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Wasserbäuerin

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Im Dithmarschen hatte ich eine neue Freundin: Kira, eine dreijährige britische Hütehündin.

Kein bisschen wasserscheu, die Gute. Sie bewegte sich geschmeidig wie eine Robbe in den auflaufenden Fluten am Wesselburenerkoog und wollte gar nicht mehr raus aus dem Wasser.

Ausnahmsweise, und weil Madame flugs ihre Hosenbeine hochkrempelte und auf Kneipp machte, sprang auch ich hinterher. Zunächst tapste ich vorsichtig voran, man wusste ja nie, was einen unter Wasser erwartete. Zwickende Krebse? Gigantische Tintenfische oder freche Wale? Ein Restrisiko blieb.

Schließlich mir blieb nichts anderes übrig, als zwischen Monsieur auf dem Trockenen und der abenteuerlustigen Madame im Meer hin und her zu pendeln. Das Hütehunddasein nahm sich bisweilen beschwerlich aus.

Aber ich stand dazu. Bestimmt dachte Kira genauso, doch ihr Rudel war komplett im Wasser, und so hatte sie keinen Stress. Wie eine Wilde sprang sie hin und her, fischte Stöckchen aus der Nordsee und vertrieb all meine Bedenken.

Es tat so gut, ältere Freunde zu haben, die einem von ihrer Erfahrung vermittelten. Später tobten wir wie die Irren über die Marschwiesen und waren ruckzuck wieder trocken. In den Ruhepausen teilten wir unsere Leckerlis. Oder hörten einfach dem Gras beim Wachsen zu.

Julchen und Kira am Wesselburenerkoog

Kira legte ihren Kopf auf meine Pfote, als würden wir uns schon seit Ewigkeiten kennen. Meine Dithmarscher Freundin war eine Wucht! Ich vergaß all meine Probleme mit dem männlichen Teil des Hundiversums und genoss den Augenblick.

Immer noch auf Jobsuche inspirierte mich Monsieur während der Rückfahrt. Ihm fiel nämlich auf, dass ich unvermittelt und heftig reagierte. Immer wieder.

Lauthals versuchte ich zu ordnen, was einfach auftauchte oder aus der Reihe tanzte: Pferde, Schafe, Motorräder – hierbei vor allem die großen Tiefbrummer oder die lauten Straßenjäger. Autos, die uns die Vorfahrt nahmen, Kühe auf der Fahrbahn… Ich war vielseitig einsetzbar und hatte diverse Tonlagen drauf.

Warum also nicht als mobiler Hütehund arbeiten? Wir würden eine entsprechende Werbung auf dem Auto platzieren, ich benötigte bloß noch einen Chauffeur, und los ging‘s. Unnütz in der Landschaft herumliegende Strohballen? Chachaputi, die smarte Allzweckwaffe, kläfft, äh, klärt die Sache auf.

Schließlich spielte ich sogar mit dem Gedanken, bei der berittenen Polizei anzufangen. Dort benötigte man schließlich immer gute Ordnungshüter, die sich mit Pferden auskannten und zur Not durchsetzen konnten.

Doch Kira brachte mich auf eine ganz andere Idee: Wasserbauer! Vielleicht hatte sie Recht: Man war immer an der frischen Luft. Schon jetzt liebte ich es, die Lahnungen zu checken, die dafür sorgten, dass das Meer seine sandigen Geschenke daließ.

Julchen checkt die Lahnung auf Nordstrand

So wuchs das Land, und ein paar ausgediente Zweige fielen für einen selbst ab. Der kleine Kauspaß für zwischendurch. Am Rande Nordstrands übte ich schon mal, wie mich später als Wasserbäuerin verdingen konnte. Denn ich hatte meine körperlichen Möglichkeiten neu entdeckt und nahm Hindernisse mit Links.

Schwupp war ich auf der anderen Seite des Reisigzauns und tapste über den flachen Meeresspiegel. Die Sonne brachte das Wasser zum Leuchten, und mit einem Mal wusste ich, dass ich an keinem anderen Ort der Welt sein wollte.

Ob man als Wasserbäuerin auch bei Regen und Sturm vor die Tür musste? Und das alles Entscheidende: Würden Riesentintenfische und Wale meine Arbeit respektieren?

Text: Julchen: (nach Diktat gemütlich auf der Couch ausgebreitet)

Fotos: Elke Weiler

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