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Das Leben, ein Fest

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Lunden war ein Dorf im Dithmarschen. Wir kannten es, weil es einen Bahnhof hatte, den vor allem Monsieur häufiger benutzte. Julchen fand Lunden nicht sehr aufregend, doch mir war jede Ecke und jeder Winkel dieser Welt recht.

Selbst in Lunden lagen die Sensationen quasi auf der Straße. Immer schön die Nase auf dem Boden und … schwupp! Es konnte einen schier umhauen. Einen Tag vor meinem Geburtstag stand ein mutmaßlicher Schüler des größten Boxers aller Zeiten vor mir.

Die Katze Muhammad Ali. An einem Hauseingang wartend sah sie mir direkt in die Augen. Nichtsahnend grüßte ich, in bester Gesprächslaune so kurz vor meinem Partytag. Aufgeregt erzählte ich dem stierenden Löffelgesicht, dass es mich ein bisschen an meinen besten Freund Mats erinnerte.

Doch irgendwas in meiner Stimme schien Muhammad Ali fehlzuinterpretieren. Mit einem Mal stürmte er auf mich zu und schlug mit einem gekonnten Boxhieb gegen eine Latte des Zauns, der uns voneinander trennte.

Training bei Muhammad Ali: volle Körperbeherrschung.

Die Latte sprang mir entgegen! Mit einer solchen Wucht, dass mir die Spucke wegblieb. Aus Ehrfurcht ging ich drei Schritte zurück. Noch im Weitergehen schaute ich mich immer wieder nach Ali um.

Konnte man ihn nicht engagieren? Dann hätte ich weniger Stress mit den Postlutschern. Als sich allerdings exzellent duftende Postpakete vor meiner Nase türmten, vergaß ich allen Groll gegenüber Eindringlingen auf dem Grundstück.

Das Leben war ein Fest, jeder Tag war Geburtstag, und ich der Partyhase schlechthin! Als das erste Paket von Candy-Maus aus Bayern kam, unkte Madame, dass ich wohl der begehrteste Junggeselle Nordfrieslands wäre.

Candy war eigentlich meine kleine Nichte, aber sie entwickelte sich rasch. Jetzt schon hatte sie große Ambitionen bei einem Modelwettbewerb. Die Süße schickte mir ein saftiges Steak zum Geburtstag, das quietschen konnte.

Geschenke von Candy und Fuzzi auspacken!

Fuzzi hingegen, auch bekannt als Schwester Missy meines Julchens, galt als schräger Vogel, der sich gerne mal als Frosch verkleidete oder irgendwie einfärbte. Also schenkte sie mir einen knallbunten Geier, der die schrägsten Töne von sich gab.

Das Beste aber waren die ganzen Hufis! Tausend Dank, ihr Lieben!!! Die Party konnte beginnen. Julchen erzählte mir, dass man sich an Geburtstagen in Hummelkreisen gerne verrückte Dinge auf den Kopf setzte und eine Facebook-Party schmiss.

Aber ich wollte mich erst mal durch meine Hufis und Leckerlis fressen und dann weiterschauen. Die Ferienlutschersaison hatte begonnen, und schon in der letzten Woche hatten zwei sympathische Exemplare vom Niederrhein bei uns vorbeigeschaut – die Taschen voller Knochen und Würstchen.

Julchen konnte es kaum erwarten und steckte ihre Nougatnase zur näheren Untersuchung in den Rucksack der beiden. Ich war ein bisschen schüchterner und sprang sie nur an, um den Süßen meine Aufwartung zu zeigen. Leider zogen sie schon relativ früh wieder ab.

Siesta unter der Sonne Nordfrieslands.

Aktuell beehrte uns eine aufmerksame Austrialutscherin mit großer Begeisterungsfähigkeit. Leider mussten Julchen und ich auf eines unserer Daybeds verzichten, aber Madame mahnte uns, etwas gastfreundlicher zu sein.

Sofort stellte ich meine Siesta hintenan und gab Tante Elena ein paar Bussis. Wir erfuhren, dass sie eine Bloggerkollegin aus den Weinbergen war und das Meer ziemlich toll fand. So wollten wir alle zusammen den Beach rocken und mit Kaffee, Kuchen, Eis und Sahne auf den Putz hauen. Vor allem mit Sahne.

Zu Zeiten der Occupy-Bewegung waren die besetzten Deiche für uns tabu, und wie hielten uns viel in der Marsch auf. Wir entdeckten die Möglichkeiten auf den Wiesen und in den Wassergräben neu. Julchen versuchte ihre ambivalente Beziehung zu den Bisamtieren auszubauen, doch im Wasser verwischten sich ihre Spuren.

Meine Lebenspartnerin versuchte, den Biberchen durch professionelle Buddelarbeiten auf die Schliche zu kommen. Aber Madame machte ihr einen Strich durch die Rechnung, weil sie Löcher auf der Fenne nicht duldete.

Ein Geburtstagstango muss sein!

Monsieur schleppte ein lärmendes Fahrzeug namens Rasenmäher an und setzte Zeichen. Ähnlich der Nasca-Linien in der Atacama-Wüste – ich hatte mich im Flimmerkasten darüber informiert – entwickelte er eine ganz eigene Kreativität auf der Wiese.

Wir rannten über seine Linien, durchbrachen sie und sprangen über Meere gelber Löwenzahnblümchen. Julchens hochentwickelte Shiatsu-Technik funktionierte nicht nur am Strand, und ich entspannte total.

Doch dann kamen die Kühe näher, und wir boten ihnen ein Spektakel erster Sahne. Sollte es nicht umgekehrt sein, an meinem Geburtstag? Egal, ich liebte Kühe und wollte zu ihnen schwimmen.

Wassergräben waren multifunktional nutzbar.

Schon halb im Wasser bemerkte ich Madames Abwesenheit und kriegte kalte Pfoten. Ich schickte meinen Rindviechern einen letzten Gruß und kehrte um. Natürlich konnte ich auch warten, bis die nächste Trockenzeit den Wasserspiegel gesenkt hatte, und durch den Matsch waten. Apropos…

Liebe Candy, liebe Fuzzi und alle meine schnuckeligen Verwandten und Freunde und Bekannten: Wenn es euch mal in meine Gegend verschlägt, seid ihr herzlich zu famosen Schlamm- oder Schlickbädern eingeladen! Außerdem verhandel‘ ich gerade mit Julchen wegen free Shiatsu für euch.

Ganz liebe Geburtstagsknutschis, euer Janni!

Text: Janni (nach Diktat fein gemacht für die Sahneschlacht)

Fotos: Elke Weiler

10 Gedanken zu „Das Leben, ein Fest“

  1. Super, Elke Janni & Julchen !!

    Freu mich so, hier bei Euch zu sein und mitfeiern zu dürfen :) Auf das Meer bin ich gespannt: Vor allem mit Euch Süßen Janni & Julchen, und hoffe dass Ihr Euch nicht im Schlamm äh Watt wälzt um mich dann „freudig zu begrüßen“ … na wir werden sehen ;)

    Schöne Grüße von den (Wein)Bergen der Österreicher ! :D

  2. Lieber Janni. Geburtstag ? Du hast Geburtstag ! Dann alles gute ! Bleib so wie du bist. Wieder mal ein toller Bericht, da möcht ich doch gern auch mal Hundi sein!

  3. Hallo Janni,

    Spaziergänge im Wassergraben sind ab sofort untersagt. Sonst gibt es Sofa Verbot!

    Grüße

    Dein Monsieur

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