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Tanz in den März

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Das Meer, so gesprächig. Der Himmel, unendlich. Sand unter den Pfoten, ein laues Lüftchen. LOLA. Der Frühling war da! Über Nacht hatte er eine irre Show für uns vorbereitet. Die Sonne grinste so breit wie ein Honigkuchenpferd und veränderte alles.

Weiß der Kuckuck, was ein Pferd mit Honigkuchen anfangen sollte! Ich wüsste es. Und mir war nach Hüpfen, Tanzen, Musizieren. Lolo lolo Lola!

Sie sah aus wie ein geschorenes Schaf. Umwerfend hübsch. Weiß wie ein frisches Lamm. Eine spanische Wasserhündin, rassig, süß. Ich traf sie am romantischsten Ort der Welt, in St. Buddel. Und ich heftete mich, ohne einen Moment zu zögern, an ihre Pfoten.

Vielleicht war ich mal wieder zu stürmisch. Aber ich wollte ihr doch nur ein Bussi geben! Vielleicht zwei.

Lola! Alle hinter ihr her!

Währenddessen jagte Julchen mit hoher Geschwindigkeit und heller Stimme Lolas Kumpel namens Marley. Fuchsfarben, von zartem Wuchs, doch rasend schnell. „Für seine Freunde einfach Bob“, meinte seine Madame. Ich musste an den verrückten Luis denken. Das nichtsnutzige Rastaschaf sah und hörte überall nur Bob. Zuletzt ohne uns in Kopenhagen.

Dieser Marley verfolgte uns. Auch in der Blechhöhle hörten wir neuerdings Reggae. Julchen beruhigte das irgendwie, sie regte sich ja sonst so leicht auf. Nun aber pesten wir entspannt über die weite Wüste, fegten durch Meerespfützen und feierten mit unseren neuen Freunden den Frühling. Doch viel zu schnell trennten sich unsere Wege wieder. Lola!

Julchen war einfach nur froh, dass wir endlich mal wieder im kompletten Rudel unterwegs waren, und sie las Madame et Monsieur jeden Wunsch von den Augen ab. Wir tollten, flogen und tanzten über unseren Strand, dass es eine wahre Wonne war.

Das Glück war im Frühlingsmodus. Und ich auch.

Janni und Julchen lassen es krachen. In St. Buddel!

Zwei Mal versuchte ich, von anderen Lutschern ein Leckerli zu bekommen. Obwohl ich nur zärtlich an ihren Händen schnupperte, pfiffen Madame et Monsieur mich sofort zurück. Spielverderber! Und Miss Julie Police achtete strengstens auf die Einhaltung des Verhaltenskodexes.

Dabei hatte ich nicht einen einzigen Lutscher angesprungen! Julchen hingegen machte sich höchst unbeliebt bei zwei wuchtigen Berner Sennen-Typen, die ihr Riesenrudel verteidigen wollten. Sie stand total auf Berner, doch diese hier waren nicht gerade in Flirtlaune, und meine Süße schrie auf.

Also hielt ich mich lieber aus der Sache heraus. Ohnehin bekam ich immer genug Knurr-Einheiten von Julchens sogenanntem Verlobten ab. Ich folgte dem lustigen Emil treu wie ein Schatten, doch er sah mich am liebsten unter sich. Puh, war das manchmal riskant! Und dann verdrückte sich das Liebespaar auf die Deichkrone. Seite an Seite. Unzertrennlich.

Da guckt der Janni aber!

Wussten sie nicht, wie lächerlich das aussah – mit diesem Größenunterschied? Ich also hinterher, wer weiß, was sonst noch passiert wäre. Außerdem langweilte ich mich so mutterseelenallein. Und ich plädierte für lustige Gruppenspiele! Gerne auch im Schlick. Ein paar Wattvögel jagen, die Freiheit unter dem gigantischen Nordhimmel genießen. Suntje, den Seehund, grüßen.

Und dann erschöpft, versandet und mit Schlickstrümpfen nach Hause. Fressen. Knuddeln. Schlafen. Das pralle Leben. Wenn ich zuviel Meerwasser gesoffen hatte, musste ich manchmal um vier Uhr nachts pinkeln. Das fanden Madame et Monsieur suboptimal. Aber was sollte man machen? So ein Nordsee-Cocktail war herrlich kühl und würzig.

Selbst die Schafe waren in Frühlingslaune. Schon im Februar hatten sie wie verrückt Nachwuchs in die Welt gesetzt, und nun bevölkerten zahlreiche weiße und schwarze Lämmer die Fennen. Julchen wollte sich zwar dieses Jahr wieder als „Lammkönigin der Herzen“ bewerben, sah aber ein schreckliches Unheil auf uns zukommen.

Was erzählte Julchen da? Janni verstand nur Ackergülle.

„Sie werden zurückkommen“, meinte meine Schöne. Die Occupy-Bewegung. „Die Wollknäuel werden bald wieder die Deiche besetzen.“ Verfluchte Ackergülle. Doch nicht etwa unseren Deich? Ich wollte es kaum glauben.

Aber wenn Julchen wollte, konnte ich ihr beim Hüten etwas unter die Pfoten greifen. Sie zeigte mir ja auch sonst, wie ich alles machen musste. Warum sollten wir uns nicht der Wollknäuel annehmen?

Meine Süße hatte Angst um ihre Kandidatur. Außerdem wusste sie aus Erfahrung, dass Madame et Monsieur derartige Maßnahmen nicht billigten. Mir war es wurscht, lieber dachte ich an den Herrn Frühling. Und an jenes sexy frisierte Wollknäuel am schönsten Strand der Welt.

Lolo lolo Lola! Hätte ich ihr nicht meine Haarspange als Geschenk anbieten sollen? Blau wie der Himmel? Nun war sie weg. Die Spange. Und Lola auch. Vielleicht dachte sie ja in genau diesem Moment an mich.

War es der Frühling? Oder einfach ein Hungergefühl?

Ich schaute auf das ewige Meer und spürte das erste Mal ein Kribbeln im Bauch. War das Lola? Oder einfach der Frühling?

Text: Janni (nach Diktat von Erleuchtung heimgesucht: das Kribbeln, ein eindeutig wachsendes Hungergefühl)

Fotos: Elke Weiler

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