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Der Geschmack von Meer

Nicht jeder Kutter fischt nach Krabben. Im Hörnumer Tief etwa, einer Wattrinnne an Sylts südlicher Spitze, gehen die Muschelfischer auf Fang. Und ich freue mich, etwas ebenso Regionales wie Frisches auf den Tisch zu bekommen, als ich das Restaurant „Salon 1900“ in Keitum betrete.

Ich habe das Lokal in der Süderstraße durch Zufall entdeckt – dabei zählt es zu den gastronomischen Institutionen der Insel – man ist schon seit 35 Jahren für die Gäste da.

Muscheln im Salon 1900

Der Name „Salon 1900“ verspricht nicht zuviel, was den Hang zur Nostalgie betrifft. Ich schreite durch holzvertäfelte Durchgänge in Omas gute Stube. An den Wänden prangen üppige, güldene Rahmen um Bilder mit gedeckter Farbgebung.

Hier ein Grammophon in der Deko, dort eine Geige. Als Einrichtungsclou posieren wohl die Nähmaschinengestelle unter den Tischplatten. Gusseiserne Originale, wo man hinschaut. An der Decke hängen Majolikalampen und korrespondieren mit den schwungvollen Formen rundherum.

Doch zum Betrachten bleibt nicht viel Zeit: Der Service ist auf Zack und tischt schon bald nach der Bestellung einen Gruß aus der Küche auf. Mit von der Partie: Griebenschmalz und frischgebackenes Brot. Beim Studieren der Weinkarte fällt die schier unendliche Auswahl auf, doch wenig davon im Glas. Die Speisekarte wirkt ausgewählt regional mit mediterranen Ausflügen.

Salon 1900 in Keitum

Deswegen bin ich hier und entscheide mich für die Keitumer Fischsuppe im Safransud mit Knoblauchbrot. Und im Hauptgang eben jene Miesmuscheln aus dem Hörnumer Tief. In Weißwein. Vor meinem geistigen Auge tauchen kernige Fischer in Anglerhosen auf, die prall gefüllte Miesmuschelbänke abernten.

Muschel für Muschel würdige ich ihre Arbeit, intensiv entfaltet sich das Aroma des Meeres. Vielleicht mehr als bei jeglichen Miesmuscheln, die ich in meinem Leben bislang konsumiert habe. Die freundliche Kellnerin will mir gerne Nachschlag bringen, allein ich schaffe es nicht. Auch Süßes kann nicht mehr nachfolgen, im Normalfall ein gelungener Abschluss.

Ich fahre mit dem Rad durch das nächtliche Keitum, während mir schummerige Straßenlaternen und der Vollmond den Weg weisen. In der Nähe des altfriesischen Hauses halte ich an, um einen Blick aufs Watt zu werfen. Und auf den Mond, der seinen Widerschein in die Nordsee wirft. Innen wie außen fühle ich mich verschmolzen mit meiner Umgebung. Denn sowohl Fischsuppe als auch Muscheln haben einfach nach Sylt, Meer und Watt geduftet wie geschmeckt.

Watt in Keitum

Text und Fotos: Elke Weiler

CategoriesSylt
Elke

Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee und schreibt an den nächsten Büchern.

  1. Sarah says:

    MMMhh.. das klingt und siehr sehr lecker aus. Ich liebe solche kleinen, idyllischen Restaurants, wo nicht so viel los ist und man in aller Ruhe die Köstlichkeiten genießen kann. Schade, das der Nachtischt nicht mehr reingepasst hat, ich hätte gern gewußt, was es da so leckeres gibt.

  2. Wolfgang says:

    Wir waren auch schon öfter im Salon 1900 in Keitum. Was uns immer so gut gefallen hat war, dass dort auch Kinder und Hunde sehr willkommen sind. Die Kids bekommen Malsachen und kleine Spielzeuge und die Hunde Näpfe mit ein paar Leckeris und Wasser.

    1. Elke says:

      Das klingt gut! Wir müssen es auch unbedingt mal in größerer Konstellation probieren. Wobei man mit zwei Hunden doch immer ein bisschen mehr Platz braucht… ;-)

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