Was für eine Reise! Mein Weg schien mit Celebrities gepflastert zu sein.

Es begann schon am Hamburger Flughafen: Mesut Özil und Sami Khedira trudelten ein, nachdem sie am Tag zuvor gegen die niederländische Mannschaft gewonnen hatten. Jede Menge Kids wollten ein Autogramm und Foto.

Ich auch… und ein paar Tipps für Madrid… Oh no, die beiden entwischten uns durch die Kontrollen. Und nahmen doch tatsächlich einen anderen Flug als wir. So far, so bad.

Doch es war noch nicht aller Tage Abend, dachte ich mir. Stay cool, baby, vielleicht triffst du die Jungs ja in Madrid wieder. Im sagenhaften Estadio Santiago Bernabéu…

Unser Trip startete also glorios, auch wenn die Reise lang wurde: Mit diversen Bahnen, Fliegern und einem Bus stießen wir in das Herz Spaniens hervor: Toledo.

Aus dem Land der Windräder reiste ich in das der Windmühlen. Don Luis geht zu Don Quijote! Warum starrte mich dieser Typ – dem Hören und Sagen nach eine spanische Berühmtheit – mit weit aufgerissenen Augen an?

Sah ich etwa so aus, als käme ich von einem anderen Stern? War ich so abgefahren gekleidet wie mein Gegenüber? Dieses ganze Blech am Körper – das musste doch zwicken! Immerhin war er besser geschützt als ich…

Und mindestens ein Fall fürs Krankenhaus würde ich vermutlich bald werden, wenn Don Quijote weiter so mit diesem depperten Speer vor meiner Nase herumfuchtelte.

Maldito! Insgesamt machte jener Mann einen ziemlich durchgeknallten Eindruck auf mich. Was hatte er konsumiert? Der kleine Dicke daneben wirkte wesentlich klarer bei Verstand, wenn auch leicht verschlagen.

Posieren mit Sancho Panza

Zwar schien mir Sancho Panza zunächst freundlich gesinnt, hielt mich dann aber direkt unters Maul seines Esels Rucio, der bereits eine Kollegin angenagt hatte. Währenddessen plauderte der Bäuchige angeregt mit der Chefin. Ich hoffte inständig, dass sie wusste, was sie tat.

Sancho Panza schien mich als eine Art „Geschenk“ zu verstehen. Es wurde höchste Zeit, dass die Chefin die Situation klar stellte und mich wieder in sichere Gewässer manövrierte. Oder sollte ich hier ewig das Rastaschaf auf Zeitreise abgeben?

Unter den Kollegen kam jetzt eine Art Lynchstimmung auf. „Nimm‘ das Tier weg!“, forderten sie immer lauter von der Chefin. Scheinbar versaute ich die korrekte Wiedergabe der historischen Inszenierung.

Konnte man die Lage nicht mit einer Runde Bier entschärfen? Ich hatte diesbezüglich in Dänemark auf der schönen Insel Samsø gute Erfahrungen gemacht.

Und eigentlich war es doch ganz nett in Spanien. Auf diesem Berg bei den zwölf Windmühlen oberhalb von Consuegra. Rundherum die schroffe Schönheit der Region Kastilien-La Mancha. Roter Boden, Safranfelder, Olivenbäume. Wein, Weizen, das pralle Landleben.

Luis plädiert für eine Runde Bier in Toledo

Nach dem ganzen Sightseeing in Toledo war die Provinz eine tolle Abwechslung. Wir wurden überall so freundlich empfangen und königlich bewirtet.

Auch auf dem Calderico-Berg wurde nun ausgeschenkt, und die Gemüter beruhigten sich wieder. Ein ländlich gekleideter Bekannter von Don Quijote und Sancho Panza bot uns eine Limonade an – wie Sangria ohne Alkohol. Salud!

Der Don himmelte lieber die Frauen an und vergaß das reisende Rastaschaf vom andern Stern. Dabei hätte ich ihn zu gern noch gefragt, warum er mit dem lächerlichen Speer ausgerechnet einen Windmühlenflügel attackiert hatte.

Aber was tat man nicht alles, um brünette wie blonde Babes zu beeindrucken! Der Typ schien Erfolg mit der Masche zu haben, denn später knutschte er mit einer Kollegin herum.

„No woman, no cry“ dachte ich mir und genoss die Tage in Toledo, einer schicken Location mit engen Gassen, in denen an jeder Ecke Marzipan verkauft wurde.

Ich freute mich, dass die Kollegen ihren anfänglichen Groll gegen mich begruben und mich sogar an einem Dinner im Parador teilnehmen ließen. Zu unseren Füßen die erleuchtete Stadt, Wein in den Gläsern und ein köstliches Mahl.

Lieber wäre mir natürlich eine zünftige Reggaekneipe gewesen, doch vielleicht konnten wir so etwas in Madrid auftreiben. Auf in die spanische Hauptstadt!

Dort landeten wir allerdings in einem schicken Designerschuppen, wo ich mich nach den aufregenden Tagen erst mal so richtig ausschlief.

Luis in Madrid: Erholung im Designerhotel

Glücklicherweise gab es nämlich keine Tickets mehr für ein Theaterstück mit Viggo Mortensen. Nach dem erhöhten Kulturkonsum der letzten Zeit musste man auch mal wieder runterkommen. Viggo hin, Viggo her.

Statt aber ins Bernabéu-Stadium zu gehen, schleppte mich die Chefin in den Prado: Kunst bis zum Abwinken… Sami, Mesut – vielleicht sah man sich mal wieder an irgendeinem Flughafen.

Eines war klar: Mein Leben entwickelte sich langsam aber sicher zu einem Abenteuerroman. Mit einfach nur Bier trinken, Fußball gucken und Reggae hören war es vorbei… Was würde als nächstes kommen?

Hasta la próxima und haltet die Ohren steif!

Euer
Luis Maria Fernando da Silva Santos

Fotos: Elke Weiler

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Luis Maria Fernando da Silva Santos

Das Rastaschaf gilt als sprachbegabter Lebenskünstler, der schon viel herumgekommen ist. Luis passt in jede Tasche und schmuggelt sich ohne Papiere durch Kontrollen. Manchmal begleitet er die Chefin auf Reisen und arbeitet als Beachblogger. Natürlich liebt er Reggae – insbesondere den von Bob. Zur Zeit ist er im Sabbatical, mal schauen wie lang noch...

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