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Im Namen der Liebe

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Die Übergabe erfolgte mitten auf dem Deich. Ringsherum keine verdächtigen Bewegungen. War es wurscht? Doch die Öffentlichkeit der Handlung konnte reine Tarnung sein. Und was war in dem Paket?

Privatdetektivin Miss Juli Marpeloni stand im Schatten einer grobmaschigen Wollknäuelsperre und observierte. Es war der Postlutscher in seiner gelben Blechhöhle, der Madame ein paar Dinge überreichte. Normalerwiese steckte er die Briefe in unsere Kuh, doch heute mal nicht. So what, Juli?

Ich hockte schon in der japanischen Blechhöhle und konnte meinen alten Kumpel leider nicht gebührend begrüßen. Rückwärts düste der Postlutscher den Deich hinunter, als Miss Marpeloni von der anderen Seite ihre Deckung aufgab und höchst freiwillig in die Blechhöhle stürmte. Ohne ein einziges Leckerli. Madames Taktik, die Abtrünnige zu ignorieren, war vollends aufgegangen.

Eigentlich war es ein schöner Tag gewesen, bis Julchen wieder ihre Mätzchen machte. Sie scherte sich einen Haufen Ackergülle um ihr Rudel und wollte immer nur ihr eigenes Ding drehen. Deichrennen und Wettkämpfe bis zum Umfallen. Mademoiselle trainierte Höchstgeschwindigkeiten auf Hundekurzstrecken für die nächste Olympiade.

Was geht ab im Watt?

Doch Juli verdrängte völlig, dass Hunde gar nicht daran teilnehmen konnten. Wozu also die ganze Aufregung? Der Haussegen hing schief, weil mein sogenannter Supervisor jedes Schaf, jede Kuh und überhaupt alles, was sich bewegte, aus dem Auto heraus anbellte. Hündinnen am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Was war geschehen? War Julchen fertig, am Ende, reif für die Reha? Ich vermutete mal, dass ihr der Stress über die Plüschohren wuchs. Meine Erziehung (angeblich), das Abhandenkommen von Mats, die große Ratlosigkeit. Ständig wollte sie den Außenposten besetzen, um ein heiß ersehntes Miauen als Erste vermelden zu können.

Ich lenkte mich mit meinem Lieblingshobby ab. Monsieur stufte mich nun schon in die Rubrik Nagetiere ein, weil ich alles, aber auch alles anknabberte. Genauer gesagt hatte ich mich auf sämtliche zur Verfügung stehenden Holzarten spezialisiert. Ich überlegte, bei „Wetten, dass…?“ aufzutreten. Meine Challenge: eine Holzart mit verbundenen Augen nur am Biss zu erkennen.

Es war sehr wahrscheinlich, dass ich zumindest Publikumsliebling werden würde. Wenn gar Wettkönig. Doch ich wollte mich nur bewerben, wenn sexy Julchen mir assistierte…

Ich brauchte Praxis. Außerdem merkte ich ziemlich schnell, dass Madame et Monsieur spontan reagierten, wenn es um ihre Möbel ging. Ich fand ja, dass glatte, lackierte Oberflächen total überbewertet waren. Biss ich herzhaft in Schrankbein, Haustür oder Kastanienzaun und machte mich handwerklich nützlich, hatte ich die hundertprozentige Aufmerksamkeit meines Rudels.

Stop! Bretter sind eigentlich Jannis Ding.

Was wollte man mehr? Darüber hinaus konnte es ungemein helfen, wie ein Seehundbaby zu jaulen, wenn Lutscher zu Tisch waren und ihre Kekse allein verkimmelten. Hartherziges Pack! Nein, ich war kein Trickser. Madame hingegen schon. Wollte sie mich von einer unerlaubten Aktion ablenken, rannte sie schnell zur Tür und riss sie auf. Theatralisch.

Logo dachte ich dann, es passierte irgendwas wahnsinnig Spannendes draußen. Und nix wie hin. Aber Fehlanzeige. Danach hatte ich meistens vergessen, was ich zuvor auf dem Schirm hatte.

Und was tat ein guter Hund in dieser misslichen Lage? Er suchte sich eine neue Herausforderung. Ich fand es schade, dass sich die Rennplüsche in ihrem Elfenbeinturm verschanzten. Man konnte sich doch mal kennenlernen – so von Plüsch zu Plüsch, von Nager zu Nager.

Vielleicht konnten sie als Einzige meine Leidenschaft für Holz verstehen? Um ihnen das glatt polierte Ambiente im Wohnimmer etwas angenehmer zu gestalten, schöpfte ich mit weitem Maul eine Ladung Heu aus ihren Vorräten und verteilte es großzügig im Raum. Madame kriegte die Motten.

Dabei freute ich mich immer über Gesellschaft und war offen für alles. Am Deich trafen wir Hexe und Krümel – ein interessantes Paar, das gar keines war. Krümel wirkte gewaltig und knurrte mich mehrfach an. Also machte ich schön Sitz und was man nicht alles so tut, um Lutscher und Grizzlybären zu besänftigen. Das volle Ich-bin-Zucker-Programm.

Intensivkurs im Knutschen gefällig?

Damit kriegte ich jeden. Vor allem Monsieur war mir verfallen. Ein Blick reichte aus, um ihn um die kleine Pfote zu wickeln. Ein Nougatblick hinter Strubbelgardine. Ich wusste nicht, warum Julchen immer so einen Stress machen musste. Das Leben war easy. Und schön.

Liebe war der Schlüssel.

Text: Janni (nach Diktat seinem Supervisor Julchen einen Intensivkurs in Knutschen und Knuddeln angeboten)

Fotos: Elke Weiler

5 Gedanken zu „Im Namen der Liebe“

  1. Irgendwann werd ich mir alles rauscopieren zu einem Buch binden und heimlich verschenken. So schade, dass so oft die Zeit fehlt, diese wunderbaren Geschichten zu lesen. Das mit dem Holzmeister ist am besten.
    Ich wünsch euch eine superschöne Vorweihnachtszeit!
    Euer Frodo

    1. Danke lieber Frodo,

      das ist lieb! Wir freuen uns, dass dir die Geschichten gefallen. Das mit dem Buch ist in Planung ;-)

      Auch dir und deinem lieben Rudel eine tolle Zeit – so vor dem Fest der Liebe :-)

      Dein Janni

    1. Oh, meine Maggie,

      das ist sehr süß von dir! Ich freu mich auch, dass Julchen mich weiter diktieren lässt, und dass du und noch ein paar andere das auch gut finden… ;-)

      Und bestimmt lernen wir uns auch irgendwann man richtig kennen, was meinst du, Maggie?

      Das wäre super! :-)

      Dein Janni ♥

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