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Männer und Elche

Kerle konnten so anstrengend sein! Sie stibitzten einem das Plüschtier vor der Nase weg, machten sich an fremdes Futter heran, schmachteten Madame et Monsieur mit schönen grünen Augen an und legten sich dann mit einer Dreistigkeit auf ein Bett, das ihnen nicht mal im Traum gehörte!

Vor allem gingen sie einem ständig an die Wäsche, bis auch der letzte Plüschzipfel vollgesabbert war. Nur mit Papi war es anders. Mein Lieblingselch, den ich gerne im Lavendel ablegte, damit er dementsprechend duftete. Leider hatte Papi ein wenig abgenommen in der letzten Zeit. Was mir noch mehr Sorgen machte: Er quietschte nicht mehr. Mucksmäuschenstill lag er zwischen meinen Pfoten. Musste ich ihm etwa zum Arztlutscher bringen?

Ich war noch ein wenig erschöpft vom gestrigen Spielabend mit meinem Freund Buddy, dem ebenso schmucken wie anhänglichen Labrador. Irgendwie fühlte ich mich verkatert. Müde, schlapp, lustlos. Nach dem Gassi mit Monsieur reizte es mich noch nicht einmal, auf Buddys Friesenwall zu klettern, um zu schauen, ob der Junge wach war oder unter ähnlich komatösen Zuständen litt wie ich.

Strandfeger

Natürlich wunderten sich Madame et Monsieur über mein Desinteresse. Ja, Himmelschafundmeer! Konnte man denn nicht mal eine klitzekleine Beziehungspause einlegen? Keine Sorge, bei nächster Gelegenheit würden wir wieder unser Liebesnest Fuhlehörn auf Nordstrand ansteuern. Ich könnte Buddy großzügigerweise zu meinem Schiffsmaat erklären, und dann in offizieller Mission mit ihm die Küste entlangsegeln.

Immerhin war Buddy ein Wasserhund, so dass er mich bei einem etwaigen sturmbedingten „Hund über Bord“ vermutlich retten konnte. Ich konnte ja zu diesem frühen Zeitpunkt nicht ahnen, dass ich Seebeine hatte. Ok, wenn ich die Sache realistisch einschätzte, würden wir eher in wilder Eintracht übers Watt pesen, später unter dem Tisch irgendeines Cafés unsere Mäuler ineinander verhaken, gemeinsam aus einem Wassernapf schlürfen und zum Ausklang eines wundervollen Tages einen Spaziergang bei Sonnenuntergang zum Schobüller Steg machen.

Unterm Kaffeetisch

Nur Buddy, ich und rundherum das Meer. In der verklärten Sichtweise unserer Rudel war das romantisch. Ich jedoch fiel nach einem Buddy-Tag rhythmisch wiederkehrend ins Koma und brachte eine Auszeit. Verliebt blickte ich Papi an, er war so klein und hilflos wie es nur Plüschelchbabys sein können. Nein, es störte mich zur Zeit noch nicht einmal, dass Madame seinen Quietschi aus unbekannten Gründen herausoperiert hatte.

Allerdings vermutete ich eine durch meine Personal Trainerin inspirierte Aktion als Ursache. Es war zum Pferdeäpfelpürieren, welche Vorstellungen manche Lutscher von unserer Psyche hatten! Doch heute genoss ich Papis Gemütsruhe, ließ mich von seinem Lavendelduft einlullen, während der Wind sanft durch meine Matte strich und sie hin und her pustete. Das Leben war schön!

Auf Elche ist Verlass.

Gleich würde ich mit Madame ans Meer gehen und meine Pfoten im Wasser kühlen. Vielleicht würde ich das Meer anbellen, aus alter Gewohnheit. Aber dieses Mal nur ein bisschen. Und ganz leise. Kerle wurden wirklich überschätzt.

Text: Julchen (nach Diktat am Oberdeck verschwunden)

Fotos: Elke Weiler

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