Zeit für Æbleskiver

Die Hefebällchen aus der Spezialpfanne habe ich zum ersten Mal in Nordfriesland gegessen, und das noch nicht mal zur Weihnachtszeit. Es war im Sommer, ganz in der Nähe, als das Café Alte Schule in Warmhörn noch existierte und einen „Genussmarkt“ veranstaltete. Jemand vom Verein der dänischen Minderheit brutzelte eifrig über der typischen Æbleskiver-Pfanne. Das Ergebnis schmeckte phantastisch, seitdem bin ich ein großer Fan der Kugelpfannkuchen. Dabei erinnern sie mich stark an niederländische Poffertjes, ich bin ja aus Ostholland, wie man den angrenzenden Niederrhein gerne scherzhaft nennt.

Hefebällchen, dänisch
Det smager godt.

Der nördliche Teil Schleswig-Holsteins war von zirka 1200 bis 1864 ein dänisches Lehen. Im Mittelalter reichte der dänische Sprachraum bis zu Treene und Eider. Bevor die Friesen nach Nordfriesland kamen, waren schon Südjüten hier. Heute sind wir nach diversem weiteren Einwanderungsgeschehen gut gemischt. Und neben Deutsch und Dänisch mit Südjütisch sind Friesisch, Niederdeutsch und Romanes rechtlich anerkannte Sprachen in Schleswig-Holstein.

Laut Sydslesvigks Forening bilden an die 50.000 Menschen die dänische Minderheit. Überall gibt es dänische Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und Freizeiteinrichtungen. Hätte die Pandemie mir keinen Strich durch die Rechnung gemacht, säße ich einmal die Woche in einen Anfänger-Kurs der dänischen Schule in Tönning. Derweil bleibt es beim sporadischen Online-Learning. Und bei kulinarischen Exkursionen wie Æbleskiver, was wortwörtlich Apfelscheiben heißt.

Heute werden die leckeren Bällchen aus der Pfanne jedoch nicht mehr als gebackene Apfelringe angeboten. Auf Weihnachtsmärkten in Dänemark findet man Æbleskiver gerne, so auch letztes Jahr während meines Aufenthalts in Odense. In Nordfriesland wundert es niemanden, dass man nicht nach Dänemark reisen muss, um eine klassische Æbleskivepande zu kaufen.

Meine habe ich in Tönning erstanden, sie hat 17 Zentimeter Durchmesser und sieben halbrunde Aussparungen. Die Anti-Haftbeschichtung funktioniert bestens, im Prinzip wasche ich sie vor dem nächsten Einsatz nur mit heißem Wasser aus, trockne sie ab und gebe etwas Öl in die Kuhlen. Da der Teig selber Fett enthält, muss ich bei den folgenden Portionen die Mulden nicht mehr ölen.

Ich bringe die Pfanne auf Temperatur (welche bei eurem Herd für das Gelingen der Bällchen optimal ist, müsst ihr ein wenig ausprobieren), bei mir funktioniert es am besten zwischen halber und Dreiviertel starker Hitze. Glücklicherweise fand ich in der Verpackung der Pfanne gleich zwei Rezepte, von denen ich mich auf bislang „Großmutters Kugelpfannkuchen (Dänische Art)“ konzentriert habe. Wenn Dinge von Omas fabriziert werden, suggeriert das aus meiner Sicht eine extrem hohe Kompetenz.

Hier die Zutaten für etwa 20 bis 25 Stück: 250 ml Milch, 200 Gramm Mehl, 3 Eier, 25 Gramm Zucker, 20 Gramm Hefe, 100 Gramm Butter oder Margarine, Vanille nach Gusto, abgeriebene Schale und Saft einer halben Zitrone.

Für die Zubereitung zunächst Eier und Zucker verrühren, die Hefe in lauwarmer Milch auflösen und hinzugeben, nach und nach das Mehl unterrühren, dann Butter, Vanille und Zitrone zufügen. Den cremigen Teig 20 Minuten gehen lassen. Dann geht es los! Angeblich soll man die Mulden nur Dreiviertel hoch befüllen, aber ganz ehrlich, wenn sie voll werden, ist das auch nicht schlimm. Hauptsache, die Temperatur stimmt und ändert sich nicht.

Am besten ihr dreht die Kügelchen mit einem Holzstab. (Im Rezept heißt es Stricknadel, aber ich ziehe aus diversen Gründen Holzstäbchen vor.) Nach ein paar Versuchen habt ihr raus, wann und wie ihr drehen sollt. Man sieht es am Rand der Æbleskiver: Wird er fest, kann man mit dem Drehen beginnen. Keine Sorge, wenn der Teig beim Drehen herausläuft, das muss so. Am Ende sollen die Bällchen eine schöne goldbraune Farbe haben.

Mit etwas Glück entsteht die perfekte Kugel. Und wenn nicht, ist das auch kein Problem. Ihr müsst ja keinen Wettbewerb gewinnen. Hauptsache, die Bällchen munden! Wenn alle Æbleskiver fertig sind, könnt ihr je nach Gusto noch Puderzucker drüber streuen, und/oder die Bällchen mit Marmelade servieren. Uns schmecken sie auch pur zum Kaffee oder Tee. Velbekomme!

Und beim nächsten Mal probiere ich endlich den Klassiker mit Buttermilch und Kardamom.

Text und Fotos: Elke Weiler

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Post vom Meer

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Elke
Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.
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