Wieder unterwegs! Eigentlich sollte ich nach Düsseldorf. Dementsprechend hatte ich mir bereits den coolen Sound einer rheinischen Reggaetruppe reingezogen.

Aber ich lernte schnell: Als Kolumnist für eine Reiseseite musst du flexibel sein. Und gegen Amrum war rein gar nichts einzuwenden, auch wenn ich hier noch keinen Reggaesound ausgemacht hatte.

Natürlich war mir klar, dass ich im Hoheitsgebiet meiner Nasenzwicker-Kollegin unterwegs war. Denn die erste Kolumnistin von Meerblog, Julchen, war eigentlich für Nordfriesland zuständig.

Doch scheinbar hatte ich einen Bonus in Sachen Insel-Kompetenz! Nach meiner schnittigen Samsø-Story. Was auch immer, stay cool, man. Hauptsache, ich kam vor die Tür.

Doch ich ahnte ja nicht, wieviel Wind auf mich zukam. Es schmiss mir doch glatt die Rastazöpfe um die Ohren! Amrum hatte schon viele Beinamen, doch für mich war die Insel erstmal nur eins: eine taffe Windbraut.

Kann Luis sich bei dem Wind auf dem Fahrrad halten?

Wieder spürte ich die Gefahren meines neuen Jobs auf mich zurasen – mit stürmischem Uptempo! Bei den Shootings am ersten Tag fiel mir das Grinsen fast aus dem Gesicht: Drohte ich doch vom Fahrrad zu purzeln, hombre!

Es kam noch krasser, das ganze Fahrrad kippte um, und die Dinge, mit denen ich mein mobiles Home teilte, jene rosarote Tasche, breiteten sich auf einem Wirtschaftsweg entlang der Wattseite der Insel aus.

Trotz allem kam die Chefin auf die Idee, mich auf dem rutschigen Rand einer regenwassergefüllten Badewanne posen zu lassen, oh no… Wusste sie, dass ich nicht schwimmen konnte? Vermutlich würden die Gäule, die diese Wanne als Tränke nutzten, mich bei der nächsten Gelegenheit herausfischen.

Und ob man mit diesen Ein-PS-Typen verhandeln oder ein Friedens-Bierchen trinken konnte – wie mit Nasenzwickern auf dänischen Gewässern? Um ehrlich zu sein, wollte ich das gar nicht erst checken müssen. Also hielt ich mich krampfhaft zwischen zwei Wannen fest und … gewann!

Sympathische Typen auf Amrum!

Im Dorf Nebel erwartete ich schlechte Sicht, lernte dann aber einen sympathischen Kerl kennen, der genauso kräftig wie statisch war. Musste man wohl sein, um bei Windstärke 9 zu überleben.

Finalmente… wir nahmen Kurs auf das Meer! Dutzende kunterbunter Strandkörbe standen in Reih und Glied, scheinbar arbeitslos… Doch wo war der Strand? Erst als ich wieder Sand unter den Klauen hatte, fühlte ich mich in meinem Element. Endlich wieder gepflegt abhängen.

Mich in den Dünen wälzen, vom Gras kitzeln lassen, den Bauch der Sonne entgegen strecken. Doch sie verschwand. Fette Wolken zogen drohend über uns auf – uns blieb nur die Flucht! Und nichts anderes übrig, als in einer Piratenkneipe unterzutauchen, um dem harten Eisregen zu entkommen.

Strandkörbe im Test bei Windstärke 7

Nun, die Kneipe war weder verräuchert, noch stank sie nach Schnaps. Und es lief auch keiner mit Augenklappe herum. Nicht, dass ich auf einer schönen, ordentlichen Insel wie Amrum Nachfahren der ehemaligen Strandräuber erwartet hatte, die noch im Job waren!

Ich war nicht blauäugig, Leute. Doch mir kam zu Ohren, dass es die Amrumer immer noch zum Stöbern an den Strand zog. Zwar leiteten sie keine Schiffe mehr in die Irre. Doch sie sammelten Treibgut und mutierten zu Künstler-Freaks.

Wir gingen dem auf die Spur und sahen uns am nächsten Tag an der Nordspitze des Eilands um. Die Sonne ließ sich immer noch nicht blicken, doch der Wind pustete nicht mehr so stark und hatte zudem die Seite gewechselt.

Es ging um einen Stunt auf bemoosten Holzpfählen, die von tosendem Wasser umbraust wurden. Doch ich hatte keine Wahl: Get up, stand up… then you see the light!

Und um Luis herum die tosende See!

Ein Sonnenstrahl hatte mich geküsst, und ich küsste zurück, umarmte das Meer, die Dünen, warf mich in den Sand. Amrum war ein Ort um zu bleiben, yeah man.

In diesem Sinne: rüm hart, klaar kiming – wie der Friese nach alter Seemannsmanier zu sagen pflegt. Weites Herz, klarer Horizont. Macht Hoffnung, oder? All you need is sun!

Amigas y amigos, bis zur nächsten Reise!

Herzlichst, euer

Luis Maria Fernando da Silva Santos

Fotos: Elke Weiler

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CategoriesInseln Nordsee
Luis Maria Fernando da Silva Santos

Das Rastaschaf gilt als sprachbegabter Lebenskünstler, der schon viel herumgekommen ist. Luis passt in jede Tasche und schmuggelt sich ohne Papiere durch Kontrollen. Manchmal begleitet er die Chefin auf Reisen und arbeitet als Beachblogger. Natürlich liebt er Reggae – insbesondere den von Bob. Zur Zeit ist er im Sabbatical, mal schauen wie lang noch...

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