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Tanz der Ringelgänse

Niedrigwasser – ein Problem? Beizeiten schon. Etwa, wenn man einen Termin auf der schönen Hallig Hooge hat. Dort und auf Langeness sowie Amrun werden derzeit nämlich die Ringelganstage zelebriert.

Und ich wollte immer mal wissen, wie die Profis Vögel zählen! Für den Vogelkiek sollte ich spätestens um 12 Uhr auf Hooge an der Schutzstation auf der Hanswarft eintreffen.

Der Ostwind sei schuld, sagt man mir. Mit den anderen Gästen beobachte ich die Schiffe vor dem Fährhafen in Schlüttsiel: Stillstand im Watt. Doch der Wasserspiegel steigt sichtbar an, und die Schiffe setzen sich mit einer einstündigen Verspätung in Bewegung.

Mit der Fähre nach Hooge

Mit dem Schiff nach Hooge

Die Morgenstimmung am Hafen entschädigt fürs Warten: Am Horizont heben sich die Warften von Gröde und Langeness über dem Luftspiegel heraus, Häuser schweben wie Fata Morganas über dem Meer. Und es wird klar, warum der Husumer Dichter Theodor Storm die Halligen als schwimmende Träume betitelte.

Leider ist es schon 12 Uhr durch, als ich auf Hallig Hooge ankomme. Aber ich werde wohl eine Vögel zählende Gruppe mit Ferngläser auf so einer überschaubaren Fläche wie einer Hallig identifizieren können…

Der Vogelkiek-Treffpunkt

Mit dem Leihfahrrad peile ich die Hanswarft an, Hotspot von Hooge. Von dort werde ich nach geeigneten Personen Ausschau halten. Kein Grüppchen weit und breit. Was ist denn nun mit dem Vogelkiek? Intuitiv steuere ich die Westerwarft an, spreche die nächst verfügbare Gruppe an, die mitten in der Gegend herumsteht. Volltreffer!

Der Profi am Spektiv

Der Profi am Spektiv

Sogleich wird mir ein Fernglas um den Hals gehängt, und ich bin in den Ringelgans-Laienzähltrupp integriert. Unter der Ägide von Niklas Müller, seines Zeichen Nationalparkbetreuer, erfahren wir mehr über die aktuelle Vogelwelt auf Hooge.

Was auf jedem Quadratmeter genug Stoff bietet, um ein ganzes Buch darüber zu schreiben: Lachmöwen, Küstenseeschwalben, Austernfischer, Brandgänse, Eiderenten, Heringsmöwen, Kiebitze, Rotschenkel, Säbelschnäbler, Lerchen und ganze Schwärme von Goldregenpfeifern.

Ein Paradies für Ornithologen. Und auch die unbedarfte Zuschauerin kommt beim ersten Vogelkiek seines Lebens langsam auf den Geschmack. Mehr noch. Hooges Ruhe, der Meerduft, die Weite der Landschaft – hier kommt jeder sofort ins Lot.

Ringelgans meets Kuh.

Ringelgans meets Rind.

Aber wir wollen ja Gänse zählen! Erster Versuch: eine übersichtliche Fenne, so nennt man die Felder hier, und eine relativ überschaubare Zahl an grasenden Gänsen. Wir zählen mit unseren Leihferngläsern, und der Profi mit Zähler und Spektiv.

Na bitte, das läuft wie geschmiert, eine leichte Einstiegsübung. Nebenbei erfahren wir, dass die Hooger ihre Katzen zwei Monate lang nicht herauslassen, damit die Zugvögel und Brüter nicht gestört werden. Die kurze Grasnarbe weist noch darauf hin, dass der Winter hart und lang war.

Ein Kilo Gras am Tag

Aber der hungrige Vogelbesuch muss sich gut rüsten für seinen weiten Weg nach Sibirien. „Ein Kilo Gras fressen die Gänse am Tag“, weiß Niklas. „Aber sie sind schlechte Verwerter und verdauen nur ein Drittel davon.“

Man fühlt sich wohl.

Man fühlt sich wohl.

Ihr Kot, mit dem die Hooger Wiesen übersät sind, besteht daher hauptsächlich aus Gras. Für die verspätete Nutzung durch das Vieh werden die Landwirte ordentlich entschädigt. Und doch sind schon einige Kühe auf Hooge gelandet, die hier den Sommer verbringen. Erstes Pensionsvieh zwischen den Gänsen.

Wir werfen einen Blick in die Ferne: Niklas erzählt von den Exkursionen nach Japsand und Norderoogsand, der nur zum Teil von Besuchern betreten werden darf. Schutzzone 1! Die Hochsande sind nun mal von fundamentaler Bedeutung als Rast- und Brutplätze.

Was die Ringelgänse nun ausgerechnet auf die Halligen verschlagen hat, während am Festland vor allem Nonnen- und Brandgänse rasten, weiß der Nationalparkbetreuer natürlich auch: „Die Ringelgänse sind hier außer Konkurrenz und haben sich an den höheren Salzgehalt der Wiesen mit einer speziellen Drüse angepasst.“

Diese Halligruhe!

Diese Halligruhe!

Hooge ist also eine gute Wahl – mitten im Watt. Auch ich würde gerne noch etwas bleiben, wie die Ringelgänse. Nicht unbedingt nur zum Vogelkiek. Doch bevor das Wasser wieder abläuft, hüpfe ich zurück auf die Fähre, die das Festland ansteuert. Bis zum nächsten Mal!

Text und Fotos: Elke Weiler

See you, Hooge!

See you, ihr Halligen!

3 Gedanken zu „Tanz der Ringelgänse“

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