Die schönsten Slow Travel Momente 2017

Es ist wie mit dem Glücksgefühl, plötzlich passiert es. Man ist ständig in Bewegung, und irgendwann hält man an. Ein Moment von großer Intensität, man ist ganz bei sich und an jenem Ort.

So ist es mir zum Beispiel im Sommer auf den Åland-Inseln ergangen. Ich lief über eiszeitlich geschliffenes Gestein, wunderte mich, wie die Heide in diesen Felsritzen wachsen kann, als ein Hase ganz gemütlich um die Ecke bog. Dass er nicht gegrüßt hat, war alles.

Solche stillen Erlebnisse sind so einfach, so selbstgenügsam wie perfekt. Ich nenne sie Slow Travel Momente, weil man genau in diesem Augenblick die Magie des Ortes stark spürt.

Wenn der Tag erwacht. © Elisa Model | take an adVANture

Elisa von „TakeanadVANture“: Tagesanbruch in den Dolomiten

Es ist kurz nach vier Uhr am Morgen und um mich herum ist es stockduster. Einzig meine Stirnlampe leuchtet mir den Weg in dem bergigen Gelände. Der Leuchtkegel trifft ein paar Meter vor mir auf den Untergrund, hebe ich aber den Kopf dann verschwindet er im dunklen Nichts, das mich umgibt. Körper und Geist sind um diese Uhrzeit noch nicht ganz im Einklang, also trotte ich etwas schlaftrunken den steilen Berg hinauf.

Ich versuche etwas um mich herum zu erkennen. Nachts sind ja aber bekanntlich alle Katzen grau, deswegen scheint es eine Kulisse, die überall in den Alpen hätte stehen können. Da ich aber bereits am Abend zuvor schon in der Büllelejochhütte angekommen bin, weiß ich um die Aussicht, die mich gerade umgibt. Nur geht es jetzt noch ein paar Höhenmeter hinauf, zum Sonnenaufgang auf die Oberbachernspitze in den Dolomiten auf 2677 Meter.

Es dauert nicht lange, bis die ersten Umrisse der umliegenden 2000 bis 3000er zu erkennen sind. Die Stirnlampe brauche ich jetzt nicht mehr, dafür aber den zweiten Pullover und meine Mütze. Ich setze mich vorsichtig an das Gipfelkreuz und genieße die Aussicht. Ich versuche diesen Moment aufzusaugen, ihn festzuhalten und in meinem Kopf in einer kleinen Erinnerungskiste abzuspeichern. Über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos, das kommt mir gerade in den Sinn, im Tal unter mir hängt der Nebel aber noch zwischen den Bergketten fest.

Die aufgehende Sonne taucht die ersten Bergspitzen in ein orangenes Licht und langsam erwacht ein neuer Tag mit all seinen Geräuschen. Ein Schauspiel, das seit Jahrmillionen mit immer der gleichen Besetzung aufgeführt wird und trotzdem nicht einen Moment an Magie
verloren hat. Den restlichen Sommertag verbringe ich mit dem Abstieg ins Tal und einem erholsamen Nachmittag am Pragser Wildsee.

-> Lest weiter auf take an adVANture.

Das echte Finnland-Feeling © Sina Kaiser | Nordlandfieber

Sina von „Nordlandfieber“: Sauna am See

Ich muss nicht lange überlegen, wenn man mich nach meinem schönsten Reisemoment des Jahres fragt. Gab es viele schöne Augenblicke, so bin ich doch gedanklich sofort zurück in Finnland: mit dem Kaiser, der Räubertochter und unserem rollenden Mökki auf einem kleinen Campingplatz in Lakeistenranta unter Bäumen, auf einer Wiese, direkt am Wasser und vor allem in der kleinen Holzsauna aus den 60er Jahren.

Ich höre das leise Plätschern des Wassers, das auf die Außenhaut unseres Faltbootes trifft, während wir über den See gleiten, spüre die Felsen unter den Füßen, auf denen ich mich zur Rast niederlasse, rieche den Rauch, der aus der Sauna aufsteigt, erinnere mich an den Geruch der Birkenzweige in meiner Hand und an das Gefühl, in das frische Seewasser zu gleiten.

-> Mehr über finnische Langsamkeit findet ihr auf Nordlandfieber.

Brüllaffe im Anflug © Ellen Gromann | Patotra

Ellen von „Patotra“: Wenn der Dschungel singt

Schönste Momente kenne ich viele auf Reisen. Häufig sind das die ganz kleinen Dinge. Das Meeresrauschen, der Duft von Orangenblüten das offene Lächeln eines wildfremden Menschen. Ein schönster Moment, der sich dieses Jahr ganz besonders in meine Erinnerung eingeprägt hat, war unsere erste Nacht in einer kleinen Lodge, mitten im Dschungel, im Tortuguero Nationalpark in Costa Rica.

Es war morgens so etwa um drei oder vier Uhr, als unheimliche und wummernde Geräusche von Ferne in unser kleines Häuschen drangen. Dort wo normalerweise Fenster sind, trennten uns lediglich Fliegengitter vom dunklen Urwald. Die Geräusche kamen näher und näher und wurden immer unheimlicher und lauter. Sie weckten jetzt auch meine beiden Söhne und meinen Mann.

„Was ist das?“ fragte ich mit einem wohl etwas ängstlichen Unterton. Der Jüngste fing in seinem Bett an zu kichern. „Mami, das sind nur die Brüllaffen!“ Recht hatte er! Wenig später turnte eine ganze Brüllaffenbande um und auf unserem Häuschen. Mir läuft heute noch bei dem Gedanken ein wohliger Schauer den Rücken hinunter. Das, was erst so bedrohlich klang, entpuppte sich als das wundervolle Lied des Dschungels, und wir waren mitten drin und ein Teil davon.

Das morgendliche Rufen der Brüllaffen begleitete uns noch weiter auf unserer Reise durch Costa Rica. Jedes Mal lag ich wach und lauschte und fühlte ein unbeschreibliches Glücksgefühl, diesen Moment mit meiner Familie erleben zu dürfen.

-> Den ganzen Artikel könnt ihr auf Patotra genießen.

Langsamer geht’s nicht. © Kathrin Heckmann | Fräulein Draußen

Kathrin von „Fräulein Draußen“: Im australischen Busch

Eigentlich war meine ganze 1000 km lange Fernwanderung im Süden Westaustraliens ein einziger Slow-Travel-Moment. Zwei Monate lang morgens mit dem ersten Licht aus dem Schlafsack schlüpfen und erst mal ganz in Ruhe Kaffee vom Gaskocher trinken, während der australische Busch und seine Bewohner um einen herum langsam erwachen. Dann laufen, laufen, laufen und dabei jedem Vogel, jeder Orchidee, jedem Känguru am Wegesrand Beachtung schenken.

Abends der heißen Mahlzeit huldigen, als wäre es die erste und die letzte und anschließend den Tag am Lagerfeuer ausklingen lassen – vorausgesetzt man ist nicht zu müde und kriecht lieber direkt in den Schlafsack. Kein Netflix, keine Supermärkte, kein Verkehrslärm, oftmals noch nicht mal Handyempfang. Bewusster und intensiver kann man einen Ort und auch sich selbst wohl nicht erleben. Und genau das ist es, was ich am (Fern-)Wandern so sehr mag.

-> Sämtliche Etappen der Wanderung findet ihr bei Fräulein Draußen.

Im Alentejo © Monika Fuchs | Travelworldonline

Monika von „Travelworldonline“: Auf der Rota do Peixe

Im Januar 2017 waren wir mit Freunden unterwegs entlang der Rota do Peixe, der Route der Fische. Diese führt im Alentejo südlich von Lissabon immer an der Küste entlang. Die Strecke ist gerade mal 200 Kilometer lang, doch wir nahmen uns dafür eine Woche Zeit. Immer wieder machten wir Abstecher an einen der Strände – kilometerlange Sandstrände, die nie zu enden schienen, aber auch kleine, intime Buchten, die sich zwischen die rauen Klippen der Steilküste schmiegten.

Unterwegs schauten wir Fischern zu, wie sie ihren frischen Fang auf dem Markt verkauften. Andere beobachteten wir bei der Reparatur ihrer Netze. Wieder andere bewunderten wir, wie sie mit ihren kleinen Schaluppen gegen die Brandung ankämpften, die es zu überwinden galt auf dem Weg zu ihren Fischgründen. An manchen Orten ließen wir uns einfach den Wind um die Nase wehen und sahen zu, wie Vogelschwärme ihren Tanz in den Lüften über uns vollführten.

Dazwischen nahmen wir uns immer wieder stundenlang Zeit, um die Köstlichkeiten zu genießen, die frisch aus dem Meer in den Küchen der Restaurants landeten. Die Muße, die wir uns auf dieser Reise gönnten, ließ uns die Region mit allen Sinnen erleben. Das war unser bester Slow Travel Moment in diesem Jahr.

-> Lest mehr über die Strecke bei Travelworldonline.

Das Grün des Lebens © Nicole Biarnes | Freibeuter Reisen

Nicole von „Freibeuter Reisen“: Getragen vom Regenwald

Einer der beeindruckendsten Momente, die ich je erlebt habe, war ein ganz normaler Morgen im Amazonas. Es war eigentlich gar nichts los. Jedenfalls war es keine Aktivität, keine Sehenswürdigkeit, die mich so nachhaltig bezaubert hat, sondern gerade die Abwesenheit all dessen.

Um mich herum wilde Natur, grüne Wälder und laut krakeelende Brüllaffen in den Bäumen. Ganz von allein, ohne Grund, kullern mir Tränen aus den Augen. Der Regenwald macht etwas mit mir. Er überwältigt mich. So viele Gefühle strömen durch mich hindurch und spülen jeden klaren Gedanken fort.

Dieser Wald trägt mich. Noch nie habe ich mich an einem Ort so geborgen gefühlt. Kein Platz der Welt hat mich so bewegt, wie dieses grüne Stück Land. Mein Herz ist voller Glück. Unaufhaltsam bahnt sich mein Innerstes einen Weg nach draußen. Jede Anspannung fällt von mir ab. Die Tränen fließen vor Freude und Leichtigkeit. Das Leben ist eigentlich so einfach. Und so unermesslich schön.

-> Mehr brasilianische Momente gibt es auf Freibeuter Reisen.

Sauna mit Birkenduft © Christine Birkel | Finnweh

Tine von „Finnweh“: Birkenduft bei 60 Grad

In diesem Jahr war ich so oft in Finnland unterwegs, dass ich teilweise gar nicht mehr wusste, wann ich an welchem Ort war. Doch ein Moment erfüllt mich immer wieder mit einem tiefen Gefühl der Ruhe und Entspanntheit. Ein Erlebnis in einer Sauna, die am südlichen Zipfel des langen Sees Päijänne mitten in Finnland steht. Maaria wird an diesem Abend mit mir in die Sauna gehen. Sie ist Heilerin und versiert in Volksheilkunde.

Zuerst schwitzen wir gemeinsam bei milden 60 Grad Celsius. Dann darf ich mich hinlegen und entspannen. Unter runenhaften Gesängen und mystischen Sprüchen, begrüßt sie die Hitze und das Löyly, den Dampf der Sauna und des Lebens. Während sie mich mit Birken- und Eichenquasten klopft, Salz und Frauenkräuter auf meinen Körper streut und immer wieder sanft das laue Wasser über mich gießt, erfüllt meine Nase der Duft von Birkenblättern des Quasts, auf dem mein Kopf ruht, ein weiterer auf meinem Kopf.

Fast wie in einen Wald eingehüllt, schweifen unter den sonoren Gesängen und Waschungen meine Gedanken völlig ab, um nach unbekannter Zeit durch das Zischen des Aufgusses auf den heißen Ofensteinen zurückgeholt zu werden. Ich verliere das Zeitgefühl und liege da, völlig losgelöst. Nach zwei Stunden ist die Prozedur vorbei wie ein Wimpernschlag, und ich brauche einen Augenblick, um wieder in der Realität anzukommen.

Die Sauna reinigt nicht nur den Köper, die Poren, tief und rein, sondern kann auch den Geist und die Achtsamkeit erfrischen und erneuern. Auch wenn ich schon viele wunderbare Saunagänge in meinem Leben absolviert habe, so wird mir dieses unglaubliche Ritual immer in Erinnerung bleiben.

-> Das ganze Erlebnis findet ihr auf finnweh.

Pinguinliebe © Kathrin Haase | travelinspired

Kathrin von „travelinspired“: Meeting mit Pinguinen

Ich habe mir 2017 meinen größten Reisetraum überhaupt erfüllt: eine Expeditions-Seereise zu den Falklandinseln, nach Südgeorgien und in die Antarktis. Alles drei atemberaubende Natur- und Tierparadiese, bevölkert von riesigen Pinguinkolonien. Eigentlich war die ganze Reise ein einziger Glücksrausch!

Aber ganz besonders faszinierend war für mich die Begegnung mit den Felsenpinguinen auf den Falklandinseln. Felsenpinguine sind schon seit Ewigkeiten meine erklärten Lieblingspinguine. Nicht nur wegen ihres lustigen Aussehens, sondern vor allem, weil sie so hart im Nehmen sind und sich mutig tiefe Felsen hinunter ins Meer stürzen.

Diese tollen Pinguine stundenlang in ihrer Kolonie beobachten zu dürfen, war wirklich einzigartig! Ich könnte jetzt noch Platzen vor Begeisterung! Und mal ehrlich: Wer könnte diesen knuffigen Pinguinen widerstehen?

-> Viele, viele Pinguine findet ihr bei travelinspired.

Herzlichen Dank an meine Bloggerkollegen für das Teilen ihrer persönlichen Highlights! Mir ging es genauso wie Kathrin, als ich 2016 in der Antarktis war. Bewundernswerte, zähe, großartige kleine Pinguine, die dem harten Leben auf dem Eis trotzen. Es ist die überwältigende Schönheit der Natur, der vom Menschen weitgehend unberührten Natur.

Doch man muss nicht unbedingt ans Ende der Welt reisen. Starke Augenblicke sind überall und für jeden möglich, der offen dafür ist und neugierig wie ein Kind. Aufs Wasser gucken, auf einen Baum, eine zarte Pflanze zwischen Asphalt, eine besondere Wolke, ein spezielles Licht. Oder wie Ellen weiter oben sagt: ein Lächeln.

Ich wünsche allen viele wunderbare und intensive Momente in 2018!

  1. Eberle Kurt

    Hai Elke,
    Alles, was unmittelbar wirklich und gegeben ist, alle Dinge also, beschliesst und umgrenzt das Wort >NaturNatur< zu nennen, das Ganze seiner Leiblichkeit, die unbewussten Regungen, die Gefühle und Triebe. Zwar: wir können sie in die Zucht der Aufmerksamkeit ind des Willens nehmen und sie gewöhnen, auf bewusst vorgestzte Motive in gewüschter Weise zu antworten. Wir können unsere Natur erziehen und lenken, aber nicht austreiben. Immer wächst die eigene Natur wild weiter, sobald wir vergessen zu jäten und zu veredeln. Es geht im Inneren, wie es der Gärtner erfährt und Horaz es so anschaulich gemacht hat: Gruss Kurt

  2. Liebe Elke,
    was für eine wunderschöne Sammlung von Slow Travel Momenten, herrliche Inspiration für das nächste Reisejahr. Skandinavien und die Dolomiten stehen bei mir auf jeden Fall ganz weit oben auf der Wunschliste :-)
    Liebe Grüße
    Kathrin

    • Liebe Kathrin, 1000 Dank fürs Mitmachen! Ihr habt alle so schöne und unterschiedliche Dinge erlebt, sehr spannend und abwechslungsreich zu lesen. :-) Liebe Grüße von der Nordsee! Elke

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