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Begegnung auf dem Deich

Meine erste Begegnung mit Schafen verlief unspektakulär.

Sie standen einfach herum und guckten blöd. Dicke Wölkchen auf vier Stelzen! Ihr Fell war wie onduliert und toupiert, aber frisch vom Friseur kamen die Wollknäuel nicht. Da fehlte etwas Fundamentales: die Wäsche.

Ihre Köpfe wirkten unverhältnismäßig klein, sie verschwanden fast in dem Plüsch rundherum. Die Kameraden hatten etwas Freches im Blick, doch ich bezog das nicht auf mich.

Wenn Madame et Monsieur nun dachten, ich hätte nichts Besseres zu tun, als meinen Hütetrieb auszuleben, kann ich nur sagen: Kokolores!

Solange es Lutscher und die Dinge auf dem Boden gab, konnten mir die Schafe gestohlen bleiben.

Doch sie fixierten mich. Dass eines von ihnen sogar mit dem Huf aufstampfte, empfand ich als ziemliche Provokation. Doch mehr als ein kurzes, aber bestimmtes „Wuff“ konnte die Wolke mir nicht entlocken. Ich blieb locker.

Total locker: Julchen auf ihrem Deich

Nur die Schafe waren ganz und gar nicht cool. Zwei Zweibeinerinnen schlenderten zu einer Bank auf dem Deich, um sich dort nach Lutschermanier niederzulasssen.

Das irritierte die Wollknäuel wohl, und sie verzogen sich auf eine lutschertypische Treppe. Wozu brauchte man eigentlich diese betongefalteten Aufgänge? War das besser für die Pfoten?

Und was wollten die Schafe auf der Treppe? Hatten sie Schiss vor den Lutschern? Jungs und Mädels, hört her: Die Zweibeiner wollen doch nur Liebe und Schnappschüsse! (Warum sie soviel fotografieren, ist mir übrigens ein Rätsel. Ich denke hin und wieder darüber nach.)

Aber die Schafe… Angst? Ich verstand die Neuen auf dem Deich nicht. Sollten sie den Graswall doch festtrampeln, wie es ihr Job verlangt. Sollten sie sich gegen den Wind stemmen, in der Abendsonne grasen und bald ihre niedlichen Lämmer gebären.

Ich hatte Besseres zu tun, als mich um vergrößerte Wattebäusche zu kümmern, die mal einen Friseurbesuch vertragen könnten. Mir reichte Schafskot völlig aus. Eine Delikatesse übrigens! Vitamine!

Schafsköddel! Vitamine!

Einmal hatte ich deswegen mit Monsieur eine kleine Meinungsverschiedenheit. Aber ein bisschen Gugeln (ich glaube, er tut das häufig) hat ihn letztendlich davon überzeugt, dass die Hinterlassenschaften der Wattebäusche nicht kriminell sind und mich nicht wild machen. Ich bin manchmal einfach so. Natur pur!

Nun aber dalli. Verrückt vor Freude rannte ich mit Madame et Monsieur über MEINEN Deich, der bis vor kurzem noch völlig schaflos war. Und genoss die salzige Luft, hier und da etwas Müll und die trockenen Gräser.

Ich muss meine beiden Hübschen noch mal fragen, wann wir endlich an den Strand gehen. Zu dieser tollen Sandwüste, von der sie mir erzählt haben. Buddeln! Die Brandung stürmen! Meer!

Text: Julchen (nach Diktat all ihre Überredungskünste eingesetzt, um einen schnellen Wüsten-Termin festzulegen)

Fotos: Elke Weiler

2 Gedanken zu „Begegnung auf dem Deich“

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