Die virtuelle Verlobung

Der schöne Jack. Gerade noch entwickelte ich gemeinsam mit ihm die Idee, eine Schnüffelnasen-Agentur als kongeniale Nord-Süd-Verbindung zu gründen. Schließlich machen echte Krimis nicht vor Ländergrenzen halt! Also schlug ich vor, dass wir aus Vermarktungsgründen Fotos von uns mit Schlapphüten machen ließen und lieh mir Madames breitkrempige australische Schädelzierde aus.

Jack fand zwar einen Hut in der Asservatenkammer seiner Lutscher, nahm ihn aber lieber ins Maul. Aus Marketingsicht fand ich das suboptimal, doch er sah einfach zum Anbeißen aus. Also ließ ich anfragen, ob er sich mit mir verloben wollte. Es war die richtige Zeit, wir spürten es beide. Ein Europa der geschlossenen Grenzen – zum Pferdeäpfelpürieren!

Jack sagt Ja

Wir hatten bereits eins a geflirtet und gemerkt, dass wir ähnlich tickten. Er ließ ausrichten, er mochte meine Stimme! Noch nie hatte ein Mann so etwas Süßes mir gegenüber erwähnt. Sonst standen alle auf meinen Duft, den fluffigen Plüsch oder meine Bernsteinaugen. Und noch lange nicht jeder Rüde verstand mein komplexes Wesen. Jack schon. Er meldete sich kurzerhand bei Twitter an, das einzige Medium, das nach Revolution riecht. So konnten wir direkt miteinander kommunizieren.

Der schöne Jack lebt nämlich im fernen Apulien, Madames italienischer Lieblingsregion, wie sie mir vertickerte. Natürlich war ich nun ganz heiß darauf, mit ihr einen italienischen Roadtrip zu unternehmen. Auf dem Weg gen Süden könnten wir dann auch einen Stopp bei meinem Schwesterherz Missy einlegen, die ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen hatte. Doch Madame meinte, bis zu meinem Lover im Stiefelabsatz Italiens seien es über 2.300 Kilometer, da müsste ich mir noch ein paar mehr Stopps ausdenken. Unser nächster Urlaub ging nach Dänemark – 230 Kilometer! Natürlich freute ich mich wie ein Lamm im Frühling auf die Hundewälder – die beste Erfindung, seit es Bäume gab.

Amore

Aber zurück zu amore. Ich schrieb unsere Namen in den Sand und schwörte, Jack ein Plätzchen im Strandkorb freizuhalten. Für den Fall, dass er mit seinem Rudel mal vorbeikam. Dann würde ich ihn jedenfalls anquieken, was das Zeug hielt! Eine absolute Spezialität von mir. Dazu tanzte ich um meinen Auserwählten herum und stieß hypnotisierend schrille Laute aus. Unter Lutschern führte das zu dämlichem Grinsen, aber so eine geniale Choreografie mit Gesang mussten sie mir erst mal nachmachen, diese Verklemmten!

Wolke 7

Derweil begann Jack, mir die romantischsten Liedzeilen zu twittern, die dieses Medium je gesehen hatte! Ich sage nur: La donna cannone! Seine Madame plante schon eine zeichnerische Überraschung für uns, verzettelte sich dann aber mit Details wie Fröschen und Schnecken. Wenn ich das dem Gackervieh stecken würde, den Hennen liefe das Wasser nur so im Schnabel zusammen! Leider hatte ich es mir vollkommen mit ihnen verscherzt. Natürlich mochte ich sie, keine Frage. Aber sie reagierten irgendwie sensibel und hielten nichts von meinen lautstarken Verkehrsregelungen. Also suchten sie das Weite, sobald ich auf der Matte stand. Nur den Lutschern und Janni vertrauten sie noch, ausgerechnet!

Von Meer zu Meer

Der Sommer begann, und ich schwebte auf Wolke 7. Jack und ich schauten auf unterschiedliche Meere, doch in denselben Sonnenuntergang. Natürlich lernte ich Italienisch bei Madame. Jack war zwar zweisprachig aufgewachsen, doch irgendwie musste ich ja vor Ort zurechtkommen und Pizza bestellen, viel Pizza. Erwähnte ich bereits, dass ich auf Italienisch-kulinarisch stand? Janni roch den Braten und überlegte, mich nach Italien zu begleiten. Angeblich, weil ihn der Job als bagnino reizte. Ich sah Janni schon vor mir, faul im Schatten liegend und sich von Zeit zu Zeit die Pfoten im Meer kühlend. Super bagnino! Wie ich ihn kannte, würde er am Ende vor allem im Garten von Schwiegermadame et -monsieur herumlungern und sich auf die Grillabende freuen!

Aber was sollte ich mir Gedanken über den Dicken machen, Himmelhuhnundmeer! Lieber schaute ich in ein grünes und ein braunes Auge – auch wenn es nur auf dem Foto war. Verlor mich in seinem verwegenen Lächeln.

Jack, amore! Sei una bomba!

Text: Julchen (nach Diktat mit der Pfote über die Landkarte gefahren und einen Temperaturanstieg bemerkt)

Fotos von Julchen: Elke Weiler

Standardbild
Julchen
Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

6 Kommentare

  1. Liebe Prinzessin, herzlichen Glückwunsch zu deiner Verlobung mit Jack aus Bella Italia. Bei einem Besuch dort gibt es viel Spaghetti Bolognese und Pizza für dich und viele Spaziergänge am blauen Meer, vielleicht lernst du das alles mal kennen,ich glaube auch dein Italienisch ist schon fast perfecto.Buona notte,Julie

    • Liebe Grandmadame!

      Danke dir! Das müssen wir aber bald in Dänemark zünftig feiern!

      Hach, es wäre so schön, dort einmal hinzufahren und Jack kennenzulernen. Klar, Pizza und Bolo sind ein zusätzlicher Anreiz. :-D

      Buonanotte, Grandmadame!

  2. Liebstes Julchen, ich bin hin und weg. La bomba bist du!! Und dann wird unserer Liebe auch noch ein Ehrenplatz im Blog eingeräumt: Blogartikel Nummer 1000! Unglaublich. Ich bin sprachlos. Auch meine deutsche Nonna (die so leckere Hundekekse backt) hat schon neugierig hier mitgelesen und etwas von verrückten Hühnern gemurmelt. Damit meinte sie wohl deine und meine Madame. Ich habe übrigens auf Spotify für uns eine Playliste mit den romantischsten italienischen Liedern aller Zeiten gebastelt …la mia donna cannone … die ich rauf und runter spielen lasse, um währenddessen von dir zu träumen. Ich werde hier ein wenig Druck machen, damit meine Antwort auf Pen & Sea bald zu sehen und lesen ist – mit Spaghetti, polpette, pizza und romantischen Strandspaziergängen im Mondschein. Amore, es ist so schade, dass ich zur Zeit nicht einfach das französische Auto hier startklar machen kann, um an die wilde Nordseeküste zu brausen. Das wäre eine Überraschung! Ein wildes Treffen, dessen bin ich mir sicher. Amore mio, grüße mir den coolen Janni. Ich habe schon einen Strandabschnitt im Auge, wo er sein Unwesen als bagnino treiben könnte. A presto, il tuo Jack …per sempre.

  3. Süßester Jack, tesoro mio!

    Das klingt ja wie im Paradies! Stell dir vor, meine Madame hatte eine ähnliche Idee wie du, sie bastelt auch an einer Playlist. Aber allgemein! Mit Sommerliedern! Kein Sinn für Romantik und Zweisamkeit, diese Lutscher!

    Heute habe ich den Strand gesehen, als deine Madame getwittert hat – una bellezza! Grandios, dort zusammen mit dir zu buddeln. Bis Australien, was meinst du?!

    Ti sogno, amore!

    Un bacione!

    La tua Giulietta :-)

  4. Leo hat gleich gefragt, was es bei der Verlobung zu fressen gäbe. Buffet wäre ihm ganz recht. Er wäre auch Trauzeuge- also, er traut sich noch, zu …..
    Ach Julchen, hättest Du ihn mal getroffen… das Glück kann so nah sein. Wenn nur der Altersunterschied nicht wäre:-)

    Lass Dich knuddeln und grüß lieb Dein Frauchen…

    • Huhu, ihr Nachbarn!
      Ich bin schon 10! Jack erst 2! :-) Wegen Trauzeuge, Hochzeit und „lista nozze“ sag ich noch Bescheid! Ich fühl mich fast wie in diesem dänischem Film „Love is all you need“. Wobei sie da am Ende nicht geheiratet haben, aber trotzdem! :-) Meine dritte Verlobung – ganz großes Kino! Falls das mal irgendwann jemand verfilmen will: Liebe in Zeiten einer Pandemie – über alle Grenzen hinweg!
      Grüße an Leo!
      Euer Julchen

Schreibe einen Kommentar