Go Emilia, go!

Das Ziel ist immer der Weg, manche begreifen es nie. Einige werden im Laufe ihres Lebens zu Entdeckernaturen, manche sind es von Geburt an. Wie ich. Aus diesem Grund hatte Madame mich im zarten Welpenalter als Kolumnistin bei Meerblog eingestellt. Das Erkunden neuer Wege liegt mir in den Genen.

Warum nur beschwerte sich Monsieur, wenn ich mal woanders entlang laufen wollte? Mal hier, mal dort. Mal auf die Wiese, ins Maisfeld, auf den Acker, ins Gebüsch. So ging Gassi! Aber die Lutscher latschten meist stur geradeaus, mit hängendem Kopf auf ebenso eingetretenen wie langweiligen Pfaden, statt aufrecht zu gehen und mit hellwachen Sinnen die Wunder der Natur zu entdecken. Eine Hasenspur etwa.

Einfallslosigkeit machte sich breit, anstatt nach links und rechts, oben oder unten zu schauen und sich mal um die eigene Achse zu drehen. Die Perspektive zu wechseln! Für mich essentiell im Leben. Madame kapierte es immer öfter, nicht zuletzt dank meines vorbildhaften Verhaltens. Jedenfalls war ich komplett aus dem Häuschen, als sie mir ankündigte: „Juli, wir beide fahren mit Emilia nach Skandinavien!“ Nur wir beide!

Zu allem bereit!
Zu allem bereit!

Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, schlug ich ein, sprang hoch und schmatzte ihr ein dickes Bussi auf die Stupsnase. Ich signalisierte so den norddeutschen Ausdruck: „Kann losgehen!“ Am liebsten sofort. Am Tag der Abfahrt packte Madame wie ein Weltmeister, bis Emilia aus allen Nähten platzte. Dabei hatten wir doch eine Verabredung und keine Zeit zu verlieren.

Die dänische Wunderinsel

Unsere zünftige Abschiedsparty sollte an dem Ort steigen, der für familiäre Feierlichkeiten berüchtigt war: Rømø. Die dänische Wunderinsel. Strand, Strand und noch mal Strand, ein paar Hütten, Cafés und Buden. Plus Hundewälder! Für deren Erfindung konnte man den Dänenlutschern nie genug danken.

So trafen wir meine Freundin Wilma und ihr Rudel in einem der lässigsten Hundewälder von ganz Dänemark. Seine wohlduftenden Nadelbäume spendeten genug Schatten an jenem heißen Sommertag, der Boden war sandig und von interessanten Höhleneingängen durchsetzt. Zwar passte Wilma besser hinein als ich, doch ich arbeitete wie eine Verrückte an der Erweiterung.

Im Hundewald
Passt!

Und dann Paff! Aus die Maus, Ende Gelände. In der Lutschersprache gab es kuriose Ausdrücke für den Moment, in dem die Idylle in tausend Scherben zerbrach. Als wir gerade die Location wechseln wollten, um den Beach zu rocken, fuhr eine Armada an Höllenmaschinen auf. Ich flippte aus. Was für ein unsäglicher Krach auf meiner dänischen Lieblingsinsel! Um die Ohren der Vermummten zu erreichen, versuchte ich lauter zu sein als die Hölle.

Sämtliche Picknicklutscher und zwei grasende Pferde schauten uns leicht überrascht an. Ja, hatten sie denn Schmalz in den Ohren? Waren sie taub für diesen ratternden Krach? Der Dicke stimmte natürlich in mein Beschwerdefeuer ein, doch Monsieur verfrachtete uns kurzerhand in die Blechhöhlen – not amused. Himmelschafundmeer! Durfte man noch nicht einmal friedlich gegen Lärmbelästigung demonstrieren? Europa war ein freies Land!

Freies Land für freie Hunde
Janni will Frieden.

Wir fuhren an den Beach und schlossen wieder Frieden mit Monsieur und der Welt. Janni war ja grundsätzlich der Meinung, dass Wurst die Gemüter beruhigte. Nicht ganz verkehrt, doch ein wirklich guter Strand hatte eine wesentlich tiefgehendere Wirkung. Ich grub erst einmal alles um, es gab kaum einen effektiveren Weg zu entspannen.

Emilia will abtauchen

Und schließlich durfte man das Sozialleben nie vernachlässigen: Wir trafen nette Ferienlutscher, ihre Titis und ein paar Kollegen. Einer von ihnen kämpfte verzweifelt mit einer Melone, die am Meeressaum lag, schon halb vom Sand umschlossen. Ich flüsterte ihm ein paar Buddeltipps zu, doch er war der Faszination der Melone erlegen und daher beratungsresistent.

Julchens Freundin Wilma
Wilma will Wurst.

Zwar hätten wir noch ewig dort bleiben können, doch irgendwann musste der Roadtrip ja starten! Wir hatten auch ein wenig Appetit, und bei kleinen Schweinereien sagst du als Vierbeiner grundsätzlich nicht Nein. So empfahl ich die Pommesbude am Strandeingang. Geeignete Locations entgingen meiner Nase nicht. Nie!

Doch was war das? Emilia wollte nicht weg? Kaum dass wir starten wollten, machte sie schlapp? Sie hatte sich tatsächlich eingebuddelt. Ich war unschuldig, großes Beardie-Ehrenwort! Mit alle Mann zogen wir sie aus den Untiefen des unendlichen Strands.

Als Emilia fast verschütt ging.
Und Emilia will bleiben.

Beziehungsweise, die Jungslutscher schoben, Madame saß im Cockpit und steuerte, während ich alle Beteiligten mit kräftigen Anfeuerungsrufen unterstützte. Eine meiner Spezialitäten. Und so hatten wir die Ente mit vereinten Kräften ruckzuck wieder in sichere Gewässer befördert.

Die Wurst war verdient. Wir stärkten uns bei dem lustigen Pommeslutscher aus Kiel, knutschten alle zum Abschied und tuckerten langsam in Richtung Norwegen. Auf ins bislang größte Abenteuer meines Lebens!

P.S.: Madame berichtet schon bald über unsere erste Fährfahrt und unser erstes Ziel: die Insel Fanø. Wenn nicht, sagt mir noch mal Bescheid, dann mache ich Druck! Irgendwann soll das Buch „Scandi43 – mit Hund und Ente durch Skandinavien“ ja auch mal fertig werden!

Pferde und Bulli auf Rømø
Mit Pferd und Bulli auf Rømø

Text: Julchen (nach Diktat in den Garten geflitzt, um die baskische Jungkuh Maite aufzuklären: Das Leben ist schön.)

Fotos: Elke Weiler

Kategorien Dänemark Hunde Roadtrips Rømø

über

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Einst mit Emil verlobt, einem Schapendoes aus Nordfriesland, ist Julchen zur Zeit wieder ungebunden. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

  1. Ein schöner Einstieg in die Skandi Berichterstattung! Ich freu mich schon!
    Liebe Grüße,
    Rike

  2. Ich freue mich auch schon sehr auf Eure Berichterstattung!! Julchen hat in der Tat einen super Einstieg gemacht … 😉 … Dayo und Suri sind schon ganz neidisch auf sie.
    Viele Grüße
    Martina

    • Danke, liebe Martina! Das kann ich mir vorstellen, Janni ist auch ein bisschen neidisch auf Julchen. 😉 Aber Suri und Dayo können sich eigentlich nicht beklagen, sie kommen doch ganz gut herum! Leibe Grüße, Elke

    • Oh, wie toll! Danke!! Grüß‘ mir die beiden Süßen!!! :-* :-*

  3. Pingback: Fanø an der süddänischen Nordsee | Roadtrip #scandi43

  4. Was für ein heiterer Artikel !! Vielleicht sollte ich auch mal aus der Perspektive unserer Hündin schreiben ? Princesse verbringt ihre Tage gemütlich auf dem Sofa.
    Ich warte schon auf den nächsten Artikel von Julchen 🙂

    • Danke, Martina!! Das Julchen ist immer so frech. Aber das Sofa findet sie auch toll! Trotzdem wird sie weiter berichten. 🙂

  5. Pingback: Glücklich in Blokhus, Nordjütland | Roadtrip #scandi43

  6. Sehr schöne Bilder. Auch den Bericht finde ich sehr schn und freue mich über weitere Berichte.

  7. Sehr schöner Bericht. Gute Reise und ganz viel Spaß! Der hohe Norden ist einfach traumhaft und nette Reisebegleitung hast du ja auch 🙂

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