Glücklich in Norwegen

Als Liebhaberin der nordischen Länder schaue ich gerne bei Vanessa, beziehungsweise auf ihrem Blog „Snow in Tromsø“ vorbei. Sie lebt in Norwegen und schreibt mit Leidenschaft über den Norden. Ich möchte nun wissen, wie sich das alles so ergeben hat…

Liebe Vanessa, wie bist du eigentlich zum Bloggen gekommen?

Nach meinem Bachelor und bevor ich meinen Master in Norwegen begonnen habe, war ich ein Jahr in Nordeuropa unterwegs. Unter anderem habe ich zum Beispiel einige Wochen in einer kleinen Pension im nördlichsten Dorf Norwegens gearbeitet. Während meiner Reisen wollte ich Familie und Freunde auf dem Laufenden halten, und habe daher eine Facebook-Seite erstellt, auf der ich über alle großen und kleinen Abenteuer berichtet habe.
Kurze Zeit später habe ich dann einen Blog gegründet, der dann mit meinem Umzug nach Tromsø zu „Snow in Tromso“ umbenannt wurde. Ich dachte damals, der Name wäre passend um das Leben in Tromsø und meine Liebe zum hohen Norden wiederzuspiegeln, und auch wenn ich jetzt in Stavanger lebe, bleibt der Name bestehen. Thematisch hat sich durch meinen Umzug ja nichts verändert.

Und warum bist du nach Norwegen gezogen?

Mich hat Skandinavien schon als Kind gereizt. Dank der Astrid Lindgren Bücher und Serien, habe ich damals schon geträumt einmal selbst die Gegend zu besuchen, und als ich dann zum ersten Mal dort war, ist es auch direkt um mich geschehen!
Nach meinem Bachelor in Deutschland wollte ich eigentlich nach Schweden ziehen um dort den Master zu absolvieren, habe dann aber einen Masterstudiengang in der nordnorwegischen Stadt Tromsø entdeckt, der mir noch besser gefallen hat, und so kam eben eins zum anderen. Jetzt wohne ich schon seit vier Jahren im Land.

Wie hast du Norwegisch gelernt?

Aufgrund meiner ursprünglichen Pläne nach Schweden zu ziehen, habe ich an meiner Uni zunächst Schwedisch gelernt. Als ich dann den Studienplatz in Norwegen ergattert habe, habe ich damit fortgesetzt – kann man eine skandinavische Sprache, versteht man ja glücklicherweise die anderen beiden auch! Nachdem ich dann nach Norwegen gezogen bin und meinen norwegischen Freund kennengelernt habe, hat sich mein Schwedisch mehr oder weniger automatisch in Norwegisch verwandelt.
Wenn man tagtäglich von der Sprache umgeben ist und sich dazu bringt diese auch tatsächlich zu sprechen, geht das Norwegisch lernen eigentlich recht schnell – vor allem für Deutsche. Deutsch und Norwegisch sind schließlich miteinander verwandt und man sagt, dass Deutsche generell nur sechs Monate brauchen, um fließend Norwegisch zu lernen. Ob das nun stimmt oder nicht, kann ich nicht genau sagen, aber es ist definitiv einfacher, als es vielleicht zuerst den Eindruck macht!

Vanessa

Welche Sprache sprecht ihr zu Hause?

Grundsätzlich Norwegisch. Wir sprechen allerdings beide auch immer wieder mal Englisch, da sich manche Dinge im Englischen besser ausdrücken lassen. Das kann dann dazu führen, dass wir in ein und demselbem Satz Norwegisch und Englisch gebrauchen, was sich vielleicht komisch anhört aber generell in Norwegen relativ weit verbreitet ist.
Simon versucht auch hin und wieder, sein Deutsch zu verbessern, sodass wir an manchen Tagen drei Sprachen benutzen, ohne dass es uns selbst noch wirklich auffällt.

Hast du einen norwegischen Lieblingsbegriff?

Es gibt eine Redewendung im Norwegischen, die besagt: “Hvorfor sitte inne når alt håp er ute”. Übersetzt bedeutet das: “Warum drinnen (also Zuhause) sitzen, wenn sich die Hoffnung draußen befindet”. “Alt håp er ute” beschreibt eigentlich den Zustand, dass alles hoffnungslos ist – buchstäblich betrachtet besagt es aber, dass sich die Hoffnung draußen befindet. Deswegen wird die Redewendung gerne im Zusammenhang mit “friluftsliv” verwendet – dem “Freiluftsleben”, oder eben dem Hang der Norweger bei Wind und Wetter die Natur und Wildnis des Landes zu genießen. Persönlich finde ich, dass diese Redewendung die norwegische Kultur ziemlich gut wiederspiegelt!

Was gefällt dir besonders an Norwegen?

Ganz klar die Natur und Landschaften des Landes! Egal wohin man reist, man findet immer wunderschöne, einsame Plätze am Fjord, in den Bergen, oder am Meer. Das spiegelt sich auch im Leben in Norwegen wieder – unabhängig davon ob man in der Stadt oder auf dem Land wohnt, so sind der nächste Wanderweg und die nächste Grillhütte nie weit entfernt. Die Norweger lieben ihr Land und dessen Wildnis so sehr, dass es absolut normal ist (sofern der eigene Beruf das zulässt), Freitags früher Feierabend zu machen, um zur Familienhütte in den Bergen zu fahren, und dort das Wochenende zu verbringen. Ich glaube, das ist eines der Geheimnisse, warum Norweger so entspannt sind und das Leben in Norwegen generell weniger hektisch ist als in Deutschland.

Was weniger?

Das ruhigere Tempo des Landes führt leider bisweilen dazu, dass man bei bürokratischen Angelegenheiten sehr viel Geduld und Nerven braucht. Ob es sich dabei um einen Termin beim Spezialisten handelt, oder man ein Päckchen erwartet… und wartet, und wartet, und wartet… Manche Dinge dauern in Norwegen ein bisschen länger – da muss man sich erstmal dran gewöhnen!

Du bist also von Tromsø nach Stavanger gezogen. Welche Vorteile und Nachteile hat die jeweilige Stadt?

Einer der größten Vorteile an meinem Umzug nach Stavanger im letzten Jahr war ganz einfach, dass die Mietpreise in der Stadt nach der Ölkrise enorm gesunken sind, und es momentan (im Gegensatz zu Tromsø), keinen Wohnraummangel gibt. Das hat für meinen Freund und mich bedeutet, dass wir von einer dunklen Kellerwohnung in Tromsø in einen hellen Loft in Stavanger ziehen konnten und trotzdem weniger Miete zahlen als zuvor.
Ausserdem ist es natürlich viel einfacher (und vor allem günstiger) von Stavanger aus zu verreisen, als von Tromsø aus. Stavanger liegt relativ zentral in Skandinavien und ist dank dem Billigflieger Norwegian auch sehr gut an den Rest Europas angebunden. Wenn man in Tromsø lebt, muss man leider längere Reisezeiten und teurere Tickets in Kauf nehmen.
Das einzige, was ich wirklich an Tromsø vermisse, ist der Schnee im Winter, aber zum Glück ist es zu den schneebedeckten Bergen Westnorwegens auch von Stavanger aus nicht weit!

Gamle Stavanger © Vanessa Brune

Wie leicht oder schwer ist es, Kontakte zu knüpfen, wenn man in Norwegen lebt?

Generell würde ich sagen, dass Norwegischkenntnisse enorm weiterhelfen um norwegische Bekanntschaften zu machen. Natürlich sprechen Norweger im Allgemeinen sehr gut Englisch, aber das fällt wiederum auch nicht jedem leicht. Ich persönlich habe erfahren, dass manche Leute eher etwas zurückhaltend sind, wenn man Englisch spricht – dann aber aufgeschlossener sind, wenn man Norwegisch spricht. Das kommt allerdings auch darauf an, wo im Land man sich gerade befindet.
Das Wichtigste ist, dass man es mit der Sprache versucht und sich aktiv in die Gesellschaft einbringt, also zum Beispiel Mitglied eines Vereins wird, einem Buchklub beitritt, an einem Workshop teilnimmt etc. Dadurch kann man sehr viel leichter neue Leute kennenlernen, die dieselben Interessen haben.

Hast du eine Lieblingsstelle, einen Ort zum Krafttanken?

Am glücklichsten bin ich immer am Wasser! In Tromsø bin ich damals fast jedes Wochenende zum lokalen Sandstrand am Fjord gegangen, der glücklicherweise in meiner Nachbarschaft lag. Hier in Stavanger wohne ich in der Nähe eines Aussichtsturms, von dem aus ich den Fjord von oben und das Meer in der Ferne betrachten kann. Mehr als Meerblick brauche ich zum Krafttanken also nicht. ;-)

Bleibst du für immer in Norwegen?

Das ist eine unglaublich schwierige Frage. Ich habe keinen 10-Jahres-Plan für mein Leben – noch nicht einmal einen 5-Jahres-Plan. Was ich allerdings weiß, ist dass ich mich in Stavanger unglaublich wohl fühle und die Stadt mir alles bietet, was ich mir wünschen könnte. Natürlich gibt es auch noch viele andere Orte im Norden, die mich reizen würden, aber momentan bin ich sehr glücklich hier.
Zurück nach Deutschland zieht es mich nicht.

Welches ist dein Lieblingsplatz außerhalb von Norwegen?

Schwierig, sich für einen Platz zu entscheiden! Meine Lieblingsgroßstädte sind Kopenhagen und Dublin, aber auch Hamburg mag ich sehr. Mein Lieblingsland allerdings ist Grönland. Ich habe meine Masterarbeit über die Kultur der Inuit geschrieben und mich während der Recherche in Nuuk natürlich Hals über Kopf ins Land verliebt!

Das mit Grönland kann ich verstehen, obwohl ich noch nie dort gewesen bin. Es muss einer der schönsten Orte dieser Erde sein.

Bei Vanessa könnt ihr mehr über ihr Leben in Norwegen erfahren.

Ganz lieben Dank für das Interview und toitoitoi für die Zukunft! Vielleicht sieht man sich mal – in Grönland, Norwegen oder Kopenhagen!

Noch mehr aus der Reihe „Woanders leben“ findet ihr im Beitrag über das finnische Lappland, wo die Bloggerkollegin Michaela von „Mahtava“ in Teilzeit wohnt.

Fotos: Vanessa Brune

  1. Vielen lieben Dank nochmal, dass ich hier dabei sein durfte :) Zu einem Treffen in Grönland, Norwegen oder Kopenhagen würd ich nicht Nein sagen! ;)

    • Prima, ich melde mich! Oder sag du Bescheid, falls du mal hier in die Nähe kommst, ich würde mich freuen! :-) Danke dir und liebe Grüße nach Stavanger!

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