Ein Hauch von Holland

Schmale Brücken führen über Grachten, halb verhangen von den grünen Schatten der Trauerweiden. Zumindest ist das im Sommer so. Kleine Boote schaukeln dann an den Ufern, und ab und an schippert eines der flachen Ausflugsboote vorbei, die sich so gerade noch durch die schmalen Unterführungen zwängen können.

Wo bin ich? Nicht in Holland, aber im Holländerstädtchen Friedrichstadt. Und das haben einige Holländer im 17. Jahrhundert erbaut und nach ihrem Gusto mit Kanälen durchzogen. Denn dass der Ort zwischen den Flüssen Eider und Treene eingekeilt war, genügte nicht: Das Wasser musste die Stadt durchziehen.

Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf gewährte vor allem den in Niederlanden verfolgten Remonstranten hier Religionsfreiheit. Weswegen der 2500-Seelen-Ort sich noch heute gerne als „Stadt der Toleranz“ ausweist – mit immerhin fünf aktiven Religionsgemeinschaften, der dänischen Lutheraner, der evangelischen, katholischen, Mennoniten- und Remonstranten-Kirche.

Es waren mal mehr: Die ehemalige Synagoge wird heute kulturell genutzt. Auch erinnern zwei Friedhöfe an das jüdische Leben vor der Vernichtung durch den Nationalsozialismus. Des Herzogs Großzügigkeit war mit wirtschaftlichen Interessen verbunden, denn die Holländer galten als exzellente Kaufleute, und die Eider als gut schiffbar.

Über die Grachten schippern

Vor allem rund um den Marktplatz lässt sich der Einfluss anhand der typischen Treppengiebelhäuser verspüren. Mit ihren feinen Fassaden, die sich mit den Jahrhunderten immer windschiefer ausnehmen.

Waffeln in der Holländischen Stube

Wenn auch die Kanäle zur Zeit noch nicht grün umrankt sind, sprießt es doch lila im Zentrum des Marktplatzes, fast so intensiv wie der Krokusblütenteppich rund ums Husumer Schloss. Und da es hier etwas weniger windig ist als an der Küstenlinie, lässt es sich gemütlich draußen an der Gracht sitzen und Märzsonne tanken.

Etwa in der Holländischen Stube, die zur Kaffeezeit für ihre Waffeln und Windbeutel-Spezialitäten berühmt ist, sich aber auch um kulinarische Trümpfe kümmert und alljährlich an der Kreation des „Nordseetellers“ teilnimmt – wie andere Gastronomen Nordfrieslands und Dithmarschens.

Noch liegen die meisten Boote umgedreht auf den Wiesen der Kanäle. Doch wenn sie Saison beginnt, wimmelt es hier nur so von Einheimischen und Gästen auf dem Wasser. Dann wird wieder geschippert, gerudelt, getreten und gepaddelt, was das Zeug hält. Oder in der Treene geschwommen, wenn es so knackig heiß ist wie letztes Jahr im Juli.

Und weil Friedrichstadt so hübsch ist, putzen die Friedrichstädter sie noch mehr heraus: Kaum ein Haus ohne rankende Rosen. Das lässt sich im Juli ebenfalls noch steigern, wenn die „Friedrichstädter Rosenträume“ am ersten Wochenende die Stadt in ein Blütenmeer eintauchen. Zumindest auf dem schönen Marktplatz, der zur Zeit noch lila leuchtet.

Text und Fotos: Elke Weiler

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