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Blau wie Hummer

Was tut sich im Wattforum? Wir sind in Tönning, um das herauszufinden.

Schon auf dem Fußweg zum Multimar Wattforum wird der geneigte Besucher aufgeklärt. Zunächst mal über die Schafe, die hier normalerweise beispielhaft grasen.

Es sind meist Texelschafe, die wir in Nordfriesland und Umgebung auf den Deichen und Weiden sehen. Typisch holländisch. Am Ende des Weges erfährt man auch, warum manche Schafe bunte Punkte auf dem Rücken tragen und welche Rassen es sonst noch gibt.

Vor dem Forum hat sich derweil die erste Schulklasse versammelt. Französisch parlierend und sehr gesittet. Bereit für die multimediale Entdeckungstour im Innern der modernen Glasarchitektur am Eiderdeich.

Im Watt fängt alles an. Bei Meeresrauschen aus der Konserve sind seine diversen Bewohner sowohl live als auch in Schaukästen und großformatigen Darstellungen präsent. Wer gleich zu Beginn ein Päuschen benötigt, kann sich in einem gemütlichen Strandkorb nieder- und die wattreiche Umgebung auf sich einwirken lassen.

Wo sind die Schafe?

Nicht nur Kinder finden klasse, dass der Watt-Interessierte selbst Hand anlegen kann. Da dreht zum Beispiel gerade einer der Franzosen ganz kräftig an der Kurbel für eine künstlich eingerichtete Brandungszone mit echten Tieren und Pflanzen.

Die Erklärung: In diesem extremen Lebensraum siedeln sich nur Lebewesen an, die mit viel Bewegung klar kommen, darunter Strandschnecken, Purpurrosen, Einsiedlerkrebse und Seesterne.

Als ich es auch mal probiere und ein paar Wellen ankurbele, macht sich eine Strandkrabbe vom Acker, beziehungsweise flüchtet in die Botanik. Die Tiere in diesem Becken darf man sogar berühren. Aber nur unter Wasser!

Ein großes Thema des Forums sind – wie zu erwarten – Fische. Platte Schollen, live. Der Große Knurrhahn, der sich mit weiteren Kollegen in einem der Aquarien tummelt. Die leckere Goldbrasse, unbehelligt von Angel und Pfanne. Die Dicklippige Meeräsche. Die lustige Streifenbarbe, die mit ihren Tastbarteln den Boden nach Nahrung durchforstet. Und der in natura schon fast verschwundene Nordseeschnäpel.

Kegelrobbe, ausgestopft

Inzwischen trudelt auch eine deutsche Klasse ein und Kaugummi-Geruch macht sich breit. Einige Fische kriegen sogar Küsschen durchs Fenster zugeworfen. Zahlreiche Spiele vervollständigen das Angebot, so dass die Kids ihr neues Wissen gleich auf die Probe stellen können.

Oder sich an Mikroskopen ein paar Momente wie echte Forscher fühlen, die etwa eine Miesmuschel oder die klitzekleinen Strandschnecken untersuchen. Eine ausgestopfte Kegelrobbe ist so beliebt, dass sie schon einige kahle Stellen im gescheckten Pelz vorzuweisen hat.

Plötzlich bin ich im Hochseegewässer gelandet, und es schwimmen dicke Wolfsbarsche und Seelachse an mir vorbei. Auf dem Boden hockt etwas beeindruckend Blauleuchtendes. Auge in Auge mit dem Europäischen Hummer! Angeblich ist er nachtaktiv, doch dieser hier scharrt am hellichten Tage munter mit den Scheren.

Er ist tatsächlich blau.

In einem dunklen Raum à la Amphitheater relaxen sogar die Schüler. Ganz gemütlich sitzt man in der Dunkelheit und starrt auf das beleuchtete Großaquarium wie auf einen spannenden Film. Nur ich raste nicht, fotografiere hin und wieder, weswegen mich die Franzosen schon als „la pauvre allemande“ bemitleiden.

Im dunklen Untergeschoss wird’s gigantisch: Ein männlicher Pottwal streckt sich mit offenem Maul und 17,5 Meter lang in den Raum. Eine Schülerin fragt sich als erstes: „Ist das ein Echter?“

Echt wirkt zumindest das enorme Skelett, wenn auch nicht die halbseitige Außenhülle. Wer so neben und unter dem Riesen geht, den überkommt ein Gefühl von Nebensächlichkeit.

„Es tut dem Menschen wohl, an den Wal zu denken“, wird eine alte Weisheit der Inuit zitiert.

Wohl wahr.

Text und Fotos: Elke Weiler

1 Gedanke zu „Blau wie Hummer“

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