Chachaputi! Angeblich ein Begriff aus einem verschollenen Inka-Dialekt, der soviel bedeutete wie Sonne im Herzen und Hummeln im Hintern. Für mich war es der abgefahrenste aller Namen, den Madame für mich oder die Rennplüsche produziert hatte. Meistens nannte sie mich einfach nur Chacha, doch ich wusste nicht, ob damit der Sonne- oder der Hummelteil gemeint war.

Julchen, die einzig wahre Chachaputi

Es war der erste Monsun meines Lebens, und ich fühlte mich wie in Indien am Nordpol. Das Beste an dem ganzen Wasser waren die Pfützen. Sie schmeckten einfach anders als herkömmliches Leitungswasser. Irgendwie besonders. Weicher. Nach Kräutern, Erde, Himmel und Meer.

Trotz des Wetters kamen meine Fans nun schon von weit her, aus dem mediterranen Süden. Zwei Italienerinnen in Husum downtown. Und sie freuten sich wie die Schneeköniginnen, als sie mich erblickten! „Simpatico, simpaticissimo“ war ich neuerdings. Das ehrte mich besonders, denn das übliche Süß, Putzig, Knuddelig beschrieb ja nur äußere Werte und wurde meiner ausgeprägten Chachaputi-Art nicht annähernd gerecht.

Angespornt von soviel Begeisterung wollte ich auf dem Markt über ein halbes Grillhuhn mit nur wenigen Gebrauchsspuren herfallen. Doch mit einem Mal entwickelte Madame ungeahnte Kräfte, um mich davon abzuhalten. Dabei wäre das Huhn ein Kinderspiel gewesen – gegenüber der Banane, die ich letztens aus der Biokiste mopste. Zwar lag sie zu meinen Füßen, und ich hatte auch schon versuchsweise reingebissen. Sie jedoch so zu schälen, dass ich sie wie üblich mit Madame teilen konnte, schaffte ich nicht. (Missy, Schwesterherz, wo bleibt das Maiskolbenschälvideobeispiel?)

Nun ja, ich bin ja kein Affe. Und auch kein Dressurpferd! Da bauten sie jetzt in der Hundeschule schon eine Art Parcourshindernis auf, hinter dem sich Madame unsinnigerweise verstecken musste. Scheinbar war der Sinn und Zweck dieser Übung, dass ich nur auf ihre süße Stimme hörte. Und sonst nichts. Aber ich bin nun mal der visuelle Typ. Mit der mir eigenen, unkonventionellen Art rannte ich das Hindernis einfach um. Schnickschnack!

Trio infernale an der Schlei

In meiner Verfassung konnte ich mich nicht auch noch um solche Petitessen kümmern. Schlimm genug, dass noch kein Hochzeitstermin für Popeye und mich feststand. Die Flaschenpost war verloren gegangen. Angeblich hatte mein Bruder Mogli sie in der Bretagne gefunden, aber es war nur ein leeres Plastikding, eine Art Schwimmhilfe.

In diesen Zeiten tat es gut, Freunde zu haben. Kerle, auf die man sich verlassen konnte. Buddy! Er war genesen, welche Freude! Endlich konnten wir wieder gemeinsam die Gegend erobern. Glückstaumelnd an Stränden herumhoppeln, Verbotsschilder missachten und lauter verrückte Dinge tun!

Zwar vermutete ich stark, dass Buddy mehr von mir wollte als nur Freundschaft, und er wurde ständig größer und attraktiver. Tanzen wollte er auch! Aber er hatte immer noch dieses Nackenzwickzwackproblem. Und liebte mein flauschiges Haar in seinem Mund.

In einer Regenpause fuhren wir mit unseren Rudeln zum Ostseefjord Schlei und sahen uns in der kleinsten Stadt Deutschlands, diesem Arnis, ein wenig um. Es lag auf einer Landzunge und bestand aus einer Straße mit süßem Häusern. Mehr oder weniger. Aber es lag leider relativ wenig auf dem Boden. Auch Buddy fand keinen Kaugummi. Doch an den Ufern der Schlei konnten wir ausgesprochen gut herumtoben! Ich kostete erst mal: Das Wasser war gar nicht so salzig wie Zuhause.

Julchen mag die Schlei

Wir trafen dort eine schicke Retriever-Lady namens Fine, die eine kleine Marotte hatte: Sie tat so, als wäre die Schlei eine Wellnesspackung und verharrte badend darin. Natürlich merkte ich sofort, dass mein Kumpel diese Genießerin äußerst attraktiv fand. Fine war wirklich hübsch und sehr sympathisch. Ja, die beiden passten gut zusammen. Ein nettes Paar, ich könnte sie als Trauzeugen nominieren und nach Pellworm einladen…

Popeye, wenn du diese Zeilen liest: Beeil‘ dich mal ein bisschen! Keine Frau wartet gerne. Schon gar keine Chachaputi!

Text: Julchen (nach Diktat neben dem Telefon postiert)
Fotos: Elke Weiler

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CategoriesOstsee
Julchen

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

  1. Alma von der Hummelwiese says:

    Liebes Julchen,

    welch eine Freude dich so in Gesundheit zu sehen.
    ich, deine „große Schwester“ liebe die Küste und das Meer genau wie Du,
    obwohl mir immer grotten schlecht wird, wenn ich zu viel Salzwasser zu mir nehme.
    herzensgruß, Alma

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