Nordsee Schaf

Luis und der Bartenzaun

Es haute einen fast um. Unser erstes Little Blogger Meeting startete furios. Am besten, ich hielt mich an der Bierflasche fest, damit mich der Ostwind mit bis zu 70 km/h flotten Böen nicht vom Tisch fegte.

Wir starteten das 3-Tage-Nordsee-Event mit einer zünftigen Brotzeit. Die versierte Beachbloggerin Julchen war mit von der Partie und benahm sich auffällig korrekt mir gegenüber. Doch ich traute dem Braten nicht.

Am Westerheversand – der Leuchtturm machte bekanntlich TV-Werbung für ein ostfriesisches Bier – gab‘s sogenannte Schäferbrote. Mit Lammfrikos, Schafskäse, Kraut und Senf.

Als Veganer überließ ich der Chefin großzügig alles und hielt weiter am Gerstensaft von der Ostseeküste fest. Yeah man, der mit dem Plopp.

Ist es ein Ufo? Mit Schafsgrinsen?!

Um meinen Pelz machte ich mir vorerst keine Sorgen, auch wenn die Nordfriesen wirklich abgefahrene Ideen zu seiner Verwendung entwickelt hatten. In einem Schäfer-Shop gab‘s eine Art Ufo, das auch noch grinste!

Wir nahmen den Subway am Deich, auch wenn es dort wohl genauso pustete wie auf dem Weg zum Meer. Überall tummelten sich Live-Lämmer mit ihren Erzeugerinnen.

Meine stets hellwache Kollegin versäumte es nicht, ein paar Schäflein scheu zu machen. Wollfarbene Texel-Typen zur Linken, schokobraune Quessants zur Rechten. Die hatten es mir besonders angetan: Ihre Kids konnten auf vier Klauen gleichzeitig in die Luft springen. Wow!

Doch für ein gemeinsames Shooting waren sie zu schüchtern. Oder es lag an der Präsens der Nasenzwickerin, die auch die Aufmerksamkeit eines hinter Bällchen herhüpfenden Vierbeiners beträchtlicher Größe auf sich zog?!

Julchen, so schien es mir, wusste nicht so genau, was sie mit dieser zweifelhaften Eroberung anfangen sollte. Der Kerl wirkte mächtig aufdringlich. Mir wurde schnell klar: Für eine Blonde vom Typ Monroe auf vier Pfoten lief es nicht immer easy.

Luis' Taktik: bei Sturm einfach am Bier festhalten!

Eine Wiese war so gut wie ein Beach, also warf ich mich zwischen die Löwenzahnblümchen. Landfeeling pur. Über mir stieg ein Schwarm Nonnengänse durch die Lüfte, ein Spektakel mit Wacken-Lautstärke.

Wir machten noch einen Abstecher nach Westerhever downtown, stürmten das dortige Kuchenbuffet und schnupperten eine Prise Kultur. Die Backsteinkirche auf dem Hügel – ein Hammer!

Ihr knackig alter Turm stammte aus dem 14. Jahrhundert, der hatte schon einiges gesehen. Gotik, whatever, ich kannte mich da nicht so aus. Durch zwei schwere Holztüren krochen wir ins Innere – unmittelbar hinter den Altar.

Cool. Auch weil die Kollegin nicht auf Kulturfreak machte und sich die Besichtigung sparte. Ein Konzert konnte ich mir verdammt gut in dieser Chill-out-Zone verstellen. Ob der Organist auch Reggae drauf hatte?

Endlich ein Beach! Wie schön dieses Rømø ist!!

Nach „Wind in Westerhever“ stand am zweiten Tag des Meetings „Relaxen auf Rømø“ in der Agenda. Crazy Julchen liebte Dänemark genau wie ich. Aber das war dann auch schon die einzige Gemeinsamkeit.

Glücklicherweise vergnügte sich die Kollegin mit Teilen ihres Giga-Clans, der sich nicht ganz zufällig auf der Ferieninsel tummelte. Ich sah das Gewusel nur von weitem: Yeti-Treffen am Strand.

So trennten sich unsere Wege, und ich nutzte die Zeit für individuelle Recherchen. Es war an der Zeit, dem Motto des Tages mit jeder Fellfaser gerecht zu werden. Sonne, Sand, Meer… Aber dann kam die Action!

Die Chefin hatte mal wieder eine sportliche Einlage für mich vorgesehen: Freeclimbing. Ich hoffte auf Netz und doppelten Boden. Aber nada. Am Unterkiefer eines Wales sollte ich (möglichst nicht) zappeln. Fürs Shooting.

Glücklicherweise kein funktionierendes Gebiss mehr. Schließlich war ich Blogger und nicht Indiana Jones! Vielmehr handelte es sich um ein Kulturdenkmal aus dem Jahr 1772: das letzte Stück eines Zauns. Aus Knochen!

Schwindelerregender Stunt

Mitgebracht vom Kapitän eines Walfangschiffs. Das Ganze nannte sich Bartenzaun und wirkte wie ein Holzzaun, nur unregelmäßiger. Die Verrückte sah uns bei der schrägen Aktion vom Auto aus zu. Denn man wusste ja, was Hunde mit Knochen machten: In diesem Falle hätte es das Aus für ein Denkmal bedeutet – das letzte seiner Art.

Leider verließen wir Dänemark viel zu schnell. Ich konnte mir vorstellen, dass die People, die mit ihren Kisten bis ans Meer ranfuhren, auch die korrekte Mucke zum Chillen dabei hatten. Oder einfach nur den Wellen lauschten…

Doch wir fuhren zurück, da für den nächsten Tag „Sandverwehungen in St. Peter-Böhl“ geplant waren. Unser Blogger Meeting stand also ganz im Zeichen der Natur.

Warum hatte der Plüschhase nicht auch hier seine Sippschaft treffen können? Stattdessen war Juliette ein bisschen zu sehr auf mich fixiert… An unserem letzten Tag!

Luis muss testen, was die Kollegin ausgebuddelt hat...

Sie buddelte die ganze Sandbank wie einen Schweizer Käse auf, und meinte ständig, ich sollte diese Löcher testen. Dabei machte die Chefin immer Terz, wenn ich allzu versandet in eine ihrer Taschen steigen musste.

Hinzu kam der Sabber dieses Urviechs, das in ultimativer Spiellaune war – bloß weil ich einmal durch die Luft geflogen war! Derartige Stunts gehörten nun mal zu meinen Standards an Stränden – mir wuchsen Flügel … in an irie place…

So let‘s sing together and feel alright!

Euer

Luis Maria Fernando da Silva Santos

Fotos: Elke Weiler

Autor

Das Rastaschaf gilt als sprachbegabter Lebenskünstler, der schon viel herumgekommen ist. Luis passt in jede Tasche und schmuggelt sich ohne Papiere durch Kontrollen. Manchmal begleitet er die Chefin auf Reisen und arbeitet als Beachblogger. Natürlich liebt er Reggae – insbesondere den von Bob. Zur Zeit ist er im Sabbatical, mal schauen wie lang noch...

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. […] der Hammer. Zwar hatte mich bereits Don Quichote in La Mancha mit dem Speer bedroht, und ich musste am Walkiefer freeclimben sowie mich von zweifelhaften Kollegen einbuddeln lassen, doch im Großen und Ganzen hatte ich in […]

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