Meeresrauschen. Sandverwehungen. Und mittendrin: bunte Flecken, Zufluchtsorte in rauer Umgebung. Schuld ist der ewige Wind. Vermutlich gäbe es das optimale Mobiliar für den Nordseestrand nämlich nicht ohne die frische Brise.

Nichts fürs Mittelmeer. An warmen, windstillen Tagen staut sich die Hitze im Strandkorb. Für den Rest der Zeit, vor allem im Frühjahr und Herbst, lassen sich Strandtage auf maritimen Querstreifen bestens genießen. Von drei Seiten abgeschirmt, ein Dach überm Kopf – wer sich in den Korb kuschelt, fühlt sich warm und geschützt. Gemütlichkeit, die eine Nummer trägt.

Treffen wir uns bei 144?

Er ist also alles andere als ein Accessoire im Sand, auch wenn der gute alte Strandkorb immer top aussieht. Egal welches Wetter. Dabei begann seine Geschichte gar nicht an der stürmischen Nord-, sondern an der netten Ostsee. Im 19. Jahrhundert ließ sich eine Rheumakranke für ihren Aufenthalt in Warnemünde einen geschützten Sessel konstruieren, seinerzeit Strandstuhl genannt.

1882 kam dann der glorreiche Moment, die offizielle Geburtsstunde des Strandkorbs. Der kreierende Rostocker Korbmachermeister ging bald darauf auch zur Strandkorbvermietung über.

Der Einsitzer wuchs zum Zweisitzer heran, der Halblieger zum Ganzlieger. Material und Ausstattung? Je nach Bedürfnis: Korb, Rattan, Kunststoffgeflecht, Fußstützen, Klapptische, Markisen, Kissen. Kenner unterscheiden die abgerundete Ostseevariante von der kantigeren Nordseeform.

Im heimischen Garten sind oft wahre Luxusmodelle zu finden, gehegt und gepflegt. Aber echten Meeresduft tragen natürlich nur die Körbe in sich, die Wind und Wetter am Strand getrotzt haben. Oft findet man sie bei Auktionen zum Kauf, zum Beispiel einmal jährlich in St. Peter-Ording. Wenn es dann im April wieder heißt: „Zum Ersten, zum Zweiten…“ blättern Interessenten teilweise um die 200 Euro für einen gebrauchten Strandkorb hin.

Regenfester Kunststoff, ein bisschen abgenutzt. Vielleicht haben sich noch ein paar Körnchen Sand in den Ritzen versteckt. Gewiss hatte jedes Exemplar eine schöne Zeit am endlosen Strand von St. Peter. Und wenn man sich hinein setzt und richtig hinhört, ist sie wieder da: die ewige Geschichte vom Leben am Meer.

Text und Fotos: Elke Weiler

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Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

  1. Jutta says:

    Einen davon hätte ich gerne im Garten. Muscheln habe ich schon als kleinen Weg ausgestreut! Interessante Geschichte übrigens: Wusste ich noch nicht! Schöne Grüße, Jutta

    1. Elke says:

      Schon Muscheln ausgestreut? Wie schön, Jutta!! Dann kommt der Korb bestimmt bald. :-) Wir haben leider auch noch keinen, dabei wäre er besonders im Frühling und Herbst sehr angemessen. ;-)

  2. Jaaa, wenn man mich fragt, was man sich aus meiner Heimat mitbringen sollte, dann liegt die Antwort ganz klar auf der Hand: einen Strandkorb, und zwar einen runden ;)
    Ich weiß, bei euch rollen ganz andere Windmassen an die Küscht, aber die Ostsee hat auch ihre stürmischen Zeiten! Ich habe schon so manches Meersandpeeling abbekommen, ein Strandkorb ist daher auch bei uns absolut erwünscht :)

    Schöne Grüße zu dir!

  3. Nicola says:

    Sehr schön geschriebener Blog, der die Romantik der Strandkörbe finde ich sehr gut zur Geltung bringt. Wenn ich sowas lese bekomme ich direkt Nostalgie und möchte mir einen Strandkorb zulegen :D
    Kennt jemand zufällig eine seriöse Seite, wo ich mir welche angucken/kaufen kann ?

    1. Svenja says:

      Und ich habe mich mit meinen Eltern immer bei 122 getroffen :D Ich dachte schon ich wäre die einzige, die immer sowas abgesprochen hat :)

  4. Elke says:

    Wer keinen Strandkorb bei einer Aktion ersteigern möchte, kann zum Beispiel in der Manufaktur von Friedrichstadt Eiderstedter Modelle erstehen. Ich finde es ja immer schöner, etwas erst auszuprobieren und sich mal hineinzusetzen, den Stoff zu fühlen und so. Die älteste Manufaktur befindet sich übrigens in Heringsdorf.

  5. Susanne says:

    Hallo Elke,
    erst einmal Danke für deinen gelungenen Blog. Man könnte bei den schönen Reisezielen, die Du hier vorstellst, gleich wieder in den Urlaub fahren.

    Nun aber zu meiner Frage: Ich überlege mir, im nächsten Sommer, einen Strandkorb für den heimischen Garten anzulegen. Habe aber keine Möglichkeit ihn selber zu transportieren. Da der nächste Laden sehr weit entfernt ist, deshalb wollte ich den Strandkorb wohl online bestellen.

    Hast Du oder jemand von den Besuchern Deines Blogs da irgendwelche Erfahrungswerte? Bin mir da noch etwas unsicher, ob dabei alles klappt.

    Würde mich über Tipps und Hilfe freuen.

    Lieben Gruß Susanne

    1. Elke says:

      Hallo Susanne,

      danke für die netten Worte!

      Leider habe ich selber noch keinen Strandkorb zu Hause, würde ihn aber nicht online bestellen, da ich finde, man muss ihn fühlen, ausprobieren, darin sitzen, bevor man ihn kauft. Ich vermute aber, wenn du ihn online kaufen willst, wird er auch geliefert. Wie hoch die Gebühr dafür ist, sagt dir die jeweilige Firma.

      Ich tendiere eher dazu, einen gebrauchten Strandkorb bei der jährlichen Versteigerung im Frühjahr zu ergattern und mir einen Anhänger dafür auszuleihen. Einen Korb, der schon ein Leben am Meer hatte. :-)

      LG, Elke

      1. Susanne says:

        Vielen Dank für deine schnelle Antwort Elke :)

        Wird schon klappen mit dem eigenen Strandkorb im Garten. Habe entdeckt, dass es beim Sonderpostenmarkt auch welche zu kaufen gibt. Das wäre auch in der Nähe von meinem Wohnort und preislich gesehen auch eine schöne Sache.

        Das mit dem gebrauchten Strandkorb ist auch eine gute Idee. Naja, ist ja noch etwas Zeit bis zum nächsten Frühling und Sommer. Kommt Zeit, kommt Rat.

        Gruß Susanne

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