Ein Tag am Meer

Janni und ich rochen den Speck sofort.

Madame lief hierhin und dorthin, Monsieur ebenso. Da war doch was im Busch! Zur Sicherheit positionierten wir uns so am Gatter, dass wir die Blechhöhlen im Blick hatten. Nicht, dass man uns vergaß! Mit entsprechenden Anfeuerungsrufen begleiteten wir das Hin und Her. Ok, sie packten keine Taschen. Messerscharf schloss ich, dass es sich um einen Tagesausflug handelte.

Dafür kam so einiges in Frage, ganz Nordfriesland eigentlich. Oder Schleswig, die Schlei, keine Ahnung. Der Nord-Ostsee-Kanal? Grundsätzlich war ich für jeden Unsinn zu haben. Offline-Aktivitäten natürlich ganz weit oben. Aber das war ja eher die Ausnahme, dass man mal irgendwo ohne die olle Leine drauflos preschen konnte! Mich zog es gen Norden.

Wo durfte man schon ohne?

Janni hatte ganz andere Prioritäten, und jeder hier wusste genau, welche. Wurst und nochmal Wurst. Vielleicht eine Friko oder ein Schnitzel. Er dachte ja viel an Wurst, wenn er nicht gerade im Überwachungsdienst tätig war. Da! Es ging los! Wir flogen geradezu in die Rudelkutsche, als Madame die Pforten öffnete.

An Heck alles ok, teilte Janni lautstark mit, an Steuerbord eh, stimmte ich ein. Schon bald merkte ich, dass wir wirklich gen Norden düsten. Nicht, dass sie uns in die Pension brachten! Nach Ferien nur mit Janni war mir absolut nicht. Als wir auf der Höhe unserer Übergangshütte in Drelsdorf waren, schickte ich halblaute Grüße an den süßen George. Wie es ihm wohl ging?

An dieser Stelle ein Bussi an meine liebe Freundin Wilma. Du fehlst!

Janni fand das pure Gedankenverschwendung, er hatte nie so richtig mit dem gutaussehenden Nachbarshund warmwerden können. Doch wir hielten weiter Kurs gen Norden, und das war gut so. Langsam wurde ich kribbelig. Als Monsieur die Fahrt drosselte, wusste ich, wir waren im gelobten Land. Pure Entspannung schon auf den Straßen.

Und in jenem glorreichen Moment, als das Meer zu beiden Seiten glitzerte, war alles klar: Madame konnte Gedanken lesen! Oder sie hatte einfach dieselben Vorlieben wie ich. Rømø! Wir landeten schnurstracks im Hundewald bei Kirkeby. Das Paradies. Zwar hatte ich ja schon einige der zahlreichen dänischen Hundeskove kennengelernt, doch dieser hier war erste Sahne. Man konnte nicht nur nach Lust und Laune umherziehen, den Wald lesen, Kollegen und ihre Lutscher kennenlernen, nein, man konnte sogar buddeln.

Kleine Schlange vorm Buddelloch.

Nach einer ersten Runde beschlossen Madame et Monsieur, dass es Zeit für ein Picknick war und steuerten eine Bäckerei an. Sie hatten wohl ziemliche Löcher im Bauch, den Mengen nach zu urteilen, die sie mitbrachten. Wir konnten uns an allen vier Pfoten abzählen, dass da was für uns abfiel.

Picknickplätze gibt es im gelobten Land übrigens an jeder Ecke. Schon auf der Fahrt hatten wir Picknicklutscher an der Pausenstelle ausgemacht, doch leider blieb es mir untersagt, in deren Drei-Meilen-Zone vorzudringen. Was logischerweise nicht an den Dänen lag, die gewiss meine Anerkennung für ihre Picknickleidenschaft mit Freudestrahlen quittiert hätten.

Strandfreuden.

Schließlich kam es, wie es kommen musste: Wir landeten mit der Blechhöhle am unendlich langen, breiten Beach meiner Lieblingsinsel. Alle Türen auf und niederlassen, so machten das alle hier. Die Blechhöhle mutierte zum Badehäuschen. In Rudelformation eroberten wir den Strand. Doch was war das? Meine sensiblen Plüschohren vernahmen unangenehme Geräusche.

Der Wind pfiff durch ein gestreiftes Häuschen, das einem Leuchtturm glich, aber mickriger war. Aus der Ferne ertönten Geräusche wie von Höllenmaschinen, Traktoren oder Quads – fuhren die etwa durch die Dünen? Ich war schockiert. Am heimischen Beach von Sankt Buddel durfte man bis auf eine Ausnahme noch nicht mal eine Pfote auf die Dünen setzen.

Wenn die Blechhöhle zur Strandhütte mutiert.

Dänemark erschien mir einmal mehr als das Land unendlicher Freiheiten. Auch als ich mit Madame auf Roadtrip in Skandinavien war, hatte mir der erste Teil unserer Reise noch am besten gefallen, sieht man mal von der südnorwegischen Leuchtturminsel und dem Mittsommer in Malmö ab.

Aber aufgrund des schlürfenden, quietschenden Winds zog ich vorübergehend die sichere Blechhöhle vor. Janni Mann kriegte die Motten, Madame fing an zu fotografieren, nur Monsieur blieb an meiner Seite. Zunächst. Plötzlich waren alle drei verschwunden, ich hatte quasi die Oberaufsicht an Bord. Dann kamen sie mit Pølser wieder!

Wenn Pølser rufen.

Hot Dogs – hatte ich bereits gesagt, wie unsäglich dieser Begriff war! In Annie’s legendärem Kiosk in Sønderjylland hatte man mich großzügig kosten lassen von dieser dänischen 1A-Spezialität. Unter derart günstigen Umständen ließ ich mich dazu herab, die Blechhöhle zu verlassen und einen kleinen Spaziergang an der Wasserkante zu unternehmen.

Der Sand unter den Pfoten war fest und angenehm. Das Wasser leuchtete in der Sonne, die Lutscher wirkten glücklich. Man musste Rømø lieben, keine Frage. Aber konnten wir jetzt bitte zurück zur Blechhöhle? Madame et Monsieur beschlossen, noch eine Runde Hundewald dranzuhängen – perfekt! So konnte ich auch meine Dänischkenntnisse vervollständigen.

Was für ein Tag!

Schon am Strand hatte man mich angesprochen und im Hundewald meinten sie nun: „Hej!“, beziehungsweise „Hej hej!“, als wir uns verabschiedeten. Das Dinner rief, Janni knurrte angeblich der Magen, trotz Pølser. Er muss mal eine Uhr verschluckt haben, die nun präzise tickte. Als wir zu Hause ankamen, beschwerte er sich nicht, obwohl sein Abendessen mit zweistündiger Verspätung serviert wurde.

Ihm hatte der Rudeltrip super gefallen! Mir natürlich auch, keine Frage. Madame knuddelte mich, sie machte sich Sorgen ob meiner Geräuschempfindlichkeit. War ich noch Roadtrip-tauglich? Ich gab ihr ein Bussi als Antwort.

Mange tak!

Text: Julchen (Nach Diktat in die Siesta-Verlängerung gegangen.)

Fotos: Elke Weiler

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  1. Grandmadame

    Julchen allein im Hundewald soviel Ruhe für die Prinzessin,kein Autolärm

    • Na ja, im Hundewald ist per se alles in Ordnung! Da braucht man ja keine Leine anzuziehen! Aber wir haben auch nette Typen getroffen.

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