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Emilias Fahrtenbuch #2

Ente Emilia hat sich perfekt eingelebt auf der Halbinsel Eiderstedt. In der Marsch und am Meer. Sein Blau steht ihr ausgezeichnet, genau wie der Himmel über Nordfriesland. Wenn die Wolken darüber segeln, und der Wind über die Fennen pfeift.

Vor allem die Deiche haben es Emilia angetan. Erstens kommt sie flott hoch, nicht so bei stärkeren Steigungen, da braucht sie ihre Zeit. Zweitens, und das ist der springende Punkt, macht sie bei der Überquerung der Deichkrone geradezu einen Hüpfer. Kurz vor dem Abheben also, ready to fly.

Auch Grandmadame fährt mit.
Auch Grandmadame fährt mit.

Aus Italien kennt sie das nicht. 30 Jahre hat der kleine LKW auf der Haube, und nicht im Traum hätte Emilia gedacht, so weit im Norden zu landen. Bevor wir uns kennenlernten, hatte sie ein Sabbatical nehmen müssen. Ungewiss war, wie es danach weitergehen würde.

Auf unseren ersten gemeinsamen Fahrten in Hamburg wirkte Emilia noch etwas unbeholfen. Die Großstadt, die ungewohnte Luft, die eingeschlafenen Glieder. Doch das Check-up hat ihr gut getan und auch die neue Freiheit. Die Bewunderung von allen Seiten.

Eine Ente in den Wolken
Eine Ente in den Wolken

Emilia blüht regelrecht auf, von Tag zu Tag fährt sie spritziger. In der Zwischenzeit sind sämtliche Redaktionsmitglieder zu Testfahrten eingeladen worden. Meine Top-Kolumnistin und zweifache Buchautorin Julchen lobt die Bewegungsfreiheit und den guten Überblick in der Blechhöhle.

Nur die Schaukelei geht ihr etwas auf den Zeiger. Auch das angeblich aufbrausende Wesen der Italienerin. Zitat Julchen: „Sind Franzosen immer so laut?“ Nicht ganz so geräuschvoll wie die Nordfriesin selbst.

Miss dich nie mit einem Julchen!
Miss dich nie mit einem Julchen!

Der Bearded Collie schafft es locker, Emilias Soundsystem zu überstimmen und weiterhin jedes Tier, jeden Lutscher und jeden Baum im Vorbeifahren zu grüßen. Man will ja nicht unhöflich sein und seinen repräsentativen Aufgaben nachkommen!

Auch Kollege Janni kam bereits in den Genuss, sich in der wohndosenartigen Blechhöhle niederzulassen. Im Gegensatz zu seiner hochverehrten Chefin legt er sich lieber hin, ganz der gemütliche Typ eben. Und sicher ist sicher.

Sind wir denn schon da?
„Sind wir denn schon da?“

Man weiß ja nie, was in so einem Schaukelteil auf einen zukommt. Zitat Janni: „Der Kutter im wilden Meer ein Witz dagegen. Fehlen nur noch die Krabben.“ Gründlich inspiziert der Foodblogger sämtliche Winkel, vielleicht hat er ja etwas übersehen.

Beachblogger Luis, der sich aus privaten Gründen ein wenig aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat, fühlt sich bei der Probefahrt ganz in seinem Element. Nur eines beschäftigt ihn, den großen Reggae- und vor allem Bob-Fan. Wir hatten doch eine CD…
Luis: „Wo ist die Mucke?“
Ich: „Listen to the sound of Emilia!“

The sound of Emilia
The sound of Emilia

Das Rastaschaf lehnt sich zurück und macht, was es am besten kann: Luis chillt – schaukelnd. „Besser als jede Droge!“, schlussfolgert er zufrieden. „Apropos: hinten ist viel Platz für Bier!“ Doch die Fläche habe ich bereits anderweitig „verplant“.

Da liegt wohl noch ein Reserverad, das nicht dorthin gehört. Angeblich gibt es ein passendes Eckchen dafür unter der Motorhaube. Unser technischer Berater hilft mir beim Suchen. Zitat: „Wo geht denn diese verdammte Motorhaube auf?“

Eine Ente in Husum
Eine Ente in Husum

Ich zeige auf die Stelle oberhalb des Nummernschilds. Und finde nichts. Aber bei meinen Vorgänger-Enten war es doch… Dafür entdecke ich neben der Kupplung ganz links ein Fußpedal, drücke drauf et voilà! Die Windschutzscheibe ist nass.

Wasser per Fußdruck, genial! Bei der normalen Ente gab es einen normalen Knopf für das Scheibenwischwasser. In der näheren Umgebung, oberhalb der Pedale finde ich auch eine Schlaufe und ziehe dran: das Sesam-öffne-dich des Frontdeckels!

Der Deich steht ihr gut.
Der Deich steht ihr gut.

Nun können wir das Rad vorne verstauen, es passt über den Motor, ohne zu wackeln, ohne das Fahrverhalten zu beeinträchigen. Alles ist exakt kalkuliert. Millimetergenau. Wir tuckern, brettern, wackeln, brausen los.

Der technische Berater, der sich als Kopilot zur Untätigkeit verdonnert fühlt, peppt sein Kopiloten-Dasein mit schlauen Sprüchen auf: „Rechts ist noch Platz.“ Ja, die Deichstraßen erscheinen manchmal schmal. Vor allem bei Gegenverkehr.

Emilia am kleinen Hafen
Hafenpause

Doch mit der Zeit entspannen sich alle. Und die ständigen Fahrten, die unumgänglich sind, wenn man auf dem Land lebt, werden zur reinsten Wonne. Die unternehmungslustige Emilia kann es kaum erwarten, auf Tour zu gehen. Sie ist eine echte Reise-Ente.

Aber erst mal „muss“ ich nach Sizilien. Leider ohne Emilia, fliegen kann die Ente nur im Ansatz – über den Deich.

Text und Fotos: Elke Weiler

CategoriesAllgemein
Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

  1. Jörg says:

    So toll. Ich beneide Euch um Emilia. Solche Autos hatten noch was, was am Besten als „Charakter“ zu bezeichnen ist. Und die Bilder; einsame Spitze. Danke für den Bericht. So richtig erfrischend… na ja, Nordseebrise eben ;-)

  2. Franka says:

    Wie cool ist Emilia denn bitte?!
    Und die Bilder sind auch wunderschön :-)
    Ich warte gespannt auf mehr Bilder und Geschichten…

    Viele liebe Grüße,
    Franka

  3. Pingback:Julchen, das Lamm und ein Plan

  4. Uwe says:

    Wenn die karibischfarbende Eiderente mal nach Kiel fliegt, bekommt Sie von mir einen rosa Glücksaufkleber und gerne auch einen Blogbeitrag auf Glückküstenschnack.de. Einfach mal bei der TA.SH melden. Uwe

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