Kopenhagen, so blau

Auf manchen Reisen erlebt man eine Nettigkeit und Weltoffenheit, das grenzt schon an Wunder. Everything‘s gonna be alright… Erst mal genoss ich meinen Aufenthalt als blinder Passagier auf der Fähre von Rostock nach Gedster. Zur Feier des Tages brach die Sonne durch die Wolken. Mein prekärer Status – no problem für ein offizielles Shooting auf dem Schiff. Selbst gefährliche Stunts meisterte ich mit Leichtigkeit.

Wir hüpften an Land, verliefen uns kurz. Aber ein Bus sammelte uns generös auf, und schon wenig später lag uns die große Stadt zu Füßen. Die kommenden Tage – ein Genuss. Ich gondelte quer durch Kopenhagen, beziehungsweise wurde gegondelt. Bequem im Cabrio-Fahrradkorb, während die Kollegen strampelten like crazy.

Der Himmel über mir so blau, wieder ein Wunder. Dann für unsere Touren quer durch die dänische Boomtown suchten wir uns immer die exakt richtigen Momente aus. Was bei wechselhaftem Wetter und kräftigen Regenschauern gar nicht so einfach war.

Unser exzellenter Cycling Guide war vermutlich im Nebenjob so was wie die rechte Hand des örtlichen Wetterfroschs. Da konnte die Chefin getrost den sehr professionell wirkenden Regenmantel einpacken. Für den Rest der Zeit zwischen Sonne und Wolken, Frühjahr und Sommer schien sie mir leider schlecht gerüstet.

Luis gondelt im Cabrio-Korb durch Kopenhagen

Ich trug sowieso nichts als meinen Plüsch und das gute alte Rainbowbeanie über den Rastazöpfen. Im Korb der ausgesprochen netten Kollegin D. aus L. gelandet zu sein, erwies sich als Lotteriehauptgewinn. Sie fuhr wie ein weiblicher Schumacher auf zwei Rädern: mit einer nahezu traumwandlerischen Sicherheit.

Aber durfte ich die mitfahrenden People überhaupt als Kollegen bezeichnen? Schließlich waren sie ausgebildete Journalisten und Miss Dänemarkreisen eine versierte PR-Lady. Aber alles in allem bildeten wir die schreibende Zunft – auch Blogger gehörten nun dazu. Also „skål“, liebe Kollegen!

Und so kutschierte D. aus L. mich über Stock und Stein, ohne dass meine grauen Zellen ersichtlichen Schaden davon trugen. Als sich Miss Dänemarkreisen dann auch noch halb entblätterte und ihre Jacke unter meinen Allerwertesten schob, ruhte ich softer als ein Lamm im Mutterleib.

Natürlich machten wir den ein oder anderen Halt – allein aus Gründen des Sightseeings. So zum Beispiel in Gamle Carlsberg, dem alten Gelände dieser ziemlich bekannten Brauerei. Groß wie eine Stadt in der Stadt. Wir waren im angesagten Stadtteil Vesterbrø gelandet. ¡Ay, madre mía, was musste der Clan eine Kohle gescheffelt haben! Leider gehörte eine Verkostung nicht ins Programm, so musste ich intensivere Recherchen auf den Abend verschieben.

Luis recherchiert knallhart in punkto dänisches Bierwesen.

Die Stadt war voller Leben, flüssig schob sich der Verkehr auf den breiten Fahrradwegen und modernsten -autobahnen durch die Boomtown. Da… Elefanten! Ein Zeit- und Ortssprung nach Afrika? Nein, wir waren mitten in Kopenhagen, wo die feschen Dickhäuter eine Art Designer-Palast bewohnten – erbaut von den angesagtesten Architekten.

Manche liefen aus ihren Luxus-Gemächern nach draußen, so dass man wenigstens einen Blick auf diese Wunderwerke der Natur erhaschen konnte. Das intensive Grün um uns herum nannte sich Frederiksberg Park, und meine Kollegen schoben sich aufmerksam am Elefantenpool entlang.

Natürlich versuchte ich näher ran zu kommen, doch die Chefin pfiff mich zurück. Es ging weiter, wir hatten ein mordsmäßiges Programm vor uns. Wie herrlich waren die Abende, egal ob italienisch oder dänisch! Duftende Teller auf den Tischen; es waren sogar weitere Vegetarier in der Gruppe. Gleichgesinnte.

Anregende Gespräche, guter Wein, süffiges Bier. Allein während der tagsüber hochbeliebten Kaffeestops staunte ich über das nicht abebbende Interesse an meiner Wenigkeit, die fast mütter- bis väterliche Betreuung seitens der Kollegen. Doch dann, liebe Leute…

Kussattacke! Die Frauenwelt liegt Luis zu Füßen.

Der absolute Höhepunkt meines Kopenhagen-Trips: eine Bootstour über die Kanäle der fascinating city. Betörender Singsang im Hintergrund, winkende Passanten, sweet kiddies, irre Bauwerke, sogar Kanonen. Aber das Beste war: Ich saß zwischen Miss Dänemarkreisen und meiner Lieblingskollegin E. aus L.! Während die Brünette mich quasi fortwährend knutschte, zog die Blonde neckisch an meinen Zöpfen.

Jah Jah, wenn es dich gibt: Danke dir! Und danke, liebe Chefin, dass du mich eingestellt hast und auf diese wundervollen Trips mitnimmst. Danke an alle, die mir mit Liebe und Loyalität begegnen! Danke an meine wunderbaren Fans, die meinen Posts mit dieser irren Aufmerksamkeit folgen! Last but not least: Danke, Kopenhagen, es war wundervoll! Und bleibt alle so, wie ihr seid!

Klingt wie bei der Oscar-Verleihung, yeah, musste jetzt aber mal sein.

Wir hören uns nach meiner Vilnius-Reise wieder, meine Lieben…

So long, ha‘ det godt!

Euer

Luis Maria Fernando da Silva Santos

Fotos: Elke Weiler

Danke an die Reederei Scandlines und die Danish Cyclists Federation für die Unterstützung dieser Reise.

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Luis Maria Fernando da Silva Santos
Das Rastaschaf gilt als sprachbegabter Lebenskünstler, der schon viel herumgekommen ist. Luis passt in jede Tasche und schmuggelt sich ohne Papiere durch Kontrollen. Manchmal begleitet er die Chefin auf Reisen und arbeitet als Beachblogger. Natürlich liebt er Reggae – insbesondere den von Bob. Zur Zeit ist er im Sabbatical, mal schauen wie lang noch...

4 Kommentare

  1. […] hatte ich ja das unglaubliche Glück gehabt, noch vor ein paar Monaten eine Wahnsinns-Tour nach Kopenhagen mitzumachen und die Meerjungfer live zu erleben. Dagegen wirkt der Jüngling schon ein bisschen […]

  2. […] werde ich euch über meine lässigen Fahrradtage in Kopenhagen berichten. Dort gibt es übrigens größere Elefanten als in […]

  3. […] der Chefinnen-Rikscha weiter, ich hatte ja schon jede Menge Übung als Beifahrer im Fahrradkorb. Vor allem in Kopenhagen! Aber das ist eine andere Story. Jedenfalls war ich die Schaukelei […]

  4. […] Zweifel. Langsam konnten sie mich am Øresund einbürgern, ich hatte hier einiges erlebt, war schon Fahrrad und Boot […]

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