Land unter

Als wir nach Hause fahren, gießt es wie aus Kübeln. Fast steht das Wasser auf der Straße, wäre da nicht der Wind, der es beständig wegfegt. Und so setzt es noch einen drauf, das Wetter. Auf alles, was wir in den letzten Monaten erlebt und gerade im Tönniger Multimar Wattforum gehört haben.

Es ging um Regen, viel Regen, zu viel Regen. Und um Klimawandel. Wir wohnen in den nordfriesischen Niederungen, im Marschland. Und wir haben schon seit Monaten den Eindruck eines Landschaftswandels. Was mal Wiese oder Feld war, ist zur Seenlandschaft mutiert. Schafe suchen nach trockenen Stellen auf den Fennen, Bauern können nicht mit den Traktoren auf die Felder fahren. Manchen Katen oder Höfen reicht das Wasser bis zur Tür.

Der Hydrologe spricht von einem „Extremereignis“ und meint, was in den letzten sieben Monaten hier an der Küste passiert ist. „Das hat beim Verband noch keiner gesehen.“ Matthias Reimers ist Geschäftsführer des Deich- und Hauptsielverbands Dithmarschen, gehört dem Marschenverband Schleswig-Holstein an und ist also Profi in Sachen Wasserwirtschaft.

Die Statistiker vom Verband haben 2017 mit anderen Jahren verglichen, und in den entsprechenden Monaten hat uns 2017 keine drei Tage ohne Regen beschert. „Das schafft das wasserwirtschaftliche System nicht mehr“, sagt Reimers. Dennoch ist er der Meinung, es handele sich hierbei um ein Einzelereignis und keinen Trend. Hoffentlich.

Ebenfalls ständig unter Wasser: der Strand von Sankt Peter

Unbestritten ist, dass der Klimawandel zum Anstieg des Meeresspiegels führt, ebenso wie zu häufigeren und stärkeren Regenfällen sowie zu mehr Sturm. „Wir an der Küste haben die Auswirkungen des erhöhten CO2-Ausstoßes auszubaden“, sagt der Fachmann. Und zwar wird heute schon für die Zukunft geplant, da geht es vor allem darum, künstlich zu entwässern. Sprich: das Wasser in den Niederungen wird künftig abgepumpt, und zwar mit klimaneutraler Energie aus Windparks. Teilweise werden auch Stauflächen vergrößert.

Die immensen Kosten für die Maßnahmen sind auf Land, Bund sowie EU zu verteilen, doch auch die Grundstückseigentümer werden wohl zur Kasse gebeten. Auch wenn die Niederschläge an unserer Küste in 2017 weit über dem Schnitt lagen, sieht Reimers keinen Trend für solche extremen Wassermengen: „Die größte Bedrohung geht immer noch von der Nordsee aus.“

Der Anstieg des Meeresspiegels. Auch das Wattenmeer wird sich verändern. Die Welt der Inseln und Halligen gilt es zu bewahren, zumal Amrum und Sylt wie Barrieren für das Festland wirken. Inzwischen gibt es Prognosen für einen Anstieg von 40 bis 80 Zentimetern bis 2100. Der Klimawandel kann nur durch Klimaschutz aufgehalten werden.

Wie wird sich das Wattenmeer verändern?

Das Tönniger Multimar Wattforum ist übrigens ein Klimaschutz-Zentrum. In diesem Zusammenhang stehen die Vorträge von Fachleuten sowie eine Sonderausstellung zum Thema „Klimawandel und Wattenmeer“. Weniger Autofahren, das ist schwierig auf dem Land, doch zum Abschluss der Veranstaltung wird auf das Bilden von Fahrgemeinschaften hingewiesen.

Dass die sich gerade neubildende Bundesregierung die bis 2020 gesteckten Klimaziele aufgeben will, ist ein Zeichen von Trägheit und Einfallslosigkeit, finde ich. Wer sich dagegen engagieren will, kann zum Beispiel diese Aktion von campact unterzeichnen. Ganz abgesehen von persönlichen Maßnahmen. Zu meinen zählt: weniger zu fliegen. Natürlich wird Meerblog ein Reiseblog bleiben, und es wird auch immer mal wieder ein exotisches unter den Reisezielen zu finden sein wie aktuell Myanmar. Doch werde ich mehr über Nordfriesland und Umgebung berichten.

Für die gesamte kommende Woche zeigt die Wetter-App übrigens: heiter bis wolkig. Kein Regen. Vielleicht haben wir es überstanden. Fürs Erste zumindest.

Text und Fotos: Elke Weiler

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  1. Sehr schön beschrieben, danke Elke.

    • Danke, Helmut!
      Demnächst gibt es noch mehr zum Thema beziehungsweise zu den Maßnahmen, die durch den ansteigenden Meeresspiegel notwendig werden.
      Liebe Grüße, Elke

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