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Das Meer und seine Mätzchen

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Es murmelte, blubberte und klatschte. Als gute Husumerin hatte ich meine erste Begegnung mit dem Meer am Dockkoog. In der Nacht hatte es gestürmt, und man merkte es dem Wasser an. Ich war mir nicht sicher, ob das Meer mir wohlgesinnt war. Denn es sagte nicht „Oh wie süüüüüß!“, als ich davorstand. Ich meine, es war alles sehr ungewohnt.

Sicherheitshalber wich ich zurück. Man konnte ja nicht wissen, was das Meer so drauf hatte. Mir erschien es von Anfang an unzuverlässig bis unberechenbar. Denn bislang hatten wir es nicht angetroffen, obwohl Madame das in Aussicht gestellt hatte. (Ich berichtete.)

Aber meine Zweibeiner hielten schwere Stücke darauf, ich spürte das. Deswegen war ich aus Taktgefühl stumm wie ein Fisch, was das Meer und seine Mätzchen anging.

Schließlich sollte man es sich mit seinen Käselieferanten nicht verscherzen. Erwähnte ich bereits, dass ich eine Personal Trainerin hatte? Ihr war es zu verdanken, dass sich meine ohnehin phänomenalen Ausflüge mit Madame et Monsieur jetzt noch netter gestalteten. Deliziös! Alle Nase lang ein Häppchen – das erregte meine Aufmerksamkeit.

Endlich im heiligen St. Buddel!

Natürlich war mir sonnenklar, dass man mich so von Lutschern, fahrenden Autos und den Dingen auf dem Boden fernhalten will. Trotzdem spielte ich ihr Spiel mit. Gouda war nun mal Gouda.

Aber zurück zum Meer. Ja, ich gebe zu: Bei der ersten Berührung schreckte ich zurück. Konnte ich denn erahnen, was diese aufgewühlte Macht wollte? Doch als wahre Entdeckernatur schritt ich voran, Taps für Taps. Ich dachte an Kolumbus, Vasco da Gama und die Wikinger und trat dem Meer tapfer entgegen. Ich probierte es auch. Salzig, kühl.

Dann kam endlich der Tag, an dem Madame et Monsieur ihr Versprechen wahrmachten. Ich schnarchte ein bisschen auf der langen Fahrt zu diesem Sandkasten mit Namen St. Peter-Ording. Etwas sperrig für meinen Geschmack. Sagen wir einfach St. Buddel – klingt doch netter und handlicher.

Und was fiel mir als Erstes auf? St. Buddel war das reinste Lutscherparadies an Tagen wie diesen. Was mir natürlich nicht unangenehm war. Komplimente, Komplimente! Endlich bemerkte auch mal jemand, dass ich schöne Augen hatte. Der meiste Enthusiasmus ging ja sonst in Richtung Plüsch. Würde ich mich mal rasieren wie Monsieur, schaute mich wohlmöglich keiner mehr an.

Dann erreichten wir die Wüste. Ein Fest! Ich buddelte mich Meter um Meter vor, ohne meine Fans zu vernachlässigen, nur ab und an vom Käse abgelenkt.

So viel Sand – und wo ist das Meer?

Weit und breit keine Spur vom Meer. Aber es gab im Wind tanzende Algen, denen ich freudig hinterher düste. Das Meer musste wohl mal auf Stippvisite gewesen sein, denn es hatte jede Menge interessante Dinge dagelassen.

Plötzlich hatten wir den Spülsaum erreicht, und Madame lief doch tatsächlich ins Wasser. Ohne zu zögern! Sie wollte wohl, dass ich es ihr nachtat.

Aber ich teilte ihre Begeisterung nicht, obschon das Meer mir heute ein Friedensangebot machte. Es schimmerte in der Sonne und sah kostbar aus wie Milliarden von Diamanten. Schöner noch.

Aber musste man sich gleich körperlich verbinden? Es schmeckte schon wieder so salzig. Schließlich entdeckte ich, dass man herrlich plitschiplatschi machen konnten.

Der saublöde Nebeneffekt: Meine Pfoten wurden nass. Madame et Monsieur trugen ja Gummistiefel, denen machte das nichts aus. Bei der nächsten Gelegenheit sollte ich wohl mal eine Gummistiefelanschaffung für mich ins Gespräch bringen.

Bitte Gummistiefel auch für Hunde!

Wie sah ich nur aus mit diesen nassen Beinen? Mein schöner Plüsch hing schwer und klebrig herunter, die Beine wirkten dürr und knochig. Ein Glück, dass der Wind mich schnell wieder trockenföhnte, sonst hätte mich doch kein Lutscher mehr angeguckt!

Ich spielte noch eine Runde mit Juppi, einem 11-jährigen Mischling, der sein sympathisches Rudel auf der fernen Insel Gran Canaria adoptiert hatte.

Juppi entpuppte sich als echter Knaller, wie er so charmant durch seine Zahnlücke grinste. Vielleicht sah man sich mal wieder! Diese Spanier schienen mir unkompliziert und locker zu sein.

Schließlich freute ich mich auf den Rückweg. Auf Zuhause! Mal so richtig ratzen. Und im Traum weiterschaufeln. Ja, dieses St. Buddel war ganz nach meinem Geschmack.

Wie geboren für den Strand: Julchen

Text: Julchen (sich nach Diktat vor der Haustür abgelegt. Mit einem wohligen Seufzer.)

Fotos: Elke Weiler

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