört?

Angeblich war es wahnsinnig komisch, wenn das Löffelgesicht mit meiner Leine spielte und daran zog, bevor ich mit Madame außer Haus ging. Als wollte Mats mit mir Gassi… Himmelschafundmeer! Er machte lediglich mein neues Geschmeide kaputt – ein kostbares Geschenk von Madame et Monsieur.

Allerhöchstens eine winzige Nebenrolle kam diesem „Witzbold“ zu. In MEINEM Film. Aber ich hatte eine logische Erklärung für das abwegige Ansinnen der Rennplüsche: Sie wollten Mister Kater ordentlich Honig um den Schnurrbart schmieren.

Immerhin war das Katertier als Kissen zu gebrauchen.

Hin und wieder fühlten sie sich wohl schräg angeguckt. Sie schienen Mats zu misstrauen. Folglich war das Rollenangebot als reine Selbstverteidigungsmaßnahme opportun.

Aber ich würde das Kind schon schaukeln. Nicht umsonst nannte man mich die Polizei, denn ich sorgte für Ordnung. Drinnen wie draußen. Unter meiner Ägide musste sich kein Schwein fürchten. Auch nicht vor Mighty Mats.

Natürlich konnte ich die Bedenken der Rennplüsche teilweise nachvollziehen. Erst letztens hatte ich trotz Mega-Pelz die scharfen Zähne der Wildkatze zu spüren bekommen. Dabei spielte ich immer Fairplay. Aber er…

Jedenfalls würde ich meine Produzenten unter Einsatz meines Lebens verteidigen. Wenn es sein musste. Aber eigentlich konnte ich mich nicht immer mit Kinderkram beschäftigen. Die Grönland-Reise mit Emil wollte geplant und umgesetzt werden. Das ganz große Ding.

Musste ich wieder alles allein machen? Mein Angebeteter hatte sich einfach verdünnisiert, war am Wochenende mal eben zu seiner Frau Mama nach Aachen gegondelt, den dänischen Herrn Papa gleich mit im Gepäck.

So kamen wir nie zu Potte! Apropos. Mir war zu Plüschohren gekommen, dass sein Rudel über eine schicke Nordseedschunke verfügte. Vielleicht konnten wir uns das Teil für Grönland ausborgen?

Wir würden dann direkt im Hafen des Everschopsiels starten, um Pellworm herumsegeln, dann Kurs auf Sylt nehmen und die dänische Küste entlang tuckern. Zwischenstopps in Norwegen und auf Island einlegen.

Julchen zeigt Emil, wie der Eisbär macht.

Über all das musste ich dringend mit Emil schnacken. Unser nächstes Rendezvous nahte, ungeduldig hielt ich Ausschau. Als er endlich eintrudelte, preschte ich los: schneller als der Wind!

Wir tobten ausgelassen über die Deichwiesen und vergaßen alles um uns herum. Unsere Zukunft. Grönland. Die Welt. Kaum merklich hatten uns die beiden Rüden Paddy und Terry umstellt. Doch wir ließen nicht voneinander ab: ein Hund und eine Seele.

Am Ende kam es, wie es kommen musste: Unsere Mäuler verketteten sich ineinander, und wir qualifizierten uns mit einem Dauerknutscher für das Guinessbuch der Rekorde.

Dass Emil sich danach für eine Woche abmeldete, war eine bodenlose Frechheit. Rudelurlaub nannte er es. Auf Rügen. Also auch noch an der Ostsee! Ihr erinnert euch? Dieses Plätscherwasser!

Ich selber fühlte mich ausgesprochen inselurlaubsreif. Wir trafen Schwiegermadame zufällig noch einmal im schönen Städtchen Tönning, wo sie auf der Jagd nach frischen Krabben war. Ich gab alles, knutschte sie wieder und wieder. Ein Leckerli sprang dabei raus, doch keine Einladung.

Vielleicht konnte ich Madame et Monsieur überreden… Mir war nach einem netten Flirt auf der Fähre nach Pellworm oder so. Wenigstens konnte ich mich mit der Vorfreude auf Buddy trösten. Mein Welpenfreund würde mich am Wochenende besuchen, und ich war wirklich gespannt, wie er sich verändert hatte.

Hej, Emil! Wie wär’s mit einer Flaschenpost aus Rügen? Steck‘ einfach einen Spülhandschuh hinein. So wie unseren vom Everschop. Ich weiß dann Bescheid.

Text: Julchen (nach Diktat einen formlosen Inselurlaubsantrag eingereicht)

Fotos: Elke Weiler

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Julchen

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

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