Wir sitzen in einem Café auf Stelzen und schauen aufs Meer, das in der Sonne funkelt und glitzert. Es ist einer dieser Momente, in denen ich an keinem anderen Ort der Welt sein möchte. In dem ich wieder weiß, warum ich hier wohne und nirgendwo anders. Warum es sich lohnt.

Denn die Farben sind nicht immer so prall wie an diesem Pfingstmontag. Es gibt die Nordseeküste auch komplett ohne Farbe in einem Winter, der verdammt lange dauert. Nun haben wir fast Ende Mai, und die Temperaturen strengen sich kein bisschen an: 13 Grad, und im nächsten Monat ist Mittsommer.

Was für ein Himmel!
Was für ein Himmel!

Doch die Wellen sind schmeichelhaft und flach, die Wolken wie gemalt und der Horizont über dem Meer unendlich. Jedes Mal, wenn ich versuche, das Meer zu fotografieren, kommt mir meine Kamera völlig unzulänglich vor. Kein Weitwinkel könnte weit genug sein. Kein Gerät das Konzert der Sinne aus Salzgeschmack, Meeresduft, Wellenrauschen und Windstreicheln wiedergeben.

Gerade heute schimmert das Meer so grün, dass ich hineinspringen möchte. Zwei Leute und ein Hund haben sich ins Wasser gewagt, das vermutlich wärmer als die Lufttemperatur ist. Die Zweibeiner geschützt im Neopren-Anzug, der Hund einfach so.

Windsurfing-Pause
Windsurfing-Pause

Was uns noch fehlt, sind nautische Qualitäten. Ein Bötchen, vielleicht ein ausgedienter Kutter, um noch mehr auf dem Meer zu sein, noch länger, noch intensiver. Der nächste Hafen liegt ums Eck, und ein Anlegeplatz wäre auch noch frei.

Vor einer Woche habe ich zum ersten Mal getestet, was es heißt, länger als zwei Tage mit einem Schiff unterwegs zu sein. Meine Premiere auf einem der schwimmenden Dörfer, ein Kreuzfahrtschiff mit Mittelmeerroute. Doch darüber später mehr, und über die neue Lust, zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter aufs Meer zu schauen.

Text und Fotos: Elke Weiler

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Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

      1. Hubert says:

        ein wunderbarer Artikel, und eine sehr schöne Antwort…
        Geht mir zu oft sehr ähnlich: Am Liebsten ganz nah am Meer sein, am Wasser, auf dem Wasser, im Wasser. Mittwochmorgen geht es für drei Tage an die Ostsee, Alsen ;-)
        Danke für Deine tollen Zeilen,
        Hubert

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